Stadtohr

Stadtrundgang Erfurt · Station 3 von 16

Zitadelle Petersberg

1665 · festung, barock, mainz, napoleon

Ausführlich

Sie stehen an der Zitadelle Petersberg, und das Wort, auf das es hier ankommt, heißt Zwingburg. Diese Festung richtete sich nicht nur nach außen, sie richtete sich gegen die Stadt unter ihr. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde Erfurt wieder dem Kurfürstentum Mainz zugesprochen. Die Stadt leistete Widerstand. Der Kaiser belegte sie mit der Reichsacht, und ein Heer aus 15.000 kurmainzischen und französischen Soldaten zwang sie zur Aufgabe. Aus der selbstbewussten Stadt wurde eine Provinzstadt, dem Kurfürsten von Mainz direkt unterstellt. Um weiteren Aufständen vorzubeugen und zugleich gegen die protestantischen Mächte gewappnet zu sein, ließ Kurfürst und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn hier oben eine Zitadelle bauen. Am 1. Juni 1665 wurde der Grundstein gelegt. Sie hieß zuerst Citadelle Johann Philippsburg. Achten Sie auf die Reihenfolge der Bauarbeiten, denn sie verrät die Absicht. Bis etwa 1669 entstanden zuerst die vier der Stadt zugewandten Bastionen Martin, Philipp, Leonhard und Kilian, dazu das Peterstor mit Kommandantenhaus. Gebaut haben das fronende Bauern aus Erfurt gemeinsam mit italienischen Steinmetzen, unter Leitung des Ingenieurs Wilhelm Schneider. Die Erfurter errichteten also mit ihrer Arbeitspflicht die Anlage, die sie niederhalten sollte. Erst zwischen 1675 und 1700 kamen die vier übrigen Bastionen Johann, Michael, Gabriel und Franz dazu, mit drei Kasernen und zwei Ravelins. 1702 war die Festung ringsum geschlossen. In den Kasernen lagen im 17. und 18. Jahrhundert 500 bis 800 Mann Mainzer Garnison, zusammen mit der Erfurter Miliz. Eine Einzelheit lohnt sich. Im Fuß der Mauern liegen Konterminen, die man Horchgänge nennt. Dort patrouillierten Soldaten, um im Fall einer Belagerung feindliche Mineure früh zu hören und sie an ihrem Zerstörungswerk zu hindern. Verteidigung durch Zuhören. Später wechselten die Herren. 1802 besetzten preußische Truppen die Stadt und den Petersberg. Im März 1803 lösten sie das Benediktinerkloster St. Peter und Paul auf, das seit etwa 1060 hier oben bestand, um Platz für die stärkere Besatzung zu schaffen. Nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 flüchteten Teile des preußischen Heeres hierher und kapitulierten bereits am Tag darauf. Dann kamen die Franzosen. Napoleon traf am 23. Juni 1807 in Erfurt ein und besichtigte die Anlage, auch 1808 während des Erfurter Fürstenkongresses in Begleitung von Zar Alexander. Mit dem Wiener Kongress 1815 kam Erfurt endgültig zu Preußen. Bis zur Reichsgründung 1871 blieb der Berg Befestigungsanlage. Ab 1963 war das Gelände teilweise öffentlich zugänglich, ab 1990 wurde in großem Umfang saniert. Heute sitzen in den Gebäuden staatliche Ämter, es gibt Wohnungen und kulturelle Einrichtungen. Die Zwingburg ist ein Stadtteil geworden.

Kurzfassung

Sie stehen an der Zitadelle Petersberg, einer Stadtfestung des 17. bis 19. Jahrhunderts. Der Grundstein wurde am 1. Juni 1665 gelegt, auf Befehl des Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn. Sie gilt als eine der größten und besterhaltenen Festungen ihrer Art in Europa.

Für Kinder

Du stehst an einer riesigen Festung. Sie heißt Zitadelle Petersberg und wurde ab 1665 gebaut. Jetzt pass auf, denn hier ist etwas anders als bei den meisten Burgen. Diese Festung sollte die Stadt nicht beschützen, sie sollte die Stadt im Griff haben. Zuerst baute man die vier Mauerecken, die zur Stadt zeigen. Die Kanonen schauten also nach innen. Gebaut haben die Mauern Bauern aus Erfurt, die dazu verpflichtet waren. Unten im Fuß der Mauern laufen schmale Gänge. Dort horchten Soldaten, ob sich ein Feind von außen einen Tunnel grub.

Quellen

Koordinaten: 50.9786, 11.0183 · auf der Karte

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