Sie stehen am Ende dieses Rundgangs vor der Herz-Jesu-Kirche am Katholischen Kirchenplatz, am nordöstlichen Rand der Altstadt. Es ist die älteste nachreformatorische katholische Kirche Erlangens, und sie schließt diesen Weg mit einem Gegenstück ab. Am Hugenottenplatz habe ich Ihnen erzählt, wie fünfzehnhundert Glaubensflüchtlinge nach Erlangen eingeladen wurden, weil man sie wegen ihrer Finanzstärke und ihrer Fähigkeiten im Land halten wollte. Nun die andere Seite. Im 16. Jahrhundert gehörte Erlangen zum Fürstentum Bayreuth und wurde mit diesem lutherisch. Katholischer Gottesdienst wurde erst im 18. Jahrhundert schrittweise wieder zugelassen, nachdem durch Zuwanderung langsam eine kleine katholische Gemeinde entstanden war. Betreut wurde sie vom Pfarrer von Büchenbach und Hannberg. Erst 1784 gestattete Markgraf Karl Alexander von Bayreuth den Katholiken die private Religionsausübung. Am 11. April 1784 wurde im Altstädter Rathaussaal die erste heilige Messe gefeiert, in dem Haus, vor dem Sie gerade standen. Am 6. Mai 1784 wurde die Gemeinde zur Kuratie erhoben und erhielt die Genehmigung zum Bau eines Bethauses, also einer turmlosen Kirche in Form eines Wohnhauses, außerhalb der damaligen Stadt. Hören Sie die Bedingungen mit: privat, turmlos, wie ein Wohnhaus, außerhalb. Die Grundsteinlegung erfolgte am 20. März 1787, die Weihe auf den Namen Mariä Schmerzen 1790. Es war ein neunachsiges Haus, das sich von den Bürgerhäusern nur durch die aufwändige Portalgliederung und den Giebel mit der Inschrift Soli Deo Gloria unterschied, allein Gott sei Ehre. Dann ging es schnell. Am 24. Februar 1813, nun unter königlich-bayerischer Regierung, wurde die Gemeinde zur Pfarrei erhoben und die öffentliche Ausübung der pfarrlichen Rechte gestattet. Etwa drei Prozent der Einwohner waren damals katholisch. Der Zuzug hielt an und verstärkte sich infolge der Industrialisierung. 1910 machten die Katholiken etwa ein Drittel der Einwohnerschaft aus, und in diesem Jahr war zum ersten Mal eine Fronleichnamsprozession außerhalb des Kirchengebäudes gestattet. Von drei Prozent auf ein Drittel, und erst dann die Prozession auf der Straße. Das Gebäude wuchs mit. 1849 und 1850 entstand auf den Grundmauern des Bethauses eine Kirche, ein geosteter Saalbau mit einem schlanken Glockenturm im Westen, in den Formen der Münchner Neuromanik. Die Pläne dürfte der Ansbacher Zivilbauinspektor Andreas Schulz erstellt haben; überarbeitet wurden sie vom Münchner Baukunstausschuss unter Leitung Leo von Klenzes. 1895 und 1896 kam ein geräumiger Anbau quer dazu, stilistisch angepasst. Der alte Bau wurde zum Querhaus, nördlich entstand eine neue Apsis, südlich zur Straße hin eine Schaufront mit dem aufwändigeren Hauptportal. So ergab sich der kreuzförmige Grundriss, den Sie heute sehen, und bei der Neuweihe erhielt die Kirche das Patrozinium Herz Jesu. Schauen Sie den Turm an: Er stammt noch von der Kirche von 1850 und ist für die heutigen Ausmaße des Hauses eher zu klein. Zu den Jahresangaben: Wikidata nennt 1849. Eine Quelle nennt das Bethaus von 1790 und zwei Bauphasen. Ich nenne Ihnen alle drei Daten, denn jedes gehört zu einem anderen Stück dieses Hauses. Innen ist von alldem wenig übrig. Der Außenbau blieb im Zustand von 1896, der Innenraum wurde zwischen 1963 und 1966 komplett umgestaltet. Nur wenige Stücke blieben, darunter der 1830 von J. C. Knab gestiftete Taufstein und einige Glasgemälde. Bei der Umgestaltung von 2008 entstand ein heller, fast schmuckloser Raum. Der Taufstein von 1830 steht heute im hinteren Bereich des Mittelgangs. Suchen Sie ihn, wenn Sie hineingehen. Er ist das Älteste hier, und damit endet Ihr Rundgang.
Sie stehen vor der Herz-Jesu-Kirche am Katholischen Kirchenplatz, der ältesten nachreformatorischen katholischen Kirche Erlangens. Sie entstand aus einem Bethaus von 1790 in zwei Bauphasen, 1849 und 1850 sowie 1895. Seit 2019 gehört die Gemeinde zum Katholischen Seelsorgebereich Erlangen.
Das ist die letzte Station. Diese Kirche gehört den Katholiken in Erlangen, und sie mussten lange auf sie warten. Fast zweihundert Jahre lang durften sie hier keinen eigenen Gottesdienst feiern. 1784 war es endlich erlaubt, aber nur im Verborgenen. Die erste Messe fand im Rathaus statt, in dem Haus von der Station vorher. Dann durften sie ein Bethaus bauen: ohne Turm, von außen wie ein normales Wohnhaus, und außerhalb der Stadt. Erst später wurde daraus eine richtige Kirche mit Turm. Geh hinein und suche das Taufbecken von 1830. Es ist das älteste Stück im ganzen Raum.
Koordinaten: 49.6012, 11.009 · auf der Karte