Stadtohr

Stadtrundgang Hannover · Station 14 von 16

London-Schenke (Hannover)

· gasthaus, haendel, armenhaus

Ausführlich

Sie stehen am Leibnizufer. Der Standort der London-Schenke liegt unter dieser Straße, die 1951 angelegt wurde und ihn überbaute. Angefangen hat es bescheiden. 1682 ließ der Gastwirt Müller seine Neue Schenke in Fachwerkbauweise an der Ecke Neue Straße und Bockstraße errichten, gegenüber der Marstallbrücke. Dann änderte sich der Name durch ein Ereignis, das achthundert Kilometer entfernt stattfand. 1714 bestieg Georg Ludwig, Kurfürst von Hannover, als Georg I. den Thron von Großbritannien und Irland. Daraufhin hieß die Neue Schenke Im Schilde von London, abgekürzt London-Schenke. Ein Wirtshaus benennt sich nach der neuen Hauptstadt seines Landesherrn. Von 1714 bis 1837 bestand diese Personalunion, und sie ist der Faden, an dem heute das Monogramm am Clevertor, der Hausbesitzer in der Leinstraße, der Hoflieferant am Holzmarkt und dieser Wirtshausname hängen. 1727 und 1760 wurde das Gasthaus durch Ankauf benachbarter Häuser erweitert. Dieses Haus war auch ein Konzerthaus, und es hat Musikgeschichte gesehen. 1776 fand hier die deutsche Uraufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium Samson statt. 1778 wurde hier Händels Ode Das Alexander-Fest dargeboten. Eine deutsche Erstaufführung in einem Gasthaus an der Leine. Zwei Gäste sollen Sie kennen. 1742 starb hier der Schatzrat Gebhard Werner von Bartensleben, geboren am 17. Februar 1675, als letzter seines Geschlechts im Mannesstamme. Er war wegen seines schlechten Gesundheitszustands nach Hannover gekommen, um sich von Ärzten kurieren zu lassen. Mit seinem Tod fiel sein Lehen über den Ort Vorsfelde und den Vorsfelder Werder an das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel zurück. Ein Adelsgeschlecht endet in einem Hotelzimmer. Und am 3. August 1809 nahm der Schwarze Herzog, Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels, hier Quartier, als er während der Befreiungskriege gegen Napoleon nach dem Gefecht bei Ölper Richtung England floh. Ein Buch ist hier auch entstanden. 1808 schrieb A. F. Durant, früher Koch und dann Besitzer der London-Schenke, ein Kochbuch, und der Titel allein zeigt, wie man damals Bücher ankündigte: Neues auf langjährige Erfahrung gegründetes und nach dem neuesten Geschmack in der Kochkunst eingerichtetes Kochbuch, nebst einer Anweisung, die vorzüglichsten Sorten Backwerk, Kuchen, Torten und so weiter zu machen. Mit hinlänglichen Küchenzetteln zu Mittags- und Abendtafeln auf alle Monate und Jahreszeiten. Gekauft hat die Stadt die Häuser dann 1824, im Jahr der Eingemeindung der Calenberger Neustadt, und zu einem anderen Zweck: Unter dem Stadtdirektor Wilhelm Rumann war eine neue Armenordnung erlassen worden, und hier wurde ein neues Armenhaus eingerichtet. Vom Gasthaus mit Händel-Erstaufführung zum Armenhaus, in zwei Generationen. Zerstört wurde das Gebäude durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges.

Kurzfassung

Sie stehen am Leibnizufer. Hier stand die London-Schenke, ein 1682 errichtetes Gast- und Konzerthaus in der Calenberger Neustadt. Später diente sie als Armenhaus. Durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges wurde sie zerstört, und 1951 überbaute die neue Straße Leibnizufer den Standort.

Für Kinder

Hier stand früher ein Gasthaus. Gebaut wurde es 1682 aus Fachwerk, und es hieß zuerst einfach Neue Schenke. Der Kurfürst von Hannover wurde 1714 auch König von England. Daraufhin nannte der Wirt sein Haus nach der neuen Königsstadt: London-Schenke. 1776 wurde hier ein großes Werk von Georg Friedrich Händel zum ersten Mal in Deutschland aufgeführt. Ein späterer Besitzer war Koch und schrieb ein Kochbuch. Später wurde aus dem Gasthaus ein Armenhaus für Menschen ohne Geld. Im Krieg wurde es zerstört, und darüber baute man 1951 eine Straße.

Quellen

Koordinaten: 52.3728, 9.72921 · auf der Karte

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