Sie stehen vor dem Altstädter Rathaus, fertiggestellt 1740. In seinen architektonischen Formen ist es mit den barocken Adelspalais Erlangens vergleichbar, und das ist kein Zufall: Beim Besoldschen Haus an der Hauptstraße habe ich Ihnen gesagt, dass Andreas Jakob wegen der deutlichen Ähnlichkeit vermutet, die Pläne für beide Gebäude stammten wahrscheinlich von Landbaumeister Johann Georg Weiß. Vergleichen Sie nun. Fünf Fensterachsen, Mansarddach, die beiden Eckachsen durch korinthische Pilaster flankiert, die über gefugten Erdgeschoss-Lisenen ansetzen und die Obergeschosse zusammenfassen, in der Mitte ein leicht hervortretender Risalit. Die Erdgeschossfenster sind mit schmiedeeisernen Gittern versehen, die Fenster im ersten Obergeschoss mit Dreiecksgiebeln überdacht. Über dem Portal tragen toskanische Säulen einen Balkon mit Balusterbrüstung, und im Giebel der Balkontür steht das Wappen der Erlanger Altstadt. Nach August Gebessler war dabei wahrscheinlich die Architektur des Bayreuther Hofbauinspektors Johann David Räntz einflussreich. Dieses Rathaus steht nicht an seinem ersten Platz. In spätmittelalterlicher Zeit lag es in der Nordwestecke des heutigen Martin-Luther-Platzes und beherbergte im Untergeschoss auch die Waage sowie die Brot- und Fleischbänke. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es zerstört, 1680 an alter Stelle wiedererrichtet und nur kurze Zeit später, beim großen Altstadtbrand am 14. August 1706, erneut vernichtet. Beim Wiederaufbau der Altstadt wurde auch der Verlauf der Platzfronten erheblich korrigiert, und das Rathaus wanderte an die Ostseite. Der Neubau entstand von 1733 und 1734 bis 1740. Am Bau waren die Mauermeister Georg Pickel und Johann Wilhelm Stängel sowie die Zimmermeister Georg Haselmann und Heinrich Thaler beteiligt, die Bauplastik stammt von Johann Friedrich Maucher und Peter Franz Tieffenbach aus Wilhermsdorf. Innen haben sich in den ehemaligen Ratszimmern Stuckarbeiten von Martin Grasser aus dem Jahr 1739 erhalten, besonders im großen und im kleinen Saal im ersten Obergeschoss. Weil im Erdgeschoss früher die Waage stand, war dieses nicht unterteilt, sondern eine Halle, die nur vier Sandsteinpfeiler gliederten. Unter dem Haus liegen drei große Kellergewölbe. Nun zu den Nutzungen, denn an ihnen lässt sich eine Stadtgeschichte ablesen. Bis zur Vereinigung von Alt- und Neustadt Erlangen im Jahr 1812 diente das Gebäude seinem ursprünglichen Zweck. Danach kam eine Reihe von Dienststellen. Von 1811 bis 1827 bestand hier ein staatliches Hallamt, das eingeführte Waren wog und Mautgebühren erhob; die Kellergewölbe und die Remisen im Innenhof dienten zur Aufbewahrung. Von 1837 bis 1919 war hier das städtische Leihhaus, das gegen Hinterlegung von Wertgegenständen Darlehen an in Not geratene Bürger vergab. Zeitweise saß auch das Erlanger Landgericht im Haus. 1921 wurde daraus das erste städtische Bildungs- und Kulturzentrum, das Volkshaus, mit Veranstaltungen des Volksbildungsbunds, der Volksbücherei und ab 1923 dem Stadtarchiv. Im Zweiten Weltkrieg war im Keller die örtliche Luftschutzbefehlsstelle. Von 1946 bis 1947 beherbergte das Haus die Spruchkammer, die für die Entnazifizierung im Stadtkreis Erlangen zuständig war. Seit 1964 nutzt es das Stadtmuseum. Und ein Datum gehört noch hierher, weil es die letzte Station dieses Rundgangs vorbereitet: Am 11. April 1784 wurde in diesem Haus der erste katholische Gottesdienst seit der Einführung der Reformation in Erlangen gefeiert.
Sie stehen vor dem Altstädter Rathaus am Martin-Luther-Platz. Der dreigeschossige Sandsteinquaderbau wurde 1740 fertiggestellt. Bis zur Vereinigung von Alt- und Neustadt 1812 diente er seinem ursprünglichen Zweck. Heute beherbergt er das Stadtmuseum Erlangen.
Das war früher das Rathaus der Altstadt, fertig geworden 1740. Aber es stand nicht immer hier. Das alte Rathaus stand an der anderen Ecke des Platzes. Es wurde im Krieg zerstört, wieder aufgebaut und brannte 1706 beim großen Stadtbrand erneut ab. Danach baute man es an dieser Seite neu. Im Erdgeschoss stand früher die Waage der Stadt. Alles, was hereinkam, wurde gewogen, und dafür musste man zahlen. Später war hier ein Leihhaus: Wer kein Geld hatte, brachte etwas Wertvolles hin und bekam Geld dafür. Seit 1964 ist hier das Museum. Suche das Wappen über der Balkontür.
Koordinaten: 49.601813, 11.003571 · auf der Karte