Stadtohr

Stadtrundgang Göttingen · Station 15 von 16

Kunsthaus Göttingen

· kunst, ausstellung, architektur

Ausführlich

Sie stehen vor dem Kunsthaus Göttingen. Nehmen Sie sich einen Moment für die Fassade, denn an ihr hängt der ganze Streit. Der Bau ist äußerlich dreigeschossig, hat ein Satteldach und kragt nach oben zweimal aus. Das ist die Typologie der historischen Göttinger Fachwerkhäuser, von denen Sie heute mehrere gesehen haben. Ausgeführt ist er aber als massives Stahlbetonbauwerk mit dunkelgrauen, weitgehend fensterlosen Wänden, die über die Nachbarbauten hinausragen. Die waagerechte Struktur des Modellierputzes soll an gestapelte Papiere erinnern, und das passt zum Programm: Arbeiten auf Papier, Fotografie, neue Medien. Kritiker nannten das Ergebnis eine brutalistische Imitation von historischem Fachwerk mit Beton. Zur Entstehung. Angestoßen hat das Haus der Verleger Gerhard Steidl, dessen Verlag in der Nachbarschaft liegt; politisch getragen wurde es von den Oberbürgermeistern Wolfgang Meyer und Rolf-Georg Köhler sowie dem Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann. Ende 2015 lobte die Stadt als Bauherrin einen Architekturwettbewerb aus, fünfzehn Büros beteiligten sich. Die Gewinner des ersten Preises, Atelier30 aus Kassel, zogen sich zurück, weil sie wichtige Ideen ihres Entwurfs in Gefahr sahen. So kam 2016 der zweite Preis zur Ausführung, Atelier ST aus Leipzig. Die Jury hatte dessen Entwurf als Speicherhaus mit eigenem Charakter und als unaufgeregten Stadtbaustein gelobt. Richtfest Ende September 2019, Fertigstellung Dezember 2020, Übergabe an die Kunsthaus Göttingen gGmbH im März 2021, Eröffnung am 4. Juni 2021 mit einer Einzelausstellung von Roni Horn. Nun die Zahlen, denn sie waren öffentlich umstritten. Geschätzt waren Gesamtkosten von 5.874.000 Euro. 4,5 Millionen kamen aus Bundesmitteln des Förderprogramms Nationale Projekte des Städtebaus, eine Million spendete der Duderstädter Unternehmer Hans Georg Näder. Am Ende bezifferte der Oberbürgermeister die Kosten auf sechs einhalb bis sieben Millionen Euro. Kulturpolitisch wurde befürchtet, das Projekt stelle andere städtische Kulturbauten ins Hintertreffen, etwa das Städtische Museum, dessen geschlossene Dauerausstellung Sie heute schon gesehen haben. Die vier Ausstellungsräume haben je ein schmales bodentiefes Fenster, das sich verdecken lässt, damit lichtempfindliche Papierarbeiten geschützt sind und Projektionen möglich werden. Hinter dem Haus liegt ein rund dreizehnhundert Quadratmeter großer Hof, umgestaltet von dem Berliner Landschaftsarchitekten Stefan Bernard, mit Grün, Sandkasten und Sitzplätzen. Und dann die Zäsur: Im November 2024 meldete das Kunsthaus Insolvenz an. Am 27. März 2025 wurde es unter neuer künstlerischer Leitung und Geschäftsführung wieder geöffnet.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Kunsthaus Göttingen in der Düsteren Straße 7. Es wurde 2021 eröffnet und zeigt Arbeiten auf Papier, Fotografie und neue Medien. Im November 2024 meldete es Insolvenz an. Am 27. März 2025 wurde es unter neuer Leitung wieder geöffnet.

Für Kinder

Dieses Haus ist ganz neu, es wurde 2021 eröffnet. Es ist kein Museum, denn es besitzt keine eigenen Bilder. Hier werden immer wieder andere Kunstwerke gezeigt, vor allem Sachen aus Papier und Fotos. Schau die Wand an. Das Haus ist nach oben breiter als unten, so wie die alten Fachwerkhäuser daneben. Aber es ist aus Beton und hat fast keine Fenster. Die Linien im Putz sollen an gestapeltes Papier erinnern. Nicht alle in der Stadt fanden das schön, es gab viel Streit. Findest du das Haus passend hier?

Quellen

Koordinaten: 51.53085, 9.93342 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.