Stadtohr

Stadtrundgang Göttingen · Station 14 von 16

Göttinger Weihnachtsmarkt

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Ausführlich

Sie stehen auf dem Markt, und ich erzähle Ihnen, wie ein Weihnachtsmarkt entsteht, wenn man ihn nicht erfindet, sondern wachsen lässt. Der erste Beleg ist eine Beschwerde. Am 20. Dezember 1852 schrieb das Geistliche Ministerium an den Magistrat, die Sabbatruhe am Sonntag werde durch die Verkaufsbuden gestört. Da hieß er noch Christmarkt, und er ist wahrscheinlich einige Jahre älter. Entstanden ist er aus dem Wochenmarkt, der ganzjährig auf diesem Platz stattfand. Das passt dazu, dass die Jahrmarktsatzung von 1856 ihn nicht erwähnt: Der letzte Jahrmarkt des Jahres lag Ende Oktober, und die Adventszeit galt lange als Fastenzeit, also als tabu für solches Treiben. Dann der Streit um die Zuständigkeit. 1882 entzog die Königliche Polizei der Marktpolizei für einige Jahre das Aufstellen der Stände, weil sie für den Verkehr zuständig sei und Verkehrsbehinderungen begegnen müsse. Es folgten amtliche Schriftwechsel. Der Markt lief damals vom 18. bis 24. Dezember. Ab dem 20. Dezember 1864 erscheint er in der Göttinger Zeitung, meist mit Anzeigen für Süß- und Backwaren zum Behängen der Christbäume. 1901 fand er um den neuen Gänseliesel-Brunnen statt, der großzügig freigehalten wurde, weshalb die Tannenbaumverkäufer auf den Johanniskirchhof auswichen. Ab 1902 heißt er immer öfter Weihnachtsmarkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er wieder am Gänseliesel statt, zwölf Tage lang. Damals kam die Bratwurst dazu, auf den Glühwein musste man bis 1980 warten. 1970 gründeten die Standbetreiber einen Weihnachtsmarktverein. 1972 wurde auf einundzwanzig Tage verlängert, und der Markt lebte mit dem Ruf eines Würstchenmarkts, weshalb der Verwaltungsausschuss die Bratwurststände auf zwei beschränkte. 1973 begann er am Tag vor dem ersten Advent. In den 1980er Jahren war der Montag nach dem Totensonntag der Starttag, in den 1990er Jahren wurde es der Mittwoch. 1994 kam, mit Zustimmung der St. Johannisgemeinde, der Johanniskirchplatz hinzu, dazu ein Bühnenprogramm, eine große Krippe und ein Adventskalender. Jetzt die Zahlenreihe, an der man das Wachstum sieht. 1994 waren es zweiunddreißig Stände. 1995 vierzig. 2000 vierundsiebzig. 2014 einundachtzig. Ein Grund dafür: Der Kunsthandwerkermarkt am Nikolaikirchhof gab 1998 nach nur vier Jahren auf, und viele Kunsthandwerker wechselten hierher. 2002 wurde der Markt um drei Tage nach den Weihnachtsfeiertagen verlängert. Zwei Jahre fehlen in dieser Reihe. 2020 fiel der Weihnachtsmarkt wegen der Coronaviruspandemie aus. 2021 wurde er nach wenigen Tagen am 1. Dezember geschlossen. 2022 begann er wieder, am 21. November.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Platz, auf dem der Göttinger Weihnachtsmarkt stattfindet: vor dem Alten Rathaus, auf dem Markt und rund um die Marktkirche St. Johannis. Es ist die größte regelmäßige Veranstaltung der Stadt, mit rund achtzig Ständen und mehr als fünfhunderttausend Besuchern im Jahr.

Für Kinder

Im Winter sieht dieser Platz ganz anders aus. Dann steht hier der Weihnachtsmarkt mit etwa achtzig Buden, rund um das Alte Rathaus und die Marktkirche. Den Markt hat niemand erfunden. Er ist langsam aus dem normalen Wochenmarkt gewachsen. Zum ersten Mal steht er 1852 in einem Brief, und in dem Brief beschwert sich jemand über den Lärm. Früher gab es hier vor allem Weihnachtsbäume, Baumschmuck und Süßigkeiten zum Aufhängen. Die Bratwurst kam erst nach dem Krieg dazu, der Glühwein sogar erst 1980. Was müsste es an deiner Lieblingsbude geben?

Quellen

Koordinaten: 51.532878, 9.934681 · auf der Karte

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