Stadtohr

Stadtrundgang Göttingen · Station 13 von 16

Altes Rathaus (Göttingen)

· rathaus, mittelalter, hanse

Ausführlich

Sie stehen vor dem Alten Rathaus. Dieses Haus ist nie fertig geworden, und genau das ist seine Geschichte. Göttingen erhielt das Stadtrecht um 1200, ein Rat wird 1229 erstmals genannt. Wann der Bau begann, ist nicht überliefert, aber das Holz verrät es: Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass die Bauhölzer des Kernbaus um 1270 gefällt wurden, die des nördlichen Dachwerks 1370, und früher verbaute man frisch gefälltes Holz meist kurz darauf. Der ältere Bau war etwa so lang wie der heutige, aber flacher: innen nur eine Halle. 1344 heißt das Haus in einer Urkunde cophus, Kaufhaus, denn die einflussreiche Kaufmannsgilde nutzte es mit, und der Keller diente schon damals als Weinkeller. Um 1370 wurde der nördliche Teil um ein Stockwerk erhöht und das abgewalmte Dach errichtet. Nach Westen kamen eine gewölbte Dornse, ein heizbarer Raum mit Heißluftheizung, als Ratsstube und eine Küche hinzu. Der Rat tagte in der bequemeren Dornse, die Verhandlungen zwischen Rat und Gilden fanden in der Küche statt. Jetzt der Blick nach oben. Zwei umlaufende Gesimsbänder teilen den nördlichen Baukörper, die Fassaden haben breite Kreuzstockfenster, und oben läuft ein hoher Zinnenkranz, der an den Ecken turmartig auskragt. Folgen Sie dieser Zinnenlinie nach Süden. Sie hört unvermittelt auf. Zusammen mit der fehlenden Symmetrie lässt das vermuten, dass der südliche Teil aufgestockt und ebenso gestaltet werden sollte. Es blieb liegen. Was stattdessen kam, ist die Rathauslaube von 1402 bis 1404 über dem Eingang zur Halle, mit Ziergewölbe und figürlichen Sandsteinkonsolen unter dem Einfluss parlerischer Kunst. Dann die Brüche. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Haus verwüstet, als schwedische und weimarische Truppen die Stadt für die evangelische Seite zurückeroberten. Die kaiserlichen Truppen zogen sich kämpfend in das Rathaus zurück und ergaben sich erst in der sogenannten Blutkammer. Halle und Erdgeschoss waren zerstört, und repräsentative Veranstaltungen zogen ins Obergeschoss. 1882 bis 1886 restaurierte und modernisierte Stadtbaurat Heinrich Gerber das Haus, und der Kunstmaler Hermann Schaper aus Hannover malte die Halle aus: Wappen von Hansestädten unter der Decke, dazu Szenen aus der Stadtgeschichte. Der Wappenfries erinnert daran, dass Göttingen zum Hansebund gehörte. Als 1978 das Neue Rathaus fertig war, zog die Verwaltung aus. Seither dient der Bau repräsentativen Zwecken, Trauungen, Veranstaltungen und Ausstellungen, der gewölbte Ratskeller ist verpachtet. Auf den Wangen der Freitreppen liegen zwei Wappenlöwen von 1795 aus der Werkstatt der Brüder Heyd in Kassel. Bis 1872 bekrönten sie die Pfeiler des Groner Tors, später wurden sie die Hauptfiguren eines Märchens von den traurigen Löwen von Göttingen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Alten Rathaus an der Westseite des Marktplatzes, Markt 9. Gebaut wurde es ab 1270 in mehreren Abschnitten. Bis 1978 saßen hier Rat und Verwaltung der Stadt. Heute dient es Veranstaltungen, Trauungen und Ausstellungen.

Für Kinder

Du stehst vor dem Alten Rathaus. Hier arbeiteten mehr als siebenhundert Jahre lang die Leute, die die Stadt regierten. Gebaut wurde es ab 1270. Woher weiß man das so genau? Aus dem Holz im Dach. Forscher können an den Jahresringen ablesen, wann ein Baum gefällt wurde. Schau oben am Dach entlang. Auf der einen Seite sieht die Mauer aus wie bei einer Burg, mit Zacken. Auf der anderen Seite hören die Zacken einfach auf. Man wollte wohl weiterbauen, hat es aber nie getan. Wie würdest du das Haus fertig bauen?

Quellen

Koordinaten: 51.5329, 9.93468 · auf der Karte

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