Stadtohr

Stadtrundgang Gotha · Station 8 von 16

Neue Synagoge

1904 · synagoge, novemberpogrom, jüdische gemeinde, erinnerung

Ausführlich

Sie stehen am Ort der Gothaer Synagoge. Sie stand von 1904 bis 1938 an der damaligen Hohenlohestraße 1, der heutigen Moßlerstraße. Jüdische Mitbürger sind in Gotha schon für das Jahr 1250 erwähnt. Erst ab 1848, nachdem die Niederlassungsfreiheit gewährt worden war, wuchs ihre Zahl. Um 1900 waren es 296, dazu kamen 40 bis 50 aus umliegenden Orten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nutzte man zunächst Beträume in jüdischen Wohnhäusern, zuletzt ab 1877 im Haus Siebleber Straße 8. Die neue Synagoge wurde 1903 und 1904 nach Plänen des Gothaer Architekten Richard Klepzig im neuromanischen Stil als Zentralbau mit einer türmchenbekrönten Kuppel errichtet. Am 11. Mai 1904 wurde sie eingeweiht. Der Oberbürgermeister Otto Liebetrau war da, mehrere Ratsmitglieder, Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche und der Staatsminister Otto von Hentig, der im Namen der Herzoglichen Regierung eine kurze Ansprache hielt. Die Predigt hielt der Landrabbiner Isaac Prager aus Kassel, die Gemeindeältesten legten die Torarollen in den Toraschrein. Dann der 10. November 1938. In den frühen Morgenstunden wurde das Gebäude nach Brandstiftung durch SA-Mitglieder vollständig zerstört. Die Feuerwehr durfte lediglich ein Übergreifen der Flammen auf Nachbargebäude verhindern. Die Ruinen trug man ab dem 10. März 1939 ab, auf Kosten der jüdischen Gemeinde. An diesen Ort erinnert man seit 1988. Damals wurde in der Nähe eine Gedenkstätte mit einer Plastik des Gothaer Künstlers Hans Klein eingerichtet, in Form von zwei abgewinkelten Stahlprofilen. Sie soll KZ-Zaunpfähle oder zerbrochene Fenster eines Gotteshauses symbolisieren. 1991 benannte die Stadt den Straßenabschnitt in An der Synagoge um. Im November 2020 wurde am ehemaligen Standort das Einkaufszentrum Altstadtforum eröffnet. Das Denkmal von 1988 steht seitdem in einem Durchgang zwischen zwei Gebäudeteilen, umrahmt von einem übermannsgroßen Davidstern. Dazu gehören zwei Schautafeln mit historischen Fotos und ein Architekturmodell der Synagoge. 2021 zeigte eine Fassadenprojektion mit dem Titel Die Gothaer Synagoge lebt das Gebäude noch einmal am Ort der Zerstörung. Die Aktion wurde mehrfach antisemitisch gestört. Seit dem 9. November 2021 gibt es sie als digitales Denkmal.

Kurzfassung

Sie stehen am Ort der Gothaer Synagoge, an der heutigen Moßlerstraße. Die Synagoge wurde 1903 und 1904 im neuromanischen Stil gebaut und am 11. Mai 1904 eingeweiht. In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 zerstörten SA-Mitglieder sie durch Brandstiftung vollständig.

Für Kinder

Hier stand früher die Synagoge von Gotha. Das ist das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde. Sie wurde 1904 eingeweiht und hatte eine Kuppel mit Türmchen. In den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 steckten Männer der SA sie in Brand. Sie wurde vollständig zerstört. Die Feuerwehr durfte nur verhindern, dass das Feuer auf die Nachbarhäuser übersprang. Heute steht hier ein Einkaufszentrum. In einem Durchgang erinnert ein Denkmal mit einem Davidstern an die Synagoge. Wie kann man sich an etwas erinnern, das nicht mehr da ist?

Quellen

Koordinaten: 50.9514, 10.7016 · auf der Karte

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