Stadtohr

Stadtrundgang Erlangen · Station 3 von 16

Besoldsches Haus

· adelspalais, barock, nobelpreis

Ausführlich

Sie stehen vor dem Besoldschen Haus, Hauptstraße 26. Von außen ist es ein repräsentativer Sandsteinquaderbau mit sechs Fensterachsen und einem Mansarddach auf mächtigem Kranzgesims. Das Erdgeschoss ist als Sockelgeschoss ausgebildet, die beiden Obergeschosse werden durch ionische Pilaster zusammengefasst. Über dem Korbbogenportal tragen ionische Freisäulen einen Balkon mit kunstvoll dekoriertem, schmiedeeisernem Gitter. Eines fällt auf, wenn man genau hinsieht: Der Einbau großer Ladenfenster im Erdgeschoss hat die Erscheinung des Hauses empfindlich verändert. Zur Bauzeit muss ich Ihnen zwei Angaben nennen. Eine Quelle datiert den Bau einmal auf 1733 bis 1734 und an anderer Stelle auf 1733 bis 1744. Bauherr war der Hofkammerrat Zacharias Buck. Vorher stand hier ein zweigeschossiges Haus, das Jean Molie 1688 errichtet hatte und das großformatige Fassadenfresken trug. Was dieses Haus interessant macht, ist die Reihe seiner Bewohner, denn an ihr lässt sich ablesen, was Erlangen im Laufe der Zeit war. 1746 ging es an Hofrat August Göckel, den Schwiegersohn Bucks. Von 1762 bis 1772 gehörte es dem schwedischen Gesandten Johann August von Greiffenheim, danach bis 1842 dem Freiherrn Berenger de Beaufain. Um 1820 befand sich hier das Polizeikommissariat Erlangen, die Behörde, die nach dem Übergang der Stadt an das Königreich Bayern die staatliche Aufsicht ausübte. Von 1835 bis 1873 nutzte die Freimaurerloge Libanon zu den drei Cedern den großen Saal, und von 1841 bis 1848 betrieb sie hier die erste Erlanger Stadtbibliothek. 1873 kaufte der Buchhändler Eduard Besold das Anwesen, der dem Haus den Namen gab. Von 1882 bis 1885 wohnte hier der Chemieprofessor Emil Fischer, der später mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an ihn. 1922 erwarb der Kinobesitzer August Berner das Haus. Sein Sohn eröffnete hier 1952 mit seiner Frau ein Damenoberbekleidungsgeschäft, das Haus der Dame. Es wuchs auf sechshundert Quadratmeter Verkaufsfläche auf drei Etagen und galt bis zur Schließung 2005 als eines der führenden Bekleidungsgeschäfte Erlangens. Das Erdgeschoss ist noch heute Ladenlokal. Im Inneren sind die Obergeschossräume reich mit Stuck ausgestattet, mit Gitter-, Bandel- und Rankenwerk. Im Festsaal im zweiten Obergeschoss kommen Vasen, Vögel, Putti und antikische Eckbüsten dazu. Über dem offenen Kamin sitzt ein Reliefmedaillon mit dem Bildnis des Markgrafen Friedrich III., in der Decke ein Ölgemälde mit einer Allegorie auf die Verherrlichung des Friedens. Wer die Pläne zeichnete, ist nicht gesichert. Andreas Jakob geht wegen der deutlichen Ähnlichkeit zum wenige Jahre später errichteten Altstädter Rathaus davon aus, dass sie wahrscheinlich von Landbaumeister Johann Georg Weiß stammen. Dieses Rathaus ist die vorletzte Station dieses Rundgangs. Vergleichen Sie dann selbst.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Besoldschen Haus, Hauptstraße 26. Es ist ein barockes Adelspalais und steht unter Denkmalschutz. Erbaut wurde es ab 1733 für den Hofkammerrat Zacharias Buck. Benannt ist es nach dem Buchhändler Eduard Besold, der es 1873 erwarb.

Für Kinder

Du stehst vor einem alten Stadtpalast aus Sandstein. Über der Tür ist ein Balkon mit einem Gitter aus Eisen. Im Erdgeschoss sind heute große Schaufenster. Die hat man später eingebaut, früher sah das Haus dort anders aus. In diesem Haus haben viele verschiedene Leute gewohnt: ein schwedischer Gesandter, die Polizei, eine Bibliothek, ein Modegeschäft. Und ein Chemiker namens Emil Fischer, der später einen Nobelpreis bekam. Eine Tafel an der Wand erinnert an ihn. Suche sie. Was glaubst du, wer hier in hundert Jahren wohnt?

Quellen

Koordinaten: 49.596986, 11.004265 · auf der Karte

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