Stadtohr

Stadtrundgang Göttingen · Station 10 von 16

St.-Jacobi-Kirche

1350 · kirche, gotik, turm

Ausführlich

Sie stehen vor St. Jacobi, und Sie stehen vor einem Bauwerk, das die Bürger dieser Stadt gegen ihren Landesherrn hochgezogen haben. Der Anfang war herrschaftlich. Gegen 1186 ließ Heinrich der Löwe oder sein Sohn Heinrich von Braunschweig den Vorgängerbau als Kapelle der Stadtburg Bolruz errichten, die 1245 erstmals urkundlich erwähnt wird. Geweiht wurde sie Jakobus dem Älteren, dem Schutzpatron der Pilger, wohl weil der Jakobsweg durch die Weender Straße führt. 1350 erlaubte Herzog Ernst I., die zu kleine Kirche zu vergrößern. Den Baubeginn am Chor im Dezember 1361 dokumentiert eine Bauinschrift in der Vorhalle. 1372 stellte der Papst einen Ablass aus, der die Spendenfreudigkeit stärken sollte. 1383 stand ein Marienaltar im nördlichen Seitenschiff, das Schiff war also fertig. Und dann 1387: Die Göttinger Bürger zerstörten die nahe Stadtburg bis auf die Grundmauern, in einer Fehde mit Herzog Otto III., genannt der Quade. Von da an trieben die Bürger den Bau an St. Jacobi voran. Sakristei und Westriegel entstanden, von 1426 bis 1433 der hohe Westturm. Zum Turm. Der Stadtchronist Franciscus Lubecus überliefert, dass 1426 ein dreijähriger Bauvertrag mit dem Hildesheimer Baumeister Hans von Rutenstein geschlossen wurde und der Turm 1459 mit einem Spitzhelm vollendet war. Die Steine kamen aus der Wüstung Botleveshusen, aus Reinhausen und vom Hainberg. Dreimal traf ihn der Blitz: 1479, 1555 und 1642. Beim dritten Mal brannte er bis zum unteren Gewölbe aus, nur das Mauerwerk des Schafts blieb stehen. Beim Wiederaufbau erhielt er 1697 den Fachwerkaufsatz mit der barocken welschen Haube, zunächst als Provisorium gedacht. Dieses Provisorium prägt das Stadtbild bis heute. Gehen Sie hinein, wenn Sie können, und suchen Sie den Flügelaltar von 1402, von unbekannten Künstlern. Er hat drei Zustände. Geschlossen zeigt die Alltagsseite acht Szenen aus der Legende des Kirchenpatrons. Sind die Außenflügel geöffnet, erscheint die Sonntagsseite mit sechzehn Szenen aus Jugend und Passion Jesu. Ganz offen zeigt die Festtagsseite die Krönung Mariens zur Himmelskönigin. Dazu ein barocker Taufstein, eine neugotische Kanzel von etwa 1900 und, seit 1997 und 1998, ein fünfteiliger Fensterzyklus von Johannes Schreiter, der den 22. Psalm in Farbe und Licht übersetzt. Die geometrische Ausmalung wurde 1999 nach spätgotischen Farbbefunden der Zeit um 1470 bis 1480 rekonstruiert. Im Turm hängt ein vierstimmiges Geläut von 1968, ergänzt durch eine Glocke von 1423, die 1942 auf den Glockenfriedhof in Hamburg geliefert wurde und 1947 zurückkam. Wikidata nennt als Jahr 1350, also das Jahr der Erlaubnis zum Ausbau; der Wikipedia-Quelle datiert den Bau auf 1361 bis 1433. Ich nenne Ihnen die ältere Angabe und sage dazu, dass es zwei gibt.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Jacobi, der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche in der Altstadt. Errichtet wurde sie zwischen 1361 und 1433 als dreischiffige gotische Hallenkirche. Ihr Turm ist zweiundsiebzig Meter hoch und damit das höchste Gebäude der Altstadt. Im Chor steht ein Flügelaltar von 1402.

Für Kinder

Du stehst vor der höchsten Kirche der Altstadt. Ihr Turm ist zweiundsiebzig Meter hoch. Dreimal schlug der Blitz ein, beim letzten Mal 1642 brannte der Turm innen aus. 1697 setzte man oben eine Haube aus Fachwerk drauf, nur als Notlösung. Weitergebaut hat lange nicht die Kirche, sondern die Stadt: Die Bürger hatten sich mit ihrem Herzog gestritten und 1387 seine Burg zerstört. Danach steckten sie ihr Geld in diese Kirche. Drinnen steht ein Altar von 1402, den man auf- und zuklappen kann. Welche Seite würdest du am liebsten sehen?

Quellen

Koordinaten: 51.535, 9.93556 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.