Stadtohr

Stadtrundgang Hannover · Station 11 von 16

Karmarschstraße 44

1891 · apotheke, backsteinbau, denkmalschutz

Ausführlich

Sie stehen an der Karmarschstraße 44, einem Eckhaus an der Kreuzung mit der Köbelingerstraße. Gegenüber im Süden die Markthalle, gegenüber im Norden das Alte Rathaus. Dieser Ort ist eine Apothekenadresse, und zwar nicht erst seit diesem Haus. Fangen wir auf der anderen Straßenseite an. Am Alten Rathaus gab es einen sogenannten Apothekenflügel, erbaut von 1565 bis 1567 durch Hinrich Holste aus Hildesheim. Dort befand sich die erste Apotheke Hannovers. Mit dem Neubau, vor dem Sie stehen, wurde die Rathsapotheke dann auf diese Straßenseite verlagert. Der Name ist also mitgezogen, quer über die Straße, nach mehr als dreihundert Jahren. Das heutige Bauwerk wurde von Paul Rowald als Wohn- und Geschäftshaus entworfen und 1891 von Max Küster erbaut. Und nun schauen Sie sich die Oberfläche genau an: Dieser Backsteinbau fällt vor allem durch seine verschiedenfarbig glasierten Ziegel auf. Glasiert heißt, die Steine haben eine glänzende Schicht; im Licht wechselt die Wand dadurch die Farbe. Suchen Sie dann am Eckeingang nach oben: Dort sitzt ein Einhorn, und darüber im Rundbogen steht der Schriftzug Rathsapotheke. Die beiden Figuren sind das Stück, das Sie sich merken sollten. Der Vorgängerbau an dieser Stelle stammte aus der Zeit um 1830 und war von August Heinrich Andreae erbaut worden. Von diesem Vorgängerbau sind heute noch die beiden Statuen am Eingang erhalten: Hippokrates und Hygieia, geschaffen von Bernhard Wessel. Als Allegorien des Heilwesens weisen sie auf die Nutzung des Hauses hin. Sie haben also den Abriss ihres eigenen Gebäudes überlebt und bewachen jetzt dessen Nachfolger. Das ist, nach dem Steingiebel in der Leinstraße und den Balken in der Knochenhauerstraße, das dritte Mal heute, dass ein Stück ein Haus überdauert. Dieses Gebäude ist als Einzeldenkmal nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz ausgewiesen, und die Begründung des Landesamtes für Denkmalpflege lohnt sich, weil sie zeigt, wie so etwas begründet wird. Genannt werden drei Gründe: die geschichtliche Bedeutung als beispielhafter Bautyp mit Zeugnis- und Schauwert für die Bau- und Siedlungsgeschichte, die künstlerische Bedeutung mit dem Erlebniswert für nicht alltägliche künstlerische Gestaltwerte, und die städtebauliche Bedeutung als Element des räumlichen Gefüges einer Straße mit Wirkung auf das Straßen- und Ortsbild. Geschützt ist außerdem mehr als dieses Haus. Die einheitliche Bebauung der Häuserzeile an der Karmarschstraße gegenüber der Markthalle bildet eine Gruppe baulicher Anlagen, ein Ensemble, und auch die ist denkmalgeschützt. Dazu gehört dieses Haus zur Gruppe Altstadt am Markt und Hanns-Lilje-Platz, die den mittelalterlichen Siedlungskern repräsentiert. Geschützt ist also nicht nur ein Stein, sondern ein Zusammenhang.

Kurzfassung

Sie stehen an der Karmarschstraße 44, Ecke Köbelingerstraße. Das denkmalgeschützte Backsteingebäude wurde von Paul Rowald entworfen und 1891 von Max Küster erbaut. Über dem Eckeingang sitzt ein Einhorn, darüber im Rundbogen der Schriftzug Rathsapotheke. Gegenüber liegen die Markthalle und das Alte Rathaus.

Für Kinder

Schau dir dieses Eckhaus an. Es ist aus Backstein gebaut, und viele Steine sind glasiert: Sie haben eine glänzende Schicht und schimmern im Licht in verschiedenen Farben. Über der Eingangstür an der Ecke sitzt ein Einhorn. Darüber steht in alter Schreibweise Rathsapotheke. Neben dem Eingang stehen zwei Steinfiguren. Sie heißen Hippokrates und Hygieia und sind viel älter als das Haus: Sie standen schon am Haus, das vorher hier war. Als das abgerissen wurde, hat man die Figuren behalten und an das neue Haus gestellt. Findest du das Einhorn?

Quellen

Koordinaten: 52.3707805, 9.735874 · auf der Karte

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