Stadtohr

Stadtrundgang Erlangen · Station 5 von 16

Hugenottenkirche

· kirche, hugenotten, holzbau

Ausführlich

Sie stehen vor der Evangelisch-reformierten Kirche, die hier Hugenottenkirche heißt. Es ist das älteste Gebäude der Erlanger Neustadt und das älteste noch genutzte Gotteshaus der Hugenotten außerhalb Frankreichs. An dieser Stelle gehört die ganze Geschichte erzählt, denn sie erklärt den Rest der Stadt. Den calvinistischen Protestanten war durch das Edikt von Nantes 1598 die Ausübung ihrer Religion zugesichert worden. Am 18. Oktober 1685 erließ König Ludwig XIV. das Edikt von Fontainebleau, verwies die calvinistischen Geistlichen des Landes und untersagte den protestantischen Glauben. Noch im gleichen Jahr verließen rund fünfhunderttausend Protestanten Frankreich. Viele zogen in die Schweiz und in die Mark Brandenburg. Auf dem Weg dorthin durchquerten sie das Fürstentum Bayreuth, wo Markgraf Christian Ernst herrschte. Auch er ermöglichte durch ein Edikt im November 1685 die Ansiedlung. Nun die Zahl, die alles weitere erklärt: In die Kleinstadt Erlangen, eine mittelalterliche Stadt mit etwa dreihundert bis fünfhundert Einwohnern, kamen beinahe über Nacht rund fünfzehnhundert Hugenotten. Dreimal so viele Menschen wie Einwohner. Sie wurden zunächst notdürftig in den vorhandenen Häusern und in benachbarten Gehöften einquartiert, sehr zum Unmut der alteingesessenen Bevölkerung. Deshalb, und weil man die Neuankömmlinge wegen ihrer Finanzstärke und ihrer wirtschaftlichen Fähigkeiten unbedingt im Land halten wollte, wurde ab 1686 südlich der Altstadt eine neue Stadt errichtet. Die Gründung und der Bau einer Kirche waren den Hugenotten in einem Vertrag zugesichert worden. Zu Ehren des Regenten hieß die Neustadt bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Christian-Erlang. Bereits rund zwei Monate nach der Ankunft der ersten Flüchtlinge wurde am 14. Juli 1686 der Grundstein für die Kirche gelegt. Christian Ernst übernahm die Finanzierung und stellte Soldaten für die Bauarbeiten. Das sollte zeigen, dass es ihm ernst war. Weil große Unsicherheit über die Zahl der zu erwartenden Neubürger bestand, wurde der Bauplan während der Arbeiten mehrmals geändert. Am 26. Februar 1693 wurde die Kirche eingeweiht, schließlich doch in einer großzügigeren Variante. Über dem Hauptportal hängen zwei Steintafeln mit lateinischen Inschriften. Die linke erinnert an die Fertigstellung der Kirche im Jahr 1692, die rechte an den Turm von 1736. Zwei Angaben also, 1692 und 1693, und ich nenne Ihnen beide. Mit dem Turm begann man erst neununddreißig Jahre nach der Einweihung. Diesmal zahlte die Gemeinde selbst. Nach vier Jahren war der Turmbau 1736 abgeschlossen, und lange Zeit war er der einzige richtige Kirchturm der Neustadt. Nun schauen Sie an dem Haus hoch und denken Sie es sich von innen. Bis auf die steinernen Außenmauern und den gemauerten Turm ist diese Kirche eine Holzkirche. Das gesamte Dach, die Empore und die Kuppel im Inneren ruhen nur auf den Außenmauern, dem Dachstuhl und zwölf hölzernen Säulen. 2022 und 2023 wurde der Bau untersucht. Man fand deutliche Abnutzungserscheinungen und Verformungen, besonders am fast dreihundertvierzig Jahre alten Dachstuhl. Die Instandsetzung begann im Herbst 2024, seit dem Frühjahr 2025 ist die Kirche eingerüstet, und die Arbeiten werden voraussichtlich bis 2027 dauern. Eines noch: Gottesdienste wurden hier bis 1822 auf Französisch gehalten.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Evangelisch-reformierten Kirche, die in Erlangen Hugenottenkirche genannt wird. Sie wurde von 1686 bis 1693 nach Plänen von Johann Moritz Richter errichtet, der Turm von 1732 bis 1736. Sie ist das älteste noch genutzte Gotteshaus der Hugenotten außerhalb Frankreichs.

Für Kinder

Diese Kirche ist das älteste Haus der Erlanger Neustadt. Sie wurde für Menschen gebaut, die fliehen mussten. In Frankreich durften sie ab 1685 ihren Glauben nicht mehr ausüben. Viele liefen los und suchten ein neues Zuhause. Nach Erlangen kamen rund fünfzehnhundert von ihnen. In der Stadt wohnten damals nur drei- bis fünfhundert Leute. Stell dir vor, in deiner Klasse sitzen plötzlich dreimal so viele Kinder wie Plätze da sind. Deshalb baute man eine ganze neue Stadt. Und zuerst diese Kirche. Von außen ist sie aus Stein, innen ist fast alles aus Holz: Dach, Kuppel und zwölf Säulen.

Quellen

Koordinaten: 49.5963, 11.0035 · auf der Karte

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