Sie stehen auf dem Hugenottenplatz. Dieser Platz ist kein Zufall, sondern ein Entwurf. Der Architekt Johann Moritz Richter war ab 1684 am markgräflichen Hof in Bayreuth tätig und plante ab 1686 die Erlanger Neustadt, eine barocke Planstadt zur Aufnahme der französischen Glaubensflüchtlinge, die später als Hugenotten bezeichnet wurden. In seinem Plan liegen zwei Plätze. Der größere, heute Schloss- und Marktplatz, hieß Grande Place. Dieser hier war der kleinere: Place devant le Temple et la Douane. Die Kirche an der Westseite war das zuerst begonnene Gebäude und Teil des Plans. Mit ihrem rechteckigen Grundriss fügte sie sich in die ursprünglich homogene Struktur des Platzes ein, der nach einem übergeordneten Gestaltungsprinzip konstruiert war. Nun zu den Namen, denn an ihnen können Sie die Geschichte der Stadt ablesen. Von 1695 bis 1812 hieß der Platz Französischer Markt. Zwischen 1745 und 1885 auch Holzmarkt, weil hier Holz verkauft wurde. 1887 wurde er zu Ehren des bayerischen Prinzregenten in Luitpoldplatz umbenannt. Seinen heutigen Namen erhielt er 1936, anlässlich der 250-Jahr-Feier der Erlanger Neustadt, deren Bau mit der Grundsteinlegung der Hugenottenkirche am 14. Juli 1686 begonnen hatte. Vier Namen in dreihundert Jahren. Und der Platz selbst? Die einheitliche Wirkung des Richterschen Entwurfs wurde seit dem Ende des 19. Jahrhunderts und besonders nach 1945 stark verändert. Zählen Sie mit, wenn Sie sich umdrehen. 1896 und 1897 entstand auf der Südwestseite die heute sogenannte alte Hauptpost. 1958 kam auf der Südostseite das Kaufhof-Gebäude, das 2002 und 2003 durch ein Büro- und Geschäftsgebäude ersetzt wurde, das dem historischen Umfeld wieder besser angepasst ist. 1968 wurde auf der Ostseite ein Sparkassen-Neubau errichtet, der bereits 1997 umfassend saniert und umgestaltet werden musste. Eine Ausnahme: Im Jahr 2000 wurde das sogenannte Richthaus auf der Nordwestseite in seiner historischen Substanz aufwändig renoviert und von seiner Fassadenverkleidung mit Travertin befreit. Heute ist der Platz zweigeteilt. Mittig verläuft die Hauptstraße, tagsüber reine Fußgängerzone. Auf der Westhälfte liegt ein Busbahnhof mit fünf in Nord-Süd-Richtung angeordneten Bussteigen, ein wichtiger Umsteigeknoten des Erlanger Stadtverkehrs. Bis auf zwei Wartehäuschen ist diese Hälfte unmöbliert. Auf Bussteig 5, unmittelbar vor dem Hauptportal der Kirche, stand vom 6. Februar 2024 bis zum 23. Januar 2025 das mobile Denkmal der Grauen Busse. Die Osthälfte war früher Parkplatz. Heute gliedern sie Bäume, zahlreiche Fahrradstellplätze, eine Außengastronomie, ein Kiosk und ein Toilettenhäuschen. In der Mitte steht ein Springbrunnen, der 1997 in Betrieb ging und im März 2025 durch Vandalismus schwer beschädigt wurde.
Sie stehen auf dem Hugenottenplatz, neben dem Schloss- und Marktplatz einer der zentralen Plätze Erlangens. Er gehört zum Plan der barocken Neustadt von Johann Moritz Richter. An seiner Westseite liegt die Evangelisch-reformierte Kirche. Seinen heutigen Namen trägt der Platz seit 1936.
Du stehst auf einem Platz, der vor mehr als dreihundert Jahren am Zeichentisch entstanden ist. Ein Baumeister hat die ganze Neustadt von Erlangen auf dem Papier geplant, mit geraden Straßen und zwei Plätzen. Dieser hier ist der kleinere. Er hatte schon vier verschiedene Namen: Französischer Markt, Holzmarkt, Luitpoldplatz und erst seit 1936 Hugenottenplatz. Heute halten auf der einen Hälfte die Busse, auf der anderen stehen Bäume, Fahrräder und ein Brunnen. Schau dich einmal langsam im Kreis um. Welches Haus ist das älteste?
Koordinaten: 49.59639, 11.00426 · auf der Karte