Sie stehen vor dem Egloffsteinschen Palais, dem größten der ehemaligen Adelssitze in Erlangen: eine Vierflügelanlage aus unverputzten Sandsteinquadern, dreißig mal dreiundsechzig Meter, einundzwanzig Fensterachsen zur Schuhstraße hin. Im Obergeschoss des Saalbaus liegt ein Festsaal, dessen Stuckausstattung dem Bayreuther Meister Andrea Domenico Cadenazzi zugeschrieben wird und aus den Jahren 1720 bis 1725 stammt. Das ovale Deckenfeld zeigt Apollo auf dem Sonnenwagen und die liegende Göttin Ceres. Über den Marmorkaminen sitzen Reliefbüsten römischer Kaiser. Soweit das Palais. Was dann geschah, ist bemerkenswert. Erbaut wurde es 1718 für Carl Maximilian von Egloffstein. 1723 erteilte ihm der Markgraf die Befreiung von allen Lasten in Kriegs- und Friedenszeiten. Nach Egloffsteins Tod 1733 ging das Haus an seinen Neffen Albrecht Christoph, der es wegen finanzieller Probleme schon um 1739 an die markgräfliche Regierung verkaufte. 1745 überließ diese es im Tausch gegen ein Haus in Bayreuth der Universität, die hier ein anatomisches Theater, ein chemisches Laboratorium und eine Sternwarte einrichten wollte. Das Geld fehlte, die Pläne blieben liegen, und 1749 verkaufte die Universität das Palais für achttausend Gulden an die Stadt. Von nun an wohnten hier die Ärmsten. 1750 richtete die Stadt im Vorderhaus an der Friedrichstraße ein Armen- und Arbeitshaus ein. Anlass war die Missernte des Jahres 1746, die zu großer Not in den unteren sozialen Schichten geführt hatte. Gleichzeitig entstand im Hinterhaus an der Südlichen Stadtmauerstraße ein Waisenhaus als Maßnahme gegen den Kinderbettel. 1776 wurde das Waisenhaus mit dem Armeninstitut des Theologieprofessors Georg Friedrich Seiler verbunden, wodurch die etwa sechzig bis hundert Kinder nun auch Elementarunterricht erhielten. 1806 wurde das Waisenhaus mit der Armenschule wegen sinkender Mittel geschlossen und die Kinder zur Pflege an bürgerliche Familien gegeben. Und damit kommen wir zu einem Namen, der an diesem Haus hängt. Der Dichter und Orientalist Friedrich Rückert, von 1826 bis 1841 Professor für orientalische Sprachen an der Erlanger Universität, lebte ab dem Frühjahr 1832 mit seiner Familie im ersten Stock des ehemaligen Waisenhauses. Zur Wohnung gehörte ein Garten auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der damaligen Stadtmauer. Im Winter 1833 und 1834 starben hier seine Kinder Ernst und Luise. Diesen Tod verarbeitete Rückert in den Kindertodtenliedern. 1838 musste die Familie ausziehen, weil die Landwirtschafts- und Gewerbeschule in das Haus zog. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an ihn. Danach ging es weiter wie zuvor: von 1868 bis 1877 Teile eines Jägerbataillons, ab 1877 eine Realschule, die 1927 zur Oberrealschule wurde und heute als Ohm-Gymnasium im Süden Erlangens sitzt, ab 1958 die Stadtbücherei, bis 1998 die staatliche Fachoberschule. Seit 1998 gehört das Haus der Volkshochschule. Zum Maßstab noch eine Zahl: 1815 wurde der Wert des Anwesens auf sechsundzwanzigtausendfünfzig Gulden geschätzt.
Sie stehen vor dem Egloffsteinschen Palais, Friedrichstraße 17 und Südliche Stadtmauerstraße 28. Mit einer Grundfläche von dreißig mal dreiundsechzig Metern ist es das größte barocke Adelspalais Erlangens. Erbaut wurde es 1718. Heute sind hier die Volkshochschule und das Deutsch-Französische Institut.
Das ist das größte alte Stadtpalais von Erlangen: dreißig Meter in die eine, dreiundsechzig Meter in die andere Richtung. Gebaut wurde es 1718 für einen Adligen. Aber der blieb nicht lange. Später gehörte das Haus der Stadt, und dann wohnten hier arme Leute und Waisenkinder, bis zu hundert gleichzeitig. Sie bekamen hier auch Unterricht. Im hinteren Haus lebte später ein Dichter: Friedrich Rückert. Zwei seiner Kinder starben in diesem Haus, und er schrieb traurige Gedichte über sie. An der Wand hängt eine Tafel für ihn. Suche sie. Heute lernen hier wieder Leute, nämlich in der Volkshochschule.
Koordinaten: 49.595568, 11.007341 · auf der Karte