Sie stehen dort, wo das Museum Godeffroy lag. Es war ein naturkundliches, wissenschaftliches Museum und bestand von 1861 bis 1885. Ein genaues Gründungsdatum gibt es vermutlich nicht. Als Beginn gilt die Anstellung des ersten Forschungsreisenden und dessen Reise im Herbst 1861. Sein Haus war die zweite Etage eines Speichers gegenüber dem Kontor, Alter Wandrahm 29. Mit Johannes Schmeltz als Kustos, angestellt 1863, konnte man von einem Museum sprechen. Getragen wurde es von der Firma Joh. Ces. Godeffroy und Sohn. Sie stellte Forschungsreisende an. Der erste war 1861 der Zoologe Eduard Graeffe aus Zürich. Er bereiste die Südsee länger als zehn Jahre, fuhr nach Samoa und kehrte 1872 zurück. 1863 fuhr Amalie Dietrich nach Queensland in Ost-Australien. Sie lebte bei Brisbane nahe der Moreton Bay und kam 1873 zurück. 1867 wurde der Amerikaner Andrew Garrett gewonnen, von ihm stammen die Originalzeichnungen von Fischen. Die gesammelten Tiere, Pflanzen und Gegenstände schickte der Kustos an Wissenschaftler, Universitäten in ganz Europa und naturwissenschaftliche Vereine, damit sie beschrieben und dokumentiert wurden. Danach kamen sie wieder nach Hamburg. In der Stadt gab es damals keine wissenschaftliche Einrichtung, die das hätte leisten können. Beide Seiten hatten etwas davon: Unbekanntes wurde erstmals klassifiziert, und das Museum konnte auf wissenschaftliche Dokumentation verweisen. Das erklärt den hohen Bekanntheitsgrad bis heute. Ab 1873 erschien das Journal des Museum Godeffroy. Besonders bekannt sind 180 gezeichnete Tafeln mit Fischen der Südsee, nach Vorlagen Andrew Garretts. Der Ichthyologe Albert Günther dokumentierte sie in drei Bänden. Der größere Teil der gesammelten Stücke wurde zum Verkauf angeboten, meist über Kataloge doppelter Stücke. Ab September 1876 waren auf zwei Etagen Vögel mit Nestern und Eiern, Muscheln, Schnecken und Käfer zu sehen, dazu Waffen, Geräte, Schmuck und Bekleidung. Regelmäßige Öffnungszeiten gab es nicht, Besuche waren Fachleuten vorbehalten. Am 1. Dezember 1879 stellte die Firma ihre Tätigkeit ein. Das Museum bestand weiter, weil Wilhelm Godeffroy es im Ausgleich für eine Forderung erhalten hatte. Doch die Forschungsreisenden mussten aufhören. Im Januar 1880 warb Justus Brinckmann, Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, mit einer Petition an den Senat für den Ankauf der Sammlung. Zugleich war das Haus bedroht: Für die künftige Speicherstadt sollten die Häuser der Wandrahm-Insel ab 1886 abgerissen werden. 1885 waren die Verhandlungen über den Verkauf von Teilen der Sammlung abgeschlossen. Wohin kamen die Stücke? Zahlreiche nach Leipzig, ins Museum für Völkerkunde. Andere nach Leiden, über Johannes Schmeltz, der dort ab 1882 Mitarbeiter am Ethnographischen Museum wurde und später dessen Direktor.
Sie stehen dort, wo das Museum Godeffroy lag, ein naturkundliches Museum, das von 1861 bis 1885 bestand. Es gehörte zur Firma Godeffroy und zeigte Tiere und Gegenstände von Reisen in die Südsee. Besuchen durften es zunächst nur Fachleute. Das Haus stand am Alten Wandrahm 29.
Hier stand einmal ein Museum voller Dinge aus fernen Ländern. Eine Hamburger Firma schickte Forscher in die Südsee. Eine von ihnen war Amalie Dietrich. Sie fuhr 1863 nach Australien und kam erst zehn Jahre später zurück. Die Forscher brachten Vögel, Muscheln, Käfer und gezeichnete Fische mit. Manches davon kannte noch niemand, Gelehrte in ganz Europa beschrieben es zum ersten Mal. Heute sind die Sachen aus dem Museum an vielen Orten verteilt, zum Beispiel in Leipzig und in Leiden. Wie, glaubst du, kam ein Vogel aus der Südsee nach Hamburg?
Koordinaten: 53.546249, 10.000906 · auf der Karte