Sie stehen im Herzen der mittelalterlichen Stadt, auch wenn man es heute nicht mehr sieht. Der Thingplatz war der Platz, auf dem sich die Bürgerschaft noch fast bis zum Ende des Spätmittelalters zum Allmannsthing versammelte. Im Mittelalter lebten in Flensburg nur ungefähr 2000 Menschen. Die großen Kirchspiele St. Nikolai und St. Marien berührten sich hier, die kleineren, St. Johannis und das Gertrudenviertel, lagen daneben. Der Platz lag also ungefähr in der Mitte, zwischen Südermarkt und Nordermarkt, und er war mit Bedacht gewählt, damit keine Seite übervorteilt wurde. Unter freiem Himmel wurde das Stadtrecht verlesen, dazu wichtige Bekanntmachungen. Man beriet über die städtischen Ausgaben der nächsten Jahre und sprach im Beisein des Stadtvogtes Recht. Den Stadtvogt setzte der König oder Herzog ein; erst 1413 erhielt die Stadt das Recht, ihn selbst zu wählen. Die genaue Lage des Platzes kennt man heute nicht mehr aufs Genaueste. Er soll sich westlich der Großen Straße bei der Nummer 1 bis hinauf zum Stadttheater erstreckt haben, im Norden begrenzt von der Rutebek, einem Bach, der den Hang herabfloss. Als die Zahl der Bürger auf über 3000 gewachsen war, beschloss der Allmannsthing 1443 den Bau eines Rathauses auf dem Grundstück Große Straße 1. Es überbaute einen Teil des Thingplatzes, der Rest diente weiter dem Gericht. 1445 war das Rathaus fertig: aus Ziegelsteinen gemauert, mit Ziegeldach, zwei Stockwerke hoch. Unten saßen die Bediensteten und lag der Ratskeller, oben ein großer Saal und ein kleiner Raum für den Rat, auf dem Dachboden die städtische Rüstkammer. Der Rat vermietete den Saal für Familienfeiern und für Theatervorstellungen herumreisender Schauspieltruppen. 1766 bekamen die Häuser Flensburgs Hausnummern, und die Zählung begann beim Rathaus. Bis 1882 diente es seinem Zweck, 1883 wurde es abgebrochen. Die Stadt nutzte danach den Regierungshof am Holm 7 als Provisorium, und das blieb es über 80 Jahre. Erhalten blieb davon nur der Wein- und Ratskeller, heute Gnomenkeller. Und noch etwas: Schauen Sie auf den Boden der Großen Straße. Dort ist seit 1989 der Mittelpunkt der Stadt eingelassen, ein Kunstwerk aus Vanga-Granit und Bronze von Dietmar Gördes, nach einer Idee von Marianne Schreckenberger. Man nennt ihn Historischer Mittelpunkt, denn der politische Mittelpunkt liegt heute dort, wo das neue Rathaus steht. Zu ihm kommen wir am Ende.
Sie stehen am ehemaligen Thingplatz. Hier versammelte sich die Bürgerschaft bis fast zum Ende des Spätmittelalters zum Allmannsthing. Der Platz lag dort, wo die Kirchspiele St. Nikolai und St. Marien sich berührten. 1443 beschloss die Versammlung, hier ein Rathaus zu bauen.
Du stehst auf einem Platz, den es so nicht mehr gibt. Früher hatte Flensburg kein Rathaus. Wenn etwas zu entscheiden war, kamen die Bürger hier unter freiem Himmel zusammen. Das Stadtrecht wurde laut vorgelesen. Der Platz lag mit Absicht in der Mitte, damit keine Seite der Stadt benachteiligt wurde. Später bauten die Flensburger doch ein Rathaus, 1445 war es fertig. Im Boden der Großen Straße liegt heute ein Kunstwerk aus Granit und Bronze, das die Mitte der Stadt zeigt. Wo liegt die Mitte deiner Stadt?
Koordinaten: 54.786231, 9.433994 · auf der Karte