Stadtohr

Stadtrundgang Görlitz · Station 12 von 16

Waidhaus

1475 · waid, handel, denkmalpflege, schule

Ausführlich

Sie stehen vor dem Waidhaus, auch Renthaus genannt. Es ist der älteste erhaltene Profanbau der Stadt Görlitz, und es hat in seiner langen Geschichte den verschiedensten Zwecken gedient. Es erhebt sich auf dem Plateau des Kirchbergs, zwischen der Peterskirche im Norden und der Bebauung am Hainwald im Süden. Östlich fällt der Kirchberg steil zum Ufer der Lausitzer Neiße ab. Zuerst zum Alter. Wikidata nennt 1475; diese Zahl kommt in einer Quelle nicht vor, deshalb nenne ich Ihnen, was dort steht. Schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde auf dem Grundstück ein Freier Hof erwähnt, der als Wirtschaftshof für die Burg des Landesherren diente. Ende des 14. Jahrhunderts wurde das Haus als Brauhof genutzt. Zu den bekanntesten Besitzern zählt der Bürgermeister Bartholomäus Eberhard. 1425 erwarb die Stadt das Haus von dessen Erben. Damals hatte es noch einen geräumigen Turm, den Eberhardsturm, der laut Ratsrechnungen 1426 während der Hussitennot abgerissen wurde. Von 1447 bis 1529 war das Waidhaus ein Schulgebäude. 1530 zog die Schule in die Krebsgasse 7 um. Danach wurde das Haus als Stapelhaus für die Färberpflanze Waid eingerichtet, und es wurde wohl erst in dieser Zeit auf seine heutige Höhe gebracht. Der Waid war für die Stadt von großer Bedeutung. 1339 erhielt die Stadt das Stapelrecht für diese in ganz Europa nachgefragte Pflanze, mit der man in der Tuchfärbung die Farbe Blau gewann. Dank dieser Monopolstellung im Waidhandel in den böhmischen Ländern und einer florierenden Tuchproduktion wurde Görlitz zur bedeutendsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau. Bis zum Einrichten des Stapelhauses wurde der Waid in privaten Häusern gelagert und verkauft. 1479 brannte das Waidhaus durch einen Blitzschlag ab. Am Nordgiebel ist eine lateinische Inschrift eingemauert, die an dieses Feuer erinnert. Den zweiten Namen, Renthaus, erhielt das Gebäude als Lagerhaus für die landvogteiliche Rente. Bis 1732 ließ der Landvogt hier sein Getreide aufschütten. Von 1897 bis 1907 war die Berufsfeuerwehr im Haus untergebracht. 1908 kamen in einem Raum etwa fünfzig mit Rötel aufgetragene Steinmetzzeichen zum Vorschein. Man schloss daraus, das Haus sei damals auch als Steinhütte für die Arbeiter an der Pfarrkirche St. Peter und Paul genutzt worden; sicher ist das nach einer Quelle nicht. Heute ist das Waidhaus nach der Sanierung von 1993 bis 1994 ein Sitz der Denkmalakademie, einer Bildungsstätte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Im Haus ist außerdem das Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege, 1991 als erstes handwerkliches Denkmalzentrum in den östlichen Bundesländern gegründet.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Waidhaus auf dem Kirchberg, auch Renthaus genannt. Es ist der älteste erhaltene Profanbau der Stadt Görlitz. Seinen Namen trägt es nach der Färberpflanze Waid, für die es als Stapelhaus diente.

Für Kinder

Du stehst vor dem Waidhaus. Es ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt, das keine Kirche ist. Der Name kommt von Waid. Das ist eine Pflanze, mit der man Stoffe blau färben konnte. In Görlitz wurde sie gelagert und verkauft, und das half der Stadt, zur wichtigsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau zu werden. Früher war das Haus auch eine Schule, von 1447 bis 1529, und später die Feuerwehr. Heute lernen hier Handwerker, wie man alte Gebäude richtig repariert. Weißt du, welche Farbe man aus Waid gewinnt?

Quellen

Koordinaten: 51.15794, 14.992609 · auf der Karte

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