Stadtohr

Stadtrundgang Gotha · Station 9 von 16

St. Bonifatius

ab 1855 · katholische kirche, neuromanik, ddr-zeit, orgel

Ausführlich

Sie stehen vor St. Bonifatius, der römisch-katholischen Pfarrkirche von Gotha, im Dekanat Meiningen des Bistums Erfurt. Für die katholische Gemeinde der Stadt gab es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kein eigenes Gotteshaus. 1780 wurde in Gotha die erste heilige Messe nach der Reformation gefeiert, mit Genehmigung von Herzog Ernst II. in einer Privatwohnung. Dieser Zustand dauerte bis 1847, dann durfte die Gemeinde die evangelische Kirche Zum Heiligen Geist des Zucht- und Waisenhauses mitbenutzen. 1855 gelang es nach einer Spendenaktion des Pfarrers Ludwig Liebherr, die Hälfte des Gartens des Musicus Gaßner für 1500 Reichsthaler zu kaufen. Nun konnte der Bau beginnen. Planung und Bauleitung lagen beim herzoglichen Baurat Gustav Eberhard. Gebaut wurde ein neuromanischer Kirchenbau aus Seeberger Sandstein, mit Satteldach, Querhaus und Chorapsis. Aus städtebaulichen Gründen wurde die Kirche nicht geostet, sondern genordet. Das Eingangsportal liegt im Süden, im hochaufragenden Schmuckgiebel, der zur Stadtmitte zeigt. Sie ist die erste nach der Reformation in Thüringen erbaute katholische Kirche. Drinnen blieb wenig von der Anfangszeit. Der Gothaer Maler Paul Emil Jacobs schuf drei lebensgroße Gemälde, eines davon, die Auferstehung des Lazarus, hing über dem Südeingang. Nach einem Diebstahl 1980 ist es spurlos verschwunden. Nach 1927 wurde der Schmuck Zug um Zug entfernt. 1972 stellte man auf Forderung des II. Vatikanums einen einfachen Holzaltar in die Chormitte. 1974 baute man die kaum noch funktionierende Orgel aus und ersetzte sie durch eine elektronische DDR-Orgel. Die heutige Orgel hat eine eigene Geschichte. Schon Ende 1978 war ein Neubau beschlossen worden, der Vertrag ging an die Potsdamer Firma Schuke. Der Bau, für 1986 geplant, verzögerte sich bis 1989. Die letzte Phase fiel in die Zeit der Währungsunion im Juni und Juli 1990. Am 16. September 1990 wurde die Orgel geweiht, mit 20 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Sie kostete 165.000 DM, aufgebracht durch Kollekten, Spenden und Zuschüsse. 1999 wurde das Dach in nur drei Wochen neu eingedeckt, und von 2004 bis 2005 wurde das Äußere saniert.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Bonifatius, der römisch-katholischen Pfarrkirche von Gotha. Der neuromanische Bau aus Seeberger Sandstein ist die erste nach der Reformation in Thüringen erbaute katholische Kirche. Das Eingangsportal liegt im Süden, zur Stadtmitte hin.

Für Kinder

Das ist die katholische Kirche von Gotha. Viele Jahre lang hatten die Katholiken hier gar keine eigene Kirche. 1780 wurde die erste Messe nach der Reformation in einer Privatwohnung gefeiert. Erst ab 1855 konnte die Gemeinde bauen. Die Kirche ist aus Sandstein, und sie steht nicht nach Osten, sondern nach Norden. Der Eingang liegt im Süden, zur Stadtmitte. Es ist die erste katholische Kirche in Thüringen, die nach der Reformation gebaut wurde. Warum, glaubst du, hat man den Eingang zur Stadtmitte gedreht?

Quellen

Koordinaten: 50.952713, 10.702041 · auf der Karte

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