Stadtohr

Stadtrundgang Gera · Station 2 von 14

Schloss Osterstein

12./13. Jahrhundert · schloss, reuß, bergfried, zweiter weltkrieg

Schloss Osterstein
Foto: Unknown authorUnknown author, Public domain · Wikimedia Commons

Ausführlich

Sie stehen auf dem Hainberg oberhalb von Untermhaus. Hier stand Schloss Osterstein, das Residenzschloss des Fürstentums Reuß jüngerer Linie. Was Sie heute sehen, ist wenig. Dafür ist die Geschichte lang. Auf dem Hainberg stand einst eine bronzezeitliche Wallanlage, später eine slawische Burg, die erst seit 1997 nachgewiesen ist. Im 12. und 13. Jahrhundert errichteten die Vögte von Weida hier eine Burganlage. Sie benannten sich seit den 1230er-Jahren nach Gera. Ob die Anlage von Anfang an ihr hauptsächlicher Wohnsitz war, ist unklar. Lange galt, sie hätten bis zum Sächsischen Bruderkrieg in der Stadtburg in der Altstadt residiert und den Osterstein nur als Nebensitz genutzt. Dem widersprach 2012 Christine Müller. 1358 mussten die Vögte die Burg dem Markgrafen von Meißen als Afterlehen auftragen, seitdem besaßen die Wettiner die Lehnshoheit über Burg und Stadt Gera. 1550 starb die Linie der Herren von Gera aus, das Gebiet fiel an die Reuß von Plauen. In den 1560er-Jahren begann der Umbau zu einem Renaissanceschloss. 1581 wird zum ersten Mal der Name Osterstein genannt. Bis 1802 war das Schloss Sitz der Linie Reuß-Gera, seit 1863 Residenz des Fürstentums Reuß jüngerer Linie. Zwei Hochzeiten sind bekannt. Am 1. März 1908 heirateten hier der bulgarische Zar Ferdinand I. und Eleonore Reuß zu Köstritz, in einer protestantischen Zeremonie, nachdem sich das Paar zwei Tage zuvor in Coburg katholisch hatte trauen lassen. Am 24. April 1917 fand die letzte Fürstenhochzeit statt. Am 10. November 1918 unterschrieb Heinrich XXVII., der letzte regierende Fürst Reuß, hier seine Abdankungsurkunde. Das Schloss blieb bis 1945 Eigentum und Wohnsitz der Fürstenfamilie. Dann kam der 6. April 1945, der schwerste Bombenangriff der United States Army Air Forces auf Gera. Das Schloss brannte vollkommen aus. Letzter Eigentümer war Heinrich XLV., dessen gesamtes Vermögen bei Kriegsende auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration beschlagnahmt und 1948 enteignet wurde. Er selbst wurde im August 1945 verschleppt und gilt seitdem als vermisst. Die Ruinen überließ man weitgehend dem Verfall, am 9. Dezember 1962 wurden sie gesprengt. Schauen Sie zum Bergfried. Er blieb erhalten, wurde restauriert und trägt eine kegelförmige Turmhaube. Zu seinem Alter gibt es zwei Angaben: aus dem 12. Jahrhundert, oder aus dem mittleren 13. Jahrhundert. Heute dient der 21 Meter hohe Turm als Aussichtsturm. Auf dem Plateau der ehemaligen Hauptburg steht das Terrassencafé Osterstein, mit einer kleinen Freilichtbühne und einem Kinderspielplatz. Zum Schloss führt die Wolfsbrücke von 1857.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Hainberg, wo Schloss Osterstein stand, die Residenz des Fürstentums Reuß jüngerer Linie. Am 6. April 1945 wurde es bei einem Luftangriff zerstört, die Ruinen wurden 1962 gesprengt. Erhalten sind der Bergfried, die Wolfsbrücke von 1857 und Reste der Wirtschaftsgebäude.

Für Kinder

Du stehst auf einem Berg über Untermhaus. Hier stand ein Schloss, in dem Fürsten wohnten. Am 6. April 1945 fielen Bomben auf Gera. Das Schloss brannte völlig aus. 1962 wurden die Ruinen gesprengt. Nur der Turm, der Bergfried, ist geblieben. Er ist 21 Meter hoch und ein Aussichtsturm. Oben auf dem Berg gibt es heute ein Terrassencafé mit einem Kinderspielplatz. Was würdest du von dort oben als Erstes suchen?

Quellen

Koordinaten: 50.88073611, 12.06302222 · auf der Karte

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