Stadtohr

Stadtrundgang Gera · Station 9 von 14

Villa Späthe

1910 · villa, gründerzeit, architektur, bandoneon

Villa Späthe
Foto: siehe Dateiseite, siehe Dateiseite · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen vor der Villa Späthe, heute Villa Adelheid. Sie gehört zu den denkmalgeschützten Villen, die das Stadtbild von Gera prägen. Über hundert zum Teil sehr bedeutende Stadtvillen und prächtige Bauten aus der Gründerzeit zeugen in Gera vom Glanz und Reichtum vergangener Zeiten. Diese hier wurde 1910 auf dem Grundstück Berliner Straße 1 erbaut, zur Bauzeit Kaiser-Wilhelm-Straße 1. Sie wird flankiert von der Villa Meyer und der Villa Schellig-Lubold. Der Architekt war Carl Zaenker, in Gera damals sehr bekannt. Von ihm stammen zahlreiche weitere denkmalgeschützte Villen der Stadt, darunter Villa Maurer, Villa Ramminger, Villa Jäger, Villa Rothe und Villa Meyer. Bauherr war der Unternehmer Paul Späthe. Sein Großvater, der Hoflieferant Wilhelm Spaethe senior, gründete in Gera ein Unternehmen, das zunächst Harmonikas baute, später auch Flügel und Klaviere herstellte und mit Bandoneons internationale Erfolge hatte. Nach dem Tod des Gründers am 22. September 1878 führte sein Sohn Otto die Firma weiter, später der Enkel Paul. Schauen Sie sich den Bau an. Er steht auf quadratischer Grundfläche von etwa 15 Metern Seitenlänge und ist nahezu kubisch, mit einem ausgebauten Mansardwalmdach. Er erhebt sich aus einem hohen, mit Granit verblendeten Sockelgeschoss. Die rechteckigen Fenster der vier repräsentativen Stuckfassaden werden von Stuckornamenten eingerahmt. An der Nordseite liegt der Haupteingang, geschützt von einem offenen Vorbau aus Sandstein. Die Villa ist historistisch, neubarock, mit vereinzelten Jugendstilelementen. Im Inneren zieht sich in der Beletage das Wohnzimmer über die gesamte Länge des Hauses, holzgetäfelt. Im Wintergarten gibt es einen Springbrunnen. Parkett und Pitch-Pine-Dielen importierte Paul Späthe 1910 aus den USA. Nach seinem Tod erbte seine Tochter Erna die Villa. Sie trennte 1933 die Beletage von den übrigen Räumen ab und baute die Villa 1938 in ein Mietshaus mit drei Etagenwohnungen um. Der große Villengarten, der bis zur Zabelstraße reichte, wurde in der DDR-Zeit abgetrennt, heute stehen dort ein Kindergarten und ein weiteres Haus. Das Amt für Statistik nutzte die Villa, nach der Wiedervereinigung eine Steuerberaterkanzlei. Von Ende 2011 bis Mitte 2014 sanierten und restaurierten die heutigen Eigentümer sie aufwendig. Die Fassade wurde erneuert, der Stuck anhand des noch vorhandenen Originalstucks neu abgeformt. Den Gartenpavillon baute man 2013 wieder auf. Ihren Namen hat die Villa von der Stadtgründerin Adelheid, an die ursprünglich die Adelheidstraße und der Adelheidplatz erinnerten, heute Clara-Zetkin-Straße und Johannisplatz. Adelheid wurde das Land Gera am 26. April 999 von ihrem Bruder, Kaiser Otto III., zur Verfügung gestellt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Villa Späthe, heute Villa Adelheid, Berliner Straße 1. Sie wurde 1910 nach einem Entwurf des Architekten Carl Zaenker für den Unternehmer Paul Späthe erbaut. Dessen Familie stellte Harmonikas, Flügel, Klaviere und Bandoneons her. Die Villa steht unter Denkmalschutz.

Für Kinder

Du stehst vor einer Villa aus dem Jahr 1910. Sie ist beinahe ein Würfel. Gebaut hat sie ein Unternehmer, dessen Familie Harmonikas, Klaviere und Bandoneons herstellte. Der Fußboden im Haus kommt aus den USA. Im Wintergarten gibt es einen Springbrunnen. Heute heißt die Villa Adelheid, nach einer Frau, die als Gründerin der Stadt gilt. Wie würdest du ein Haus bauen, wenn du Unternehmer wärst?

Quellen

Koordinaten: 50.881721, 12.083234 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.