Sie stehen vor der Schottenkirche, und wir reden hier über etwas, das man selten bemerkt: dass Städte wachsen, und zwar nach oben. Zuerst die Daten. Gestiftet wurde das Benediktinerkloster 1136, von Walther von Glisberg, dem Bruder des Naumburger Bischofs Hildeward. Walther war Reichsministeriale und auf der Jenaer Kunitzburg begütert, und er war auch Voigt seiner eigenen Stiftung. Seine Grabplatte ist in der Kirche ausgestellt; sie zeigt ihn und seine Frau im Stil romanischer Personendarstellungen. Das Erfurter Kloster war ein Filialkloster der Abtei St. Jakob in Regensburg, die Marianus Scottus gegründet hatte. Daraus leitet sich die heutige Bezeichnung Schottenkirche ab. Bis 1200 waren die Bauarbeiten abgeschlossen. Was dastand, war eine dreischiffige Basilika romanischen Ursprungs. 1472 zerstörte der große Erfurter Stadtbrand Teile der Kirche, und sie wurde in gotischen Formen wieder aufgebaut. Daher die Mischung, die Sie sehen: romanischer Kern, gotisch überformt. Die barocke Westfassade kam von 1720 bis 1729 hinzu. Nun der Boden. 1956 entfernte man die barocken Emporen wieder aus der Kirche und senkte den Fußboden auf das ursprüngliche Niveau des 12. Jahrhunderts ab. Dieses Niveau liegt heute rund einen Meter unter dem Außengrund. Darum führen am Eingang einige Stufen hinab in die Kirche. Lassen Sie sich diese Zahl durch den Kopf gehen: ein Meter in neunhundert Jahren. Das ist der Schutt, der Kehricht, der Straßenaufbau, die Pflasterschichten, die Reparaturen und die Brandreste von dreißig Generationen. Für alte Städte ist diese stetige Erhöhung des Geländeniveaus typisch. Man sieht sie nur dort, wo ein Gebäude nicht mitgewachsen ist. Dieses hier ist nicht mitgewachsen, weil man 1956 beschlossen hat, es auf seinen alten Stand zurückzuführen. Die Kirche ist damit ein Messgerät: ihre Schwelle zeigt an, wie viel Stadt über der Stadt liegt. Zwei Nachträge. 1820 wurden die Klostergebäude abgerissen, die Kirche blieb. 1964 wurde sie wieder geweiht, und 1971 erhielt sie eine neue Verglasung von Charles Crodel, der auch den Erfurter Dom einheitlich gestaltet hat. Im Turm hängen drei Stahlglocken aus dem Jahr 1872, gegossen vom Bochumer Verein für Glockenguss. Stahl statt Bronze, das war im 19. Jahrhundert die billigere Lösung. Und ein Hinweis, der zum Datum dieses Rundgangs gehört. Seit der Vorabendgottesdienst zum Advent 2023 nach St. Crucis verlegt wurde, wird die Schottenkirche nur noch unregelmäßig für Gottesdienste genutzt. Nach einem Beschluss des Kirchenvorstandes soll sie spätestens zum Advent 2026 geschlossen werden, gemeinsam mit St. Crucis, St. Georg und St. Martini. Vier Kirchen auf einmal. Was mit den Häusern danach geschieht, ist an diesem Rundgang ein durchgehendes Thema.
Sie stehen vor der Schottenkirche, der ehemaligen Klosterkirche St. Nicolai und Jacobi. Das Benediktinerkloster wurde 1136 gestiftet, bis 1200 war die Kirche fertig. Sie ist eine dreischiffige Basilika romanischen Ursprungs, teilweise gotisch überformt. Am Eingang führen Stufen hinab in den Raum.
Diese Kirche heißt Schottenkirche, hat aber mit Schottland nichts zu tun. Der Name kommt über ein Kloster in Regensburg, das ein Mann namens Marianus Scottus gegründet hat. Das Erfurter Kloster wurde 1136 gestiftet. Und nun pass auf, wenn du hineingehst: du musst Stufen hinabsteigen. Der Boden liegt etwa einen Meter tiefer als die Straße. Die Kirche sinkt aber nicht ein. Die Straße ist gestiegen. In neunhundert Jahren wird immer wieder etwas obendrauf gelegt: Pflaster, Sand, Schutt nach einem Brand. So wächst eine Stadt in die Höhe.
Koordinaten: 50.97979665, 11.033100357 · auf der Karte