Stadtohr

Stadtrundgang Göttingen · Station 16 von 16

St. Michael

· kirche, katholisch, stadtgeschichte

Ausführlich

Die letzte Station, und sie führt uns zurück zum Anfang. Sie stehen vor St. Michael in der Kurzen Straße, der ältesten katholischen Kirche Göttingens, heute Pfarrkirche des Bistums Hildesheim und katholische Citykirche. Mit der Reformation wurde 1529 der katholische Gottesdienst in der Stadt verboten. Nach der Gründung der Universität 1734 wurden zunehmend Katholiken in Göttingen heimisch, und ab 1747 waren öffentliche katholische Gottesdienste wieder zugelassen, zunächst in Wohnhäusern. Den Auftrag für einen Neubau erhielt Anfang 1787 der Göttinger Baumeister Georg Heinrich Borheck, derselbe, der später die Sternwarte entwarf, an der wir begonnen haben. Der Bau entstand ab dem Frühjahr 1787, war im Sommer 1789 fertig und wurde am 26. September 1789 eingeweiht, unter dem Patronat des Erzengels Michael. Und jetzt achten Sie auf das Haus selbst. Nach Anweisung der hannoverschen Regierung sollte das Gotteshaus zur Straße hin wie ein Wohnhaus aussehen. Die Kirche war deshalb zunächst turmlos und zeigte zur Straße eine zweigeschossige Wohnhausfassade aus verputztem Bruchsteinmauerwerk unter einem Walmdach. Eine Kirche, die sich nicht als Kirche zeigen durfte. Das änderte sich in Schritten. Erst ab 1815 durfte der Bau ein würdigeres Aussehen bekommen: Auf dem östlichen Ende des Walmdaches entstand ein mächtiger achteckiger Dachreiter mit welscher Haube als sichtbarer Glockenturm. Bis 1873 war die Gemeinde auf über zwölfhundert Mitglieder gewachsen. Nach Entwürfen des Göttinger Baumeisters Eduard Freise erweiterte man den Raum nach Westen durch einen Chor, 1892 und 1893 dann nach Osten zur Straße. Dabei trug man den Dachreiter von 1815 ab, setzte auf die Ostfassade den heutigen neobarocken Schweifgiebel und darüber einen siebenundzwanzig Meter hohen Glockenturm. Seitdem prägt die Kirche das Stadtbild mit. Innen ist es noch einmal anders. Die heutige Gestalt stammt aus dem Umbau von 2014 und 2015 unter dem Architekten Gido Hülsmann und kostete rund eine Million Euro. Sie ist eine radikale Reduktion des Inventars: dunkler armenischer Lava-Basalt am Boden, Carrara-Marmor für Altarinsel, Ambo und Taufstein, Wände und Decke in hellem Weiß. Hinter dem Altar stehen Alabasterwände, in denen bei Gottesdiensten verborgene Leuchtdioden aufleuchten. Im Eingangsbereich steht seit 2015 eine Figur des Bildhauers Peter Marggraf, die an Edith Stein erinnert. Sie studierte von 1913 bis 1915 in Göttingen. Ein Tagebucheintrag belegt, dass sie an Heiligabend 1915 lange vor dieser damals verschlossenen Kirche stand: Sie wollte mit Freundinnen die Mitternachtsmesse besuchen, die aber erst am nächsten Morgen stattfand. Damit endet der Rundgang. Sie haben an einem Vormittag eine Universität gesehen, die sich eine Stadt gebaut hat, und eine Stadt, die sich daran gewöhnt hat.

Kurzfassung

Sie stehen vor St. Michael in der Kurzen Straße, der ältesten katholischen Kirche Göttingens. Gebaut wurde sie von 1787 bis 1789 und am 26. September 1789 eingeweiht. Auf Anweisung der Regierung musste sie zur Straße hin wie ein Wohnhaus aussehen. Den Turm erhielt sie erst 1892 und 1893.

Für Kinder

Das ist die letzte Station. Vor dir steht die älteste katholische Kirche der Stadt. Von vorn sieht sie gar nicht wie eine Kirche aus, und das war Absicht. Lange war der katholische Gottesdienst in Göttingen verboten. Als er wieder erlaubt wurde, durfte die Kirche nur gebaut werden, wenn sie von der Straße aus wie ein Wohnhaus aussah, ohne Turm. Gebaut hat sie derselbe Baumeister wie die Sternwarte, an der dein Rundgang anfing. Welches Haus hat dir am besten gefallen?

Quellen

Koordinaten: 51.531, 9.93557 · auf der Karte

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