Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt am Main · Station 12 von 16

Jüdisches Museum Frankfurt

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Ausführlich

Sie stehen am Jüdischen Museum der Stadt Frankfurt am Main. Es sammelt, bewahrt und vermittelt neunhundert Jahre jüdische Geschichte und Kultur dieser Stadt. Neunhundert Jahre, und die Jahreszahlen dieses Rundgangs haben sie schon zweimal berührt: 1349 wurde beim Pogrom praktisch die gesamte damalige jüdische Bevölkerung Frankfurts ermordet, und 1460 wurde an der alten stauferzeitlichen Stadtmauer die Judengasse errichtet. Sie war das erste jüdische Ghetto in Europa. Zwei Jahre nach dem Bau wurden die jüdischen Bewohner Frankfurts, die zuvor in unmittelbarer Nähe des Doms wohnten, dorthin zwangsumgesiedelt. Und nun das, was man sich dazu nicht von selbst denkt: Diese Gasse entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum, das weithin für seine Gelehrsamkeit bekannt war und von Studierenden von weither aufgesucht wurde. Im 17. Jahrhundert lebten dort über 3000 Menschen. Erst nach dem Ende der Napoleonischen Kriege wurde die Anordnung aufgehoben, sich in der Judengasse ansiedeln zu müssen. In den 1870er Jahren wurde das Ghetto abgerissen. Der benachbarte alte jüdische Friedhof blieb erhalten. Ein Vorgängermuseum eröffnete 1922, das Museum Jüdischer Altertümer, eines der ersten seiner Art in Deutschland. Es lag in der Fahrgasse, im ehemaligen Bankhaus der Familie Rothschild. 1938 brachen im Zusammenhang mit dem Novemberpogrom SA- und SS-Leute ein, demolierten die Einrichtung und legten mehrere Feuer. Ein Großteil der Sammlung wurde zerstört, die metallenen Objekte wurden eingeschmolzen. Diese eine Zahl steht für alles: Von 18.000 Stücken fanden nur 40 den Weg zurück nach Frankfurt. Das heutige Museum wurde am 9. November 1988 eröffnet, am fünfzigsten Jahrestag des Novemberpogroms, durch Bundeskanzler Helmut Kohl und Oberbürgermeister Wolfram Brück. Der Hauptstandort ist das Rothschild-Palais am Untermainkai. Das Haus wurde 1820 von Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Hess erbaut, 1846 erwarb Mayer Carl von Rothschild es als Wohnhaus. Im Erdgeschoss eröffnete 1895 eine öffentliche Bibliothek, 1887 von Hannah Louise von Rothschild zum Andenken an ihren Vater gegründet, als erste öffentliche Bibliothek Frankfurts. 1933 wurde die Einrichtung umbenannt, im November 1935 der Name der Stifterfamilie ganz gestrichen und weitere Erinnerungen an sie im Gebäude getilgt. Der zweite Standort hat eine Vorgeschichte, die 1987 begann. Bei Bauarbeiten für ein Verwaltungsgebäude am Börneplatz kamen die Fundamente von 19 Häusern der Judengasse zum Vorschein, der bis dahin größte archäologische Fund einer jüdischen Siedlung aus der Frühen Neuzeit in Europa. Die Stadt als Bauherrin wollte die Überreste dokumentieren und für den Neubau beseitigen. Viele Menschen protestierten dagegen und nannten es Geschichtsentsorgung. Am Ende stand ein Kompromiss: Fünf der Hausfundamente wurden abgetragen und im Kellergeschoss des Verwaltungsgebäudes am originalen Platz wieder aufgebaut. Gehen wir weiter zum Willy-Brandt-Platz.

Kurzfassung

Sie stehen am Jüdischen Museum. Eröffnet wurde es am 9. November 1988, dem fünfzigsten Jahrestag des Novemberpogroms. Es ist das zweitälteste eigenständige jüdische Museum der Bundesrepublik, nach Augsburg. Die Dauerausstellung liegt an zwei Orten: im Rothschild-Palais am Untermainkai und im Museum Judengasse.

Für Kinder

Dieses Museum erzählt von jüdischen Menschen in Frankfurt, seit etwa neunhundert Jahren. Vor langer Zeit, ab dem Jahr 1460, durften sie nur in einer einzigen Straße wohnen. Sie hieß Judengasse. Im 17. Jahrhundert lebten dort über 3000 Menschen. Später wurde die Gasse abgerissen. Dann passierte etwas Erstaunliches: 1987 gruben Bauarbeiter und fanden die Fundamente von 19 dieser Häuser wieder. Fünf davon wurden vorsichtig abgebaut und im Keller eines neuen Hauses genau dort wieder aufgebaut, wo sie gestanden hatten. Dort kann man sie heute ansehen.

Quellen

Koordinaten: 50.107222222, 8.674444444 · auf der Karte

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