Stadtohr

Stadtrundgang Erlangen · Station 7 von 16

Neustädter Kirche

· kirche, finanzierung, universitaet

Ausführlich

Sie stehen vor der Neustädter Kirche. Diesmal geht es ums Geld, denn an dieser Kirche kann man nachrechnen, was ein solcher Bau eine kleine Stadt kostete. Die lutherische Gemeinde der Neustadt wurde am 22. Januar 1703 durch einen Erlass des Markgrafen Christian Ernst gegründet. Noch im selben Jahr legte man den Neustädter Friedhof an. Gebaut wurde ab 1722, und zwar als einer von zahlreichen Kirchenbauten, die damals in Erlangen entstanden. Genau das war das Problem. Die Bausumme betrug insgesamt rund fünfunddreißigtausend Gulden. Sie fiel so hoch aus, weil man die evangelisch-lutherische Hauptkirche für Erlangen und Umgebung schaffen wollte, was 1725 durch eine eigene Superintendentur betont wurde. Nun die Posten. Der Bayreuther Markgraf spendete fünfhundert Gulden. Die französisch-reformierte Gemeinde gab hundertfünfzig, die deutsch-reformierte dreiundsiebzig. Die Gemeindemitglieder selbst spendeten zwischen 1721 und 1740 rund zehntausend Gulden. Und weil das nicht reichte, zogen sie ab 1720 auf Kollektenreisen und sammelten in Wirtshäusern Geld für ihre Kirche. Die Grundsteinlegung erfolgte wohl aus Sparsamkeit ohne größere Feier am 19. Juni 1725. Der Dachstuhl und eine erste Kanzel waren 1733 fertig. Am 8. Dezember 1737 wurde die Kirche geweiht, obwohl nur provisorisch fertiggestellt. 1744 entstand der Kanzelaltar, der bis heute erhalten ist, und die Sakristei mit der Gruft darunter. Die beiden oberen Turmgeschosse folgten 1765, der Turmhelm mit Laterne erst 1830. Hundertacht Jahre von der Gründung der Gemeinde bis zur fertigen Spitze. Die Pläne sind wohl dem Bayreuther Hofbauinspektor Johann David Räntz zuzuschreiben, von dem nur eine Entwurfszeichnung der Südseite aus dem Jahr 1726 erhalten ist. Die Bauaufsicht hatte bis 1730 der Landbaumeister Wenzel Perner, dann sein Nachfolger Johann Georg Weiß. Maurermeister war Johann Georg Kannhäuser. Nun treten Sie einen Schritt zurück und schauen Sie die Hauptstraße entlang. Drei große Kirchen stehen in der Erlanger Innenstadt, und ihre Türme prägen bis heute das Stadtbild: diese hier, die Hugenottenkirche und die Altstädter Dreifaltigkeitskirche. Sie bilden eine architektonische Einheit, und das war möglich, weil die Altstädter Kirche beim Altstadtbrand 1706 zerstört wurde. Bei ihrem Neubau von 1709 bis 1721 konnte sie in das Konzept der barocken Planstadt einbezogen werden. Alle drei Kirchen liegen um jeweils einen Gebäudeblock versetzt entlang der Nord-Süd-Achse. Die beiden lutherischen Kirchen sind geostet, ihre Türme stehen im Westen. Die Hugenottenkirche ist genau spiegelverkehrt angelegt. In diesem Haus sind außerdem einige erste Male passiert. Am 4. November 1743 wurde die Erlanger Universität mit einem Gottesdienst hier offiziell eröffnet. Universitätskirche wurde die Neustädter Kirche aber erst 1837. In der Gruft wurde als letzte die Markgräfin Sophie Caroline Marie bestattet, die am 22. Dezember 1817 starb, jene Markgräfin, die fast fünfzig Jahre im Schloss gelebt hatte. Und 1850 fand hier der erste Kindergottesdienst Deutschlands statt, auf Initiative des Professors Karl Georg von Raumer und des Vikars Julius Schunck.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Neustädter Kirche, dem barocken Gotteshaus der evangelisch-lutherischen Gemeinde der Neustadt. Gebaut wurde sie ab 1722, geweiht am 8. Dezember 1737. Seit 1837 ist sie Universitätskirche der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Für Kinder

Diese Kirche hat sehr lange gebraucht. Die Gemeinde gab es ab 1703, gebaut wurde ab 1722, geweiht wurde sie 1737, und die Spitze auf dem Turm kam erst 1830 dazu. Warum so langsam? Weil das Geld fehlte. Alles zusammen kostete etwa fünfunddreißigtausend Gulden. Der Markgraf gab fünfhundert, zwei andere Gemeinden gaben hundertfünfzig und dreiundsiebzig. Den größten Teil mussten die Leute selbst sammeln. Sie zogen von Ort zu Ort und sogar in Wirtshäuser und bettelten um Geld für ihre Kirche. Hier war 1850 auch der erste Kindergottesdienst in ganz Deutschland. Schau nach oben: Wo steht der Turm, vorn oder hinten?

Quellen

Koordinaten: 49.5956, 11.0055 · auf der Karte

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