Stadtohr

Stadtrundgang Frankfurt (Oder) · Station 6 von 16

Junkerhaus Frankfurt (Oder)

· patrizierhaus, universität, stadtmuseum, stadtgeschichte

Ausführlich

Sie stehen vor dem Junkerhaus. Es wurde im Mittelalter als gotisches Patrizierhaus errichtet und ist eines der wenigen Gebäude im Zentrum, die 1945 das Ende des Zweiten Weltkriegs überstanden haben. Seit 1957 beherbergt es das Stadtmuseum. Zum Namen. 1557 wurde das Grundstück erstmals erwähnt, im Besitz der Familie Affe. Später gehörte es Bürgermeister Albrecht Wins, dann Kurfürst Johann Georg. In einer Schenkungsurkunde von 1574 heißt es Haus der jungen Herren. 1598 war Kurfürst Joachim Friedrich Eigentümer und ließ es als Wohnsitz für die Prinzen nutzen, die an der Viadrina studierten. Dazu kamen Verwandte und Angehörige befreundeter Fürstenhäuser. Junker nannte man damals die Söhne des Adels. So wurde aus dem Haus das Junkerhaus. Die Viadrina, das ist die Universität der Stadt. Am 26. April 1506 wurde sie in Anwesenheit des Kurfürsten Joachim I. feierlich eröffnet. Im ersten Jahr kamen 950 Akademiker, unter ihnen der junge Ulrich von Hutten, mehr als an jeder anderen deutschen Universität bis dahin. 1615 schenkte Kurfürst Johann Sigismund dieses Haus der Universität. Ein Professor sollte hier frei wohnen, und die Professoren sollten hier ihre Sitzungen abhalten. Der Dreißigjährige Krieg beschädigte das Haus stark, 1649 galt es als völlig ruiniert. Ab 1682 stattete man es mit prachtvollen Stuckdecken aus, gearbeitet von oberitalienischen Stuckateuren. 1706, zur 200-Jahr-Feier der Universität, wohnten hier der preußische König Friedrich I. und der Kronprinz Friedrich Wilhelm. Deshalb nennt man das Haus auch Stadtschloss der Hohenzollern. Aus derselben Zeit stammt ein Streit, von dem die Akten erzählen. Professor Andreas Wolfgang von Runckel hatte seit 1685 Wohnrecht auf Lebenszeit. 1692 zeigte er die Stadt an, weil sie Teile des Hofes für Fischtröge nutzte und Wasser das Gebäude beschädigte. Vorher hatte seine Frau mit den Fischweibern gestritten, und städtische Bedienstete waren mit ihm handgreiflich geworden. 1706 kündigte die Stadt ihm das Wohnrecht. Sie warf ihm vor, Samtstühle gestohlen und unerlaubt Tauben gehalten zu haben, und sie beklagte Lärm durch Musizieren. Von Runckel bestritt alles. Seine Kinder habe er täglich musizieren lassen, und sie hätten sogar der verstorbenen Mutter des Königs vorspielen dürfen. 1713 bekam er sein Wohnrecht zurück, mit Auflagen. Nach 1945 war das Haus Seuchenlazarett, dann Wachstube der Grenztruppen, daneben Büro für Verwaltungen. Am Haupteingang brachte man das Portal des Hauptgebäudes der Brandenburgischen Universität an, das am 20. Dezember 1962 abgerissen wurde. 2003 war die Vollsanierung des Junkerhauses abgeschlossen.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Junkerhaus. Es wurde im Mittelalter als gotisches Patrizierhaus errichtet und gehört zu den wenigen Gebäuden im Zentrum, die 1945 überstanden. Seinen Namen hat es von den jungen Herren, die hier wohnten, Prinzen aus kurfürstlichem Haus. Seit 1957 beherbergt es das Stadtmuseum.

Für Kinder

Dieses Haus heißt Junkerhaus. Junker, so nannte man früher die Söhne von Adligen. Im Jahr 1598 ließ der Kurfürst hier Prinzen wohnen, die an der Universität in Frankfurt studierten. Später lebte ein Professor in dem Haus und stritt mit den Fischverkäuferinnen. Sie stellten im Hof ihre Fischtröge auf, und das Wasser beschädigte das Haus. Die Stadt warf dem Professor auch Lärm vor, weil seine Kinder täglich Musik machten. Das Haus ist eines der wenigen im Zentrum, die 1945 noch standen. Wie laut darf Musik in einem Haus sein?

Quellen

Koordinaten: 52.345195, 14.555281 · auf der Karte

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende, ODbL. Routing: Valhalla auf OSM-Daten. Objektdaten: Wikidata (CC0). Fotos: Wikimedia Commons, Urheber und Lizenz je Bild.