Stadtohr

Stadtrundgang Gotha · Station 10 von 16

Margarethenkirche

1064 · stadtkirche, reformation, spätgotik, grablege

Ausführlich

Sie stehen vor der evangelischen Margarethenkirche am Neumarkt, einer spätgotischen Hallenkirche. Sie zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt. 1064 wird sie erstmals in einer Erbzinsverkaufsurkunde erwähnt, ab 1405 bestand hier eine Lateinschule. Ab 1494 brach man die romanische Basilika, im Osten beginnend, schrittweise ab und errichtete auf den Fundamenten die spätgotische Hallenkirche. Dabei entstand das heutige Bauwerk in seinen wesentlichen Formen. Gotischer Schmuck ist noch in der Sakristei, im Turmfenster und im Brautportal zu sehen, dem Hauptportal. Die Skulpturen von Philipp Melanchthon und Martin Luther am Brautportal schuf 1904 der Gothaer Bildhauer Christian Behrens. Dann die Reformation. Bereits 1522 verkündete der Pfarrer Johann Langenhan hier das Evangelium und machte die Gemeinde zur ersten evangelisch-lutherischen in Gotha. Die Wirren, vor allem der Gothaer Pfaffensturm, veranlassten Martin Luther, seinen Freund Friedrich Myconius nach Gotha zu schicken. Myconius wurde 1524 der erste evangelische Superintendent. Seinem Einsatz verdankt man auch, dass der Turmbau 1531 weitergeführt und 1542 vollendet wurde. Damals hatte Gotha etwa so viele Einwohner wie Dresden oder Leipzig, was den Bau dieser großen Kirche an der Via Regia von Paris nach Kiew erklärt. Als die Festung Grimmenstein wegen der Grumbachschen Händel geschleift wurde, verlor die Stadt an Bedeutung. Der Turm blieb verschont, weil auf ihm keine Kanonen standen. Herzog Ernst der Fromme ließ die Kirche wieder aufbauen, 1652 waren die Arbeiten vollendet. Sein Enkel Friedrich II. ließ sie 1725 bis 1727 umbauen, Pfeiler, Kanzel, Emporen und Chor bekamen ihre barocke Prägung. Hier liegt auch eine Fürstengruft. Ernst der Fromme wurde 1675 als erstes Mitglied des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg im Gewölbe unter dem Altarraum beigesetzt. Bis die neue Fürstengruft auf Schloss Friedenstein 1680 fertig war, bestattete man die Mitglieder des Herzogshauses hier. Das Epitaph für ihn hängt an der Nordwand. Die Gruft ist nicht öffentlich zugänglich. Am 10. November 1944 zerstörte eine Luftmine die Kirche schwer. Der Wiederaufbau von 1952 bis 1955 folgte der Maßgabe, dass jede Epoche ihren eigenen Stil habe. Die Wahl fiel auf die Spätgotik, ohne die erhaltenen Zeugnisse der Barockzeit zu entfernen.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Margarethenkirche am Neumarkt, einer spätgotischen Hallenkirche. Sie zählt zu den ältesten Gebäuden der Stadt und wurde 1064 erstmals erwähnt. Hier begann in Gotha die Reformation. Herzog Ernst der Fromme und seine Gemahlin liegen in der Gruft unter dem Altarraum.

Für Kinder

Das ist eine der ältesten Kirchen von Gotha, die Margarethenkirche. 1064 wird sie zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Später riss man die alte Kirche Stück für Stück ab und baute eine größere. Gotha hatte damals etwa so viele Einwohner wie Leipzig. Schon 1522 predigte hier ein Pfarrer das Evangelium, das war der Anfang der Reformation in Gotha. 1944 zerstörte eine Luftmine die Kirche schwer, danach wurde sie wieder aufgebaut. Der Turm blieb einmal verschont, weil keine Kanonen auf ihm standen. Warum, glaubst du, ist das wichtig?

Quellen

Koordinaten: 50.9502, 10.705 · auf der Karte

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