Sie stehen vor dem Landgericht Flensburg am Südergraben 22. Es ist das nördlichste deutsche Landgericht und zugleich eines der kleinsten der Bundesrepublik. Rund 100 Mitarbeiter arbeiten hier, darunter etwa 28 Richter. Der Bezirk umfasst die Amtsgerichte Husum, Flensburg, Schleswig und Niebüll mit etwa 450.000 Einwohnern. Dieses Gericht gibt es seit 1879, als man im Zuge der Reichsjustizgesetze gemeinsam mit Altona und Lübeck neue Landgerichte schuf. Zuvor gab es in Flensburg das Kreisgericht. Um das Gebäude zu verstehen, brauchen Sie den politischen Hintergrund. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 bildete Schleswig 1867 zusammen mit Holstein die Provinz Schleswig-Holstein im Königreich Preußen. Der Altbau wurde ab 1879 nach einem Entwurf des Regierungsbaumeisters Richard Plüddemann aus dem preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten gebaut und 1882 seiner Bestimmung übergeben. Er ist ein Ziegelrohbau in gotisierenden Formen, in die sich Elemente italienischer Wehrarchitektur mischen. Er sollte Ausdruck der neuen preußischen Macht sein und zeigt, Ansätze einer Einschüchterungsarchitektur. Schauen Sie, wie das Haus am Hang über der Stadt thront. Im Inneren ist vieles im ursprünglichen Zustand erhalten: die restaurierten Ausmalungen im Stil des Historismus im Eingang und im Treppenhaus, ein Standbild Wilhelms I. von Preußen von dem Bildhauer Ernst Herter und der weitgehend original erhaltene Schwurgerichtssaal mit reichen Holzvertäfelungen. Vier Gedenktafeln im Treppenaufgang erinnern an gefallene Justizangehörige und Anwälte der beiden Weltkriege. Dann der Kontrast. 1963 kam ein zweckmäßiger Kastenbau dazu, 1987 ein zweiter Erweiterungsbau des Hamburger Büros Gerkan, Marg und Partner. Drei Gebäuderiegel schmiegen sich an den Hang, ihre schrägen Kupferdächer sollen sich in die Stadtsilhouette einpassen. Eine große gläserne Halle mit offener Treppe über acht Etagen verbindet sie mit dem Altbau. Dieses Treppenhaus soll der architektonische Ausdruck einer Gerichtsbarkeit sein, die um Transparenz und Bürgernähe bemüht ist. Ein Haus, zwei Haltungen: 1882 sollte der Backstein Macht zeigen, 1987 soll das Glas Transparenz zeigen.
Sie stehen vor dem Landgericht Flensburg am Südergraben 22, dem nördlichsten deutschen Landgericht. Der Altbau wurde ab 1879 nach einem Entwurf aus dem preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten gebaut und 1882 übergeben. Eine Quelle spricht von Ansätzen einer Einschüchterungsarchitektur.
Du stehst vor einem Gericht. Hier entscheiden Richter über Streit und Strafen. Das alte Haus wurde 1882 fertig. Es ist aus Ziegeln gebaut und sollte zeigen: Hier hat jetzt Preußen das Sagen. Es heißt sogar, es sollte ein bisschen einschüchtern. Der neue Teil von 1987 hat eine große Halle aus Glas. Das soll zeigen, dass das Gericht offen für die Menschen sein will. Welches Haus wirkt auf dich strenger, das aus Stein oder das aus Glas?
Koordinaten: 54.7869, 9.43305 · auf der Karte