Sie stehen vor dem Kollegienhaus, an der Südseite des Schlossgartens. Es ist ein Haus, das aus einer Platznot heraus entstand. Mit der zunehmenden Anzahl an Studierenden reichten die Lehrräume der Universität Erlangen nicht mehr aus. 1884 wurden Entwürfe für ein neues Bibliotheksgebäude eingeholt, doch der Senat entschied sich für den Neubau eines Kollegienhauses. Nach Plänen von Friedrich Scharff war es nach circa eineinhalb Jahren Bauzeit 1887 fertiggestellt. Die Einweihung fand am 2. und 3. Mai 1889 statt. Zwei Jahreszahlen also: Fertigstellung 1887, Einweihung 1889, und am Mittelpavillon steht die Jahreszahl 1889 in römischer Zahlschrift. Ich nenne Ihnen beide Angaben. Nun zum Material, denn daran kann man sehen, wo gespart wurde. Das Haus besteht größtenteils aus Sandstein vom Bruch des Erlanger Bergs. Es ist aus drei Pavillons mit schiefereingedeckten Mansarddächern aufgebaut und orientiert sich am markgräflichen Schloss, das Sie vorhin gesehen haben. Gehen Sie jetzt aber einmal um das Haus herum, zur Universitätsstraße hin. Die Südfassade ist zu einem großen Teil aus Backstein mit Hausteinarbeiten gearbeitet. Vorn Sandstein zum Garten, hinten Backstein zur Straße. Schauen Sie dann zur Attika des Mittelpavillons. Dort steht Veritati Humanitati Virtuti, der Leitspruch der Universität, und daneben die Jahreszahl der Eröffnung. Über den Kolossalsäulen des Mittelpavillons liegen sechs Plattformen. Auf den beiden äußeren stehen Obeliske, auf den anderen Skulpturen: die Personifikationen der vier Fakultäten zur Zeit des Baus, Medizin, Philosophie, Theologie und Rechtswissenschaft. Vier Fakultäten, in Stein, in dieser Reihenfolge. Im Inneren hat sich viel verändert. Im westlichen Pavillon lag zur Eröffnung eine Aula, die sich über das erste und zweite Geschoss erstreckte. Sie besteht heute nicht mehr. An ihrer Stelle sind der Senatssaal im ersten Geschoss und darüber ein Hörsaal. Eine Besonderheit war der Lesesaal im zweiten Geschoss, der mit seiner Ausdehnung an bayerischen Universitäten einmalig war. Während des Ersten Weltkriegs diente das Kollegienhaus als Reservelazarett, mit Krankenzimmern, einem Operationssaal, einem orthopädischen Saal und weiteren Einrichtungen. Und nun das Haus heute. Im Kollegienhaus finden vor allem Vorlesungen und Seminare der Philosophischen Fakultät, des Fachbereichs Theologie und der Rechtswissenschaft statt. Aktuell sind nicht alle Räume nutzbar, denn es besteht die Gefahr, dass sich in einigen Räumen einzelne Deckenteile lösen. Deckenverkleidungen wurden teilweise oder ganz entfernt, Räume gesperrt. Seit 2019 hängen zwei zusätzliche Treppen als Fluchtwege an der Südseite. Im Dachboden lagern die Talare der Fakultäten, die nur zu festlichen Anlässen und bei Terminen im Ausland getragen werden. Das Haus ist also kein Museum. Beim Comic-Salon Erlangen, der alle zwei Jahre stattfindet, gibt es hier Vorträge und Diskussionen.
Sie stehen vor dem Kollegienhaus der Universität an der Südseite des Schlossgartens. Der Neobarockbau wurde nach Plänen von Friedrich Scharff errichtet und 1889 eingeweiht. Hier finden vor allem Seminare und Vorlesungen der Geistes- und Rechtswissenschaften statt.
Das ist ein Haus für Studenten. Vor rund hundertvierzig Jahren wurden es an der Universität immer mehr, und die alten Räume reichten nicht. Also baute man dieses Haus. Schau dir die Vorderseite an: gelber Sandstein, aus einem Steinbruch am Erlanger Berg. Jetzt geh einmal herum zur Straße. Dort ist die Wand aus roten Ziegeln. Vorn das Schöne, hinten das Günstige. Oben über den Säulen stehen vier Figuren. Jede steht für ein Fach: Medizin, Philosophie, Theologie und Jura. Oben im Dachboden liegen die langen Mäntel der Professoren, die Talare. Welches Fach würdest du wählen?
Koordinaten: 49.597256, 11.007155 · auf der Karte