Sie stehen am Willy-Brandt-Platz, vor der Oper Frankfurt. Das ist die Spielstätte seit 1951, und der Platz hieß früher Theaterplatz. Die Oper in dieser Stadt beginnt ohne Haus. 1700 gastierte zum ersten Mal eine französische Operntruppe in Frankfurt. 1745 kam die italienische Truppe von Pietro Mingotti, zu deren Kapellmeistern Christoph Willibald Gluck gehörte. Gespielt wurde in den Speisesälen der großen Gasthöfe oder auf kurzfristig erstellten Holzbühnen, meist auf dem Roßmarkt. Im September 1754 gab eine Wanderoper dort eine Oper von Johann Adolf Hasse und blieb bis Ende April 1755. Sieben Monate auf einer Holzbühne. Erst nach der Mitte des 18. Jahrhunderts wollte die Bürgerschaft ein festes Haus. Und nun der Widerstand, der dabei zu überwinden war: Die lutherische Geistlichkeit hielt die Komödie für sündhaft und dem Worte Gottes und dem Heiligen Taufbunde zuwider. Der Rat setzte den Bau trotzdem durch. 1780 wurde der Grundstein zum Comoedienhaus an der Nordseite des Roßmarktes gelegt, nach Plänen von Stadtbaumeister Johann Andreas Liebhardt. Von außen schlicht, innen prächtig: himmelblaue Deckenbemalung, scharlachfarbene Tapeten, knapp tausend Plätze. Mozart kam noch zu Lebzeiten auf diese Bühne: 1784 Die Entführung aus dem Serail, 1788 Figaros Hochzeit, 1789 Don Giovanni. Gespielt wurde das alles von fahrenden Theatertruppen. Erst 1792 erhielt das Haus ein eigenes Orchester, und dessen erste Leiter kamen alle aus der ehemaligen Mannheimer Hofkapelle. Mit den Kapellmeistern kommen die Geschichten. Carl Cannabich musste 1800 gehen, weil seine Verschwendungssucht im bürgerlichen Frankfurt für einen Skandal sorgte. Carl Guhr leitete das Theater von 1821 bis 1848 und war zeitweise auch sein Hauptaktionär. Deshalb überrascht es nicht, dass er ein einnahmeträchtiges Repertoire pflegte. Und gelegentlich mussten bezahlte Claqueure dafür sorgen, dass zahlungskräftige Solisten lautstark bejubelt wurden. Bezahlter Applaus für bezahlte Sänger. Im Dezember 1842 sah Hector Berlioz hier einen Fidelio, der ihn so beeindruckte, dass er den Reisebericht in seine Memoiren aufnahm. 1880 zog die Oper in das neue Haus am Opernplatz, das wir heute Alte Oper nennen. Bereits in der zweiten Spielzeit 1881/82 geriet sie in ein Defizit, das mit einer jährlichen Subvention von 80.000 Mark ausgeglichen wurde. Nach 1887 musste die Stadt auf 150.000 Mark erhöhen. Seitdem ist die Oper Frankfurt immer auf Zuschüsse angewiesen gewesen. Nach dem Tod des ersten Kapellmeisters Dessoff 1892 wurde auf Vermittlung von Johannes Brahms Ludwig Rottenberg sein Nachfolger, der bis 1924 blieb. Von 1908 bis 1911 kam Enrico Caruso alljährlich zu Gastspielen. Nach der Zerstörung von 1944 und dem Umzug hierher 1951 prägten Generalmusikdirektoren das Haus, darunter Georg Solti von 1952 bis 1961. Achtmal wurde es von der Zeitschrift Opernwelt zum Opernhaus des Jahres gewählt. Drehen Sie sich jetzt um. Auf demselben Platz steht ein Hochhaus, in dem über das Geld eines ganzen Kontinents entschieden wurde.
Sie stehen am Willy-Brandt-Platz, vor der Oper Frankfurt. Hier spielt sie seit 1951, der Platz hieß früher Theaterplatz. Ein festes Opernensemble gibt es in Frankfurt seit 1792. Die Zeitschrift Opernwelt hat das Haus achtmal zum Opernhaus des Jahres gewählt, zuletzt 2024.
Hier spielt die Oper Frankfurt, seit 1951. Vor sehr langer Zeit hatte die Stadt noch kein Theaterhaus. Da bauten reisende Truppen einfach Bühnen aus Holz auf einem Platz auf und spielten dort. Vor fast dreihundert Jahren fanden manche Leute, Theater sei etwas Schlechtes. Trotzdem wurde 1780 ein richtiges Theater gebaut. Und noch etwas Verrücktes: Früher wurden Leute dafür bezahlt, im Publikum besonders laut zu klatschen. Man nannte sie Claqueure. Würdest du für Geld klatschen?
Koordinaten: 50.1081, 8.67417 · auf der Karte