Stadtohr

Stadtrundgang Gotha · Station 14 von 16

Villa Kunreuther

1835–1836 · villa, stolpersteine, nationalsozialismus, abbruch

Ausführlich

Sie stehen vor der Fassade der Villa Kunreuther in der Friedrichstraße 14. Von der originalen Bausubstanz ist nur die straßenseitige Fassade erhalten. Bis zu ihrem Teilabriss 2020 war die Villa ein eingetragenes Kulturdenkmal. Erbaut wurde sie 1835 und 1836 durch den Architekten Wilhelm Kuhn, seit 1831 Landbaumeister am herzoglichen Hofbauamt. Sie hatte einen annähernd quadratischen Grundriss, ein flaches pyramidenförmiges Walmdach und darauf eine Laterne, die das zentrale Treppenhaus belichtete. Das entspricht einem Bautyp, den man in Gotha seit dem Bau des Prinzenpalais 1776 mehrfach anwendete: eine palladianische Villa mit einem Zentralraum, der über mehrere Geschosse geht, nach dem Vorbild der Villa Rotonda. 1859 verkaufte der Eigentümer Credner sie an den Stallmeister Wilhelm Arnim. 1903 erwarb der Rechtsanwalt Dr. Heinrich Kunreuther sie von der Familie Arnim. Er war Enkel des letzten Gelnhausener Rabbiners. Sein Vater Jakob war 1862 von Gelnhausen nach Gotha gezogen, weil ihn die herzogliche Regierung hier zum Rechtsanwalt und Notar ernannte, während die kurhessische Regierung ihm die Zulassung in seiner Heimatstadt verweigert hatte. Heinrich ließ die Villa gleich nach dem Kauf durch den Architekten Richard Klepzig durchgreifend umbauen. Die Straßenfassade erhielt in den Obergeschossen eine neobarocke Kolossalordnung über zwei Stockwerke, einen Erker und eine Balustrade auf dem Dach. Seine Kanzlei gehörte zu den angesehensten Gothas und beriet die herzogliche Familie in Rechtsfragen. 1925 starb er, und sein Schwiegersohn Dr. Günther Gottschalk übernahm die Praxis. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Gottschalk gezwungen, sie zu schließen. Am 20. September 1942 wurden seine Schwiegermutter Anna Marie Kunreuther und seine Frau Marie Luise in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Anna Marie starb dort am 13. Februar 1943. Marie Luise wurde von Theresienstadt nach Auschwitz gebracht und starb dort im Dezember 1944. Zwei Stolpersteine vor dem Gebäude erinnern an sie. Nach Kriegsende wurde Günther Gottschalk zum Oberbürgermeister von Gotha ernannt, trat aber schon im Dezember 1945 zurück, um wieder als Anwalt zu arbeiten. Er starb am 30. September 1947. 1950 übernahm die Stadt die Villa, bis 1990 nutzte sie der Klub der Kulturschaffenden. Danach wurde sie restituiert, stand leer und verfiel. Bis August 2020 wurde sie bis auf die Straßenfassade abgebrochen.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Fassade der Villa Kunreuther in der Friedrichstraße 14. Die historistische Villa wurde 1835 und 1836 erbaut. Bis August 2020 wurde sie bis auf die straßenseitige Fassade abgebrochen. Zwei Stolpersteine erinnern an die Deportation von Anna Kunreuther und Marie Luise Gottschalk.

Für Kinder

Du siehst hier nur noch die Fassade einer Villa. Der Rest wurde 2020 abgebrochen. Gebaut wurde sie 1835 und 1836. Später wohnte hier die Familie Kunreuther. Der Vater war Rechtsanwalt und beriet sogar die Herzogsfamilie. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden zwei Frauen der Familie, Anna Marie Kunreuther und Marie Luise Gottschalk, deportiert. Sie kamen nicht zurück. Vor dem Haus liegen zwei Stolpersteine, die an sie erinnern. Schau auf den Boden vor dem Haus. Kannst du die Steine finden?

Quellen

Koordinaten: 50.945745, 10.710326 · auf der Karte

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