Sie stehen dort, wo einst Neißeturm und Neißetor standen. Sie waren die östlichste Zufahrt in die Stadt. Hier führte vor dem Tor eine Brücke über die Neiße zum Töpferberg und zur späteren östlichen Vorstadt und weiter in Richtung Seidenberg, Lauban oder Bunzlau. Seit 1945 verläuft hier die Grenze zu Polen: Die Lausitzer Neiße bildet sie, und die östlichen Stadtteile auf der anderen Seite sind die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec. Seit 1998 bilden beide Städte zusammen eine Europastadt. Der Neißeturm war eine Besonderheit unter den Görlitzer Stadttürmen, denn er war nicht rund, sondern viereckig. Turm und Tor gehen nach einer Quelle zweifelsohne auf die Gründung der Stadt zurück, erwähnt wurden sie erstmals 1315. Dann folgen die Brände. Am 12. Juni 1525 wurde der Turm komplett zerstört. 1539 baute man ihn zierlicher und kunstvoller wieder auf, mit einem äußeren Umlauf und einer schlanken Spitze. Am 30. April 1726 brannte er komplett aus. Der Neubau, 1737 begonnen unter dem Zimmermeister Georg Hamann, dem Maurermeister Samuel Suckert, dem Kupferschmied Andreas Heinecke und dem Goldschmied Müller, war einfach barock gehalten und kostete 1350 Taler. Doch der Turm stand im Weg. Das Stadttor war zu niedrig für hohe Fuhrwerke, und deshalb blieben regelmäßig Wagen darin stecken. Der einzige Weg, sie zu befreien, war, das Pflaster herauszureißen. Bürgermeister Gottlob Ludwig Demiani setzte sich bei der preußischen Regierung für einen Abriss ein, doch die Zusage blieb lange aus. Dann kam ein Abgeordneter der Regierung zu Gast, und genau an diesem Tag blieb wieder ein Fuhrwerk im Tor stecken, ein hochbeladener Wollwagen. Die Regierung gab nach. Es gab Gerüchte, Demiani habe den Wagen bestellt, nachgewiesen wurde das nie. 1836 wurde der Turm abgerissen, 1841 der Überbau und 1857 die Seitenpfeiler. Das Stadtbild erfuhr dadurch, eine starke Schädigung. Am östlichen Brückenkopf musste auch die Bastei weichen, der Spitalturm. Er stand in etwa auf dem Areal der heute im polnischen Zgorzelec liegenden Dreiradenmühle.
Sie stehen dort, wo einst Neißeturm und Neißetor standen, die östlichste Zufahrt in die Stadt. Der Neißeturm war nicht rund, sondern viereckig. 1836 wurde er abgerissen, weil er den Verkehr behinderte.
Du stehst dort, wo früher ein Stadttor stand, das Neißetor. Es war die östlichste Zufahrt in die Stadt, und davor führte eine Brücke über die Neiße. Der Turm daneben war nicht rund, sondern viereckig, das war eine Besonderheit. Das Tor war zu niedrig für hohe Wagen. Einmal blieb ein Wagen voller Wolle darin stecken, genau als ein Abgesandter der Regierung zu Besuch war. Danach durfte die Stadt das Tor abreißen. Heute verläuft in der Neiße die Grenze zu Polen. Wie hoch muss ein Tor sein, damit ein hoher Wagen hindurchpasst?
Koordinaten: 51.15795, 14.992819 · auf der Karte