Stadtohr

Stadtrundgang Freiberg · Station 8 von 16

Obermarkt

· marktplatz, rathaus, stadtgeschichte, renaissance

Ausführlich

Sie stehen auf dem Obermarkt, einem historischen Platz. Er misst heute 110 mal 72 Meter. Die Oberstadt mit der Petrikirche und dem Obermarkt wurde in der zweiten Hälfte der 1180er Jahre planmäßig nach einem Rechteckschema angelegt. Fast achthundert Jahre wurde der Platz nie umbenannt, er trägt noch seinen Geburtsnamen. Das Platzbild ist geschlossen erhalten. Die Hausnummern beginnen an der östlichen Ecke mit Nummer 1, folgen dem Uhrzeigersinn und enden am Rathaus mit Nummer 24. Das Rathaus ist das dominierende Gebäude, an der Nordostseite des Platzes. Es wurde zwischen 1410 und 1474 errichtet, unter Einbeziehung von Teilen eines Vorgängerbaus. Der vorgestellte Turm trägt eine Uhr, die nach allen vier Seiten zeigt. Im ersten Geschoss liegt die Lorenzkapelle von 1514. Dort befindet sich auch ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan mit zwölf Glocken. Seit 1986 spielt es täglich um 11.15 und 16.15 Uhr das Steigerlied „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“. Am Erker von 1578 blickt ein verwitterter Kopf herab, der sogenannte Gaffkopf. Er gehört zu einer Geschichte. Im 15. Jahrhundert war der Obermarkt Richtstatt des Kunz von Kauffungen, des Prinzenräubers, der seine beiden letzten Tage im Verlies des Rathauses verbrachte. Teile der Strickleiter, die nach der Überlieferung beim Altenburger Prinzenraub benutzt wurde, hängen in der Eingangshalle des Rathauses. Ein bläulich schimmernder Basaltstein im Pflaster, der sogenannte Spuckstein, zeugt der Überlieferung nach von der Stelle, an die Kunzens Kopf gerollt sein soll. Dorthin blickt der Gaffkopf. Ein zweites Haus verdient Ihren Blick: Obermarkt 16, der Ratskeller. Es wurde 1545/46 als städtisches Kaufhaus errichtet. Im Erdgeschoss standen die Verkaufsstände der Bäcker und Fleischer und der Ratsweinschank. 1727 spielte hier die Schauspielerin Friederike Caroline Neuber, und 1834 und 1836 gab Clara Schumann hier Konzerte. Im Alnpeckhaus an der südlichen Ecke befand sich bis 1556 die Freiberger Münze, dann wurde sie nach Dresden verlegt. Das Lißkirchner-Haus, Obermarkt 17, ist mit 32 Metern das höchste Haus am Platz. In der Mitte steht das bronzene Brunnendenkmal von 1897. Es zeigt den Stadtgründer Markgraf Otto den Reichen und vier Wappenlöwen. Freiberger Studenten pflegen nach dem Abschluss des Studiums das „Löwenreiten“. Früher betrieb man es so lange, bis die Polizei kam und die jungen Leute zur Kasse bat. Den Strafzettel zeigte man dann stolz in der Heimat herum.

Kurzfassung

Sie stehen auf dem Obermarkt, einem historischen Platz von 110 mal 72 Metern. Die Oberstadt wurde in der zweiten Hälfte der 1180er Jahre planmäßig angelegt. Der Platz wurde fast achthundert Jahre nie umbenannt. Das dominierende Gebäude ist das Rathaus an der Nordostseite.

Für Kinder

Der Obermarkt ist der große Platz in der Oberstadt. Er ist 110 Meter lang und 72 Meter breit. Schau zum Rathaus: Sein Turm hat eine Uhr, die nach allen vier Seiten zeigt. Und jeden Tag um 11.15 Uhr und um 16.15 Uhr spielt ein Glockenspiel aus Porzellan das Steigerlied. In der Mitte des Platzes steht ein Brunnen mit vier Löwen. Nach dem Studium sind Studenten früher auf die Löwen gestiegen. Das nannte man Löwenreiten. Würdest du dich auf einen Löwen setzen?

Quellen

Koordinaten: 50.9171, 13.3424 · auf der Karte

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