Stadtohr

Stadtrundgang Hannover · Station 7 von 16

Holzmarkt 3 (Hannover)

· fachwerkhaus, handel, stolpersteine

Ausführlich

Sie stehen am Holzmarkt 3, Ecke Kramerstraße. Nehmen Sie sich für dieses Haus Zeit, denn es ist in dieser Altstadt eine Seltenheit: ein Fachwerkbau, der wirklich alt ist. Errichtet wurde er um 1660, gut zwei Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg. Schauen Sie die Fassade von unten nach oben ab. Vier Geschosse kragen vor, jedes ragt also ein Stück weiter in die Straße als das darunter. Der Giebelerker, fachsprachlich das Zwerchhaus, ist zur Holzmarktseite ausgerichtet. Und nun ein Detail für das Auge: Die Balkenköpfe sind unverkleidet sichtbar geblieben, die Füllhölzer dazwischen sind alle gleich profiliert und sitzen über abwechselnden Fußknaggen. Das ist kein Schmuck, der aufgeklebt wurde. Das ist die Konstruktion selbst, die man sehen darf. Zum Grundstück gehörte ursprünglich auch das Nachbargrundstück in der Kramerstraße. Und mit dem Eigentum war jahrhundertelang eine Braugerechtsame verbunden, ein noch aus dem Mittelalter stammendes Recht, hier Bier zu brauen. Im Erdgeschoss war ein Laden, und um 1830 wurde er neu ausgestattet. Kurz darauf endete die Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, und mit dem Einzug von König Ernst August wurde Hannover 1837 wieder Residenzstadt. Davon profitierte auch dieses Haus: Der Eigentümer G. W. Mercklin, geführt unter der damaligen Billetnummer 1043, wurde zum Hof-Materialisten erhoben und zum Tee- und Kolonialwarenhändler Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinzen, des späteren Königs Georg V. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs ging das Ladengeschäft auf den Inhaber Ernst Sengstadt über. Die Familie Mercklin selbst wandte sich dem Geld zu: Seit 1870 und 1871 konzentrierten sich ihre unternehmerischen Aktivitäten auf das Bankhaus Mercklin und Schumacher in der nahen Burgstraße 40, geführt vom Bankier Gustav Mercklin, der zugleich Geschäftsführer des Hannoverschen Künstlervereins war. Noch gegen Ende der Weimarer Republik berichtete der Denkmalpfleger Arnold Nöldeke, dass die Ladenausstattung aus der Zeit um 1830 noch teilweise erhalten sei. Und nun der Teil, für den wir an der ersten Station waren. In diesem Haus hatten Max Moses Heinemann, geboren 1872, und Rosa Heinemann, geborene Friedmann, geboren 1875, ihren letzten freiwilligen Wohnsitz. Bleiben Sie an diesem Wort hängen: freiwillig. 1939 flohen die beiden in die Niederlande. Dort wurden sie während des Zweiten Weltkrieges zunächst im Durchgangslager Westerbork interniert, von dort deportiert und im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. An der ersten Station habe ich von sechstausendachthundert Menschen gesprochen, an die das Mahnmal am Opernplatz erinnert. Hier stehen zwei Namen und eine Adresse. Dieses Haus hat vier vorkragende Geschosse, eine Braugerechtsame und einen königlichen Hoflieferanten. Und es hat diese zwei Namen. Beides gehört zu diesem Haus.

Kurzfassung

Sie stehen am Holzmarkt 3, Ecke Kramerstraße, vor einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert. Errichtet wurde es um 1660, gut zwei Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg. Es hat vier vorkragende Geschosse und einen Giebelerker zur Holzmarktseite. An der Fassade blieben die Balkenköpfe unverkleidet sichtbar.

Für Kinder

Du stehst vor einem echten Fachwerkhaus. Es ist über dreihundertfünfzig Jahre alt und wurde um 1660 gebaut. Schau nach oben: Jedes Stockwerk ragt ein Stück weiter in die Straße hinein als das darunter. Wer dieses Haus besaß, durfte hier Bier brauen. Unten im Erdgeschoss war lange ein Laden, in dem Tee und Gewürze verkauft wurden, sogar an den Königssohn. In diesem Haus wohnten auch Max und Rosa Heinemann. Sie waren jüdisch und mussten 1939 fliehen, weil die Nationalsozialisten sie verfolgten. Sie wurden in einem Lager ermordet.

Quellen

Koordinaten: 52.371533, 9.732755 · auf der Karte

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