Stadtohr

Stadtrundgang Halle (Saale) · Station 6 von 16

Marienbibliothek

· bibliothek, reformation, bücher, kirche

Ausführlich

Sie stehen vor der Marienbibliothek, einer wissenschaftlichen evangelischen Kirchenbibliothek. Sie ist die älteste und größte ununterbrochen öffentlich zugängliche Bibliothek ihrer Art in Deutschland. 1552 gründete sie Sebastian Boetius, Oberpfarrer der St. Marienkirche, der heutigen Marktkirche. Er kaufte mit dem Geld aus einer Spende auf der Leipziger Messe einige Bücher. Durch Schenkungen und Ankäufe wuchs der Bestand sehr rasch. Untergebracht waren die Bücher zuerst im südlichen Hausmannsturm der Marktkirche. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts reichte der Platz nicht mehr, und man baute 1607 bis 1609 südlich der Kirche ein Renaissancehaus. Es diente auch als Pfarrhaus und Superintendentur, der Bibliothekssaal lag im Obergeschoss unter einem Gewölbe. 1887 und 1888 entstand im Hof der Pfarrhäuser ein Neubau, An der Marienkirche 1, und das alte Haus wurde 1889 abgebrochen. Der neue Backsteinrohbau hat im Erdgeschoss die Gertraudenkapelle, die als Traukirche errichtet wurde, und im Obergeschoss hinter großen Rundbogenfenstern das Magazin. Das Regalsystem trägt sich selbst und reicht über drei Zwischengeschosse, mit gusseisernen Stützen und Eisenrosten als Böden, nach dem damals neuen französischen Magazinsystem. Bis zur Gründung der Universitätsbibliothek war die Marienbibliothek die einzige öffentliche Büchersammlung der Stadt, die auch Studenten und Professoren der neuen Universität benutzen mussten. Selbst danach bevorzugten die Professoren sie weiter, gestützt auf ein kurfürstliches Benutzungsprivileg von 1697. Heute besitzt sie rund 36.000 Bände, vor allem aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, darunter über 435 Inkunabeln, 308 Handschriften und 229 Urkunden aus dem 13. bis 18. Jahrhundert. Besonders sind eine Torarolle aus dem frühen 14. Jahrhundert, große Sammlungen von Flugschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert und Bibeldrucke mit eigenhändigen Eintragungen Luthers. Im Archiv der Marktkirche liegen auch die Kirchenbücher, darunter die mit Händels Taufeintrag. Sie sind für Dritte gesperrt, als Mikrofilme aber in Magdeburg verfügbar. Seit 2009 besitzt die Bibliothek mit rund 8.000 Exemplaren eine der größten Gesangbuchsammlungen Deutschlands. Die Bücher werden nicht verliehen, man liest sie vor Ort.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Marienbibliothek, einer wissenschaftlichen evangelischen Kirchenbibliothek. Sie wurde 1552 gegründet und ist die älteste und größte ununterbrochen öffentlich zugängliche Bibliothek ihrer Art in Deutschland. Das heutige Gebäude entstand 1887 und 1888.

Für Kinder

In diesem Haus liegen alte Bücher: rund 36.000 Bände, vor allem aus der Zeit zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert. Gegründet hat die Bibliothek im Jahr 1552 ein Pfarrer. Mit gespendetem Geld kaufte er auf der Leipziger Messe die ersten Bücher. Es gibt Bibeln, in die Martin Luther selbst etwas hineingeschrieben hat. Und es gibt eine Torarolle aus dem frühen 14. Jahrhundert. Ausleihen darf man die Bücher nicht, man liest sie vor Ort. Welches Buch würdest du dir ansehen?

Quellen

Koordinaten: 51.4822, 11.9683 · auf der Karte

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