Sie stehen in der Knochenhauerstraße 34. An der vorigen Station haben wir ein Haus gesehen, dessen Steingiebel in einen Neubau eingesetzt wurde. Hier geht dasselbe Verfahren noch einen Schritt weiter, und darum ist dieses Haus die eigentliche Schlüsselstation dieses Rundgangs. Das Gebäude ist Anfang der 1970er Jahre entstanden. 1972 ließ Marie Clausner als Bauherrin durch den Architekten Hans Thiermann ein dreigeschossiges, giebelständiges Haus neu errichten. Für die Fachwerkfassade setzte man im ersten und zweiten Obergeschoss Balkenstücke des Vorgängerbaus ein. Dieser Vorgängerbau ist gut datiert, und zwar durch seine eigenen Inschriften: errichtet 1646, mitten im Dreißigjährigen Krieg. Ein Jahrzehnt vorher, 1636, hatte Herzog Georg Hannover zu seiner Residenz erklärt, und 1646 wurde die Stadt unter seinem Sohn und Nachfolger Christian Ludwig zur Garnisonstadt mit neuen Befestigungsanlagen ausgebaut. In diesem Jahr baute hier jemand ein Wohnhaus. Wer, lässt sich an zwei Zeichen ablesen. Suchen Sie in der Mitte des zweiten Obergeschosses auf einem Ständerbalken die Initialen M, C, L. Das ist die Signatur des Baumeisters: Meister Cord Levecke, gestorben im April 1661 in Hannover. Und jetzt die Pointe: Dieses Gebäude ist das einzige in der Altstadt von Hannover nachgewiesene Werk dieses Baumeisters. Ein Mann, ein Haus, und das Haus ist auch nur noch zum Teil da. Am Schwellbalken des ersten Obergeschosses sitzt ein Medaillon mit einer Hausmarke und dem Initial D. Das deutet auf ein Mitglied der Familie von Dören hin, und nach dem Schoßregister von 1646 im Stadtarchiv Hannover liegt Hans von Dören als Bauherr nahe. Die Inschriften geben Bibeltexte wieder, aus dem Buch Jesaja und aus den Psalmen. Und nun kommt das, was dieses Haus zum Lehrstück macht. Die Schwellbalken des Giebels stammen nicht aus Hannover. Sie kommen von der wohl nach 1570 erbauten Wassermühle des Rittergutes Eimbeckhausen. Deren Giebelinschrift ist in niederdeutscher Sprache verfasst, mit Auszügen aus Psalm 127, gefolgt von einem Sprichwort, und sie trägt in römischen Ziffern die Jahreszahl 1572. Rechnen Sie zusammen, wovor Sie stehen. Ein Haus von 1972. Darin Balken eines hannoverschen Hauses von 1646, mit der Signatur eines Baumeisters, der 1661 starb. Und darüber im Giebel die Balken einer Wassermühle aus einem anderen Ort, datiert 1572. Drei Jahrhunderte und zwei Ortschaften in einer einzigen Fassade. Das ist keine Fälschung, denn die Inschriften sagen offen, woher sie kommen. Es ist eine Sammlung, die so aussieht wie ein Haus. Seit 1996 weist übrigens die Figur eines kaffeetrinkenden Konrad des Comiczeichners Ralf König auf das Café Konrad in diesem Haus hin. Damit hat die Fassade auch noch eine vierte Zeitschicht.
Sie stehen in der Knochenhauerstraße 34. Das Gebäude wurde Anfang der 1970er Jahre errichtet, die Fachwerk-Fassade davor ist jedoch zusammengesetzt: aus Balken des Vorgängerbaus von 1646 und aus Balken der Wassermühle des Rittergutes Eimbeckhausen. Die ältesten Inschriften reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück.
Dieses Haus ist ein Rätsel. Es sieht aus wie ein altes Fachwerkhaus, wurde aber erst 1972 gebaut. Die Holzbalken an der Front sind trotzdem echt und sehr alt. Ein Teil kommt von dem Haus, das vorher hier stand: Es wurde 1646 gebaut und im Krieg schwer beschädigt. In einen Balken hat der Baumeister seine Zeichen geschnitzt, ein Beil und ein Winkelmaß, dazu die Buchstaben M C L für Meister Cord Levecke. Die Balken oben im Giebel kommen von noch weiter weg: aus einer alten Wassermühle in einem anderen Ort. Findest du die eingeschnitzten Zeichen?
Koordinaten: 52.3724006, 9.7335599 · auf der Karte