Sie stehen am Wenigemarkt vor der Ägidienkirche, und diese Kirche ist zuerst ein Durchgang. Ihr Torbogen bildet den östlichen Zugang zur Krämerbrücke. Sie war eine von ehemals zwei Brückenkopfkirchen. Am westlichen Ende der Brücke stand seit dem 11. Jahrhundert die Benediktikirche. Sie wurde 1890 abgerissen, und von ihr ist nur noch ein Name geblieben, der des Benediktsplatzes. Die Brücke hat also eine Hälfte ihrer Einfassung verloren. Jetzt zur Bauweise, denn sie ist ungewöhnlich. 1110 wird die Kirche als capella sancti aegidii confessoris erstmals erwähnt. 1293 zerstörte ein Stadtbrand Brücke und Kirche. Der Wiederaufbau erfolgte als Bruchsteinbau und war 1325 vollendet, der Turm wurde 1324 an das Kirchenschiff angebaut. Und sie wurde vorrangig für Handelsreisende erbaut. Deshalb dies: das Erdgeschoss war im Mittelalter eine offene Halle und diente als Verkaufsraum. Der Kirchenraum liegt ein Stockwerk höher, der Altarraum in einem spätgotischen Erker. Unten wurde verkauft, oben gebetet, und beides war an diesem Ort kein Widerspruch, sondern dasselbe Geschäft: die Leute, die über die Brücke kamen, brauchten einen Markt und einen Segen. Die Nutzungsgeschichte dieses Hauses liest sich danach wie eine Liste von Wechseln. Bis zur Reformation 1525 gehörte sie den Mönchen des Schottenklosters, danach der Kaufmannsgemeinde. 1615 wurde der Gottesdienst eingestellt und das Gebäude profaniert. 1657 verpachtete man es an einen Kaufmann für profane Zwecke. 1827 wurde es an privat verkauft und zum Teil als Lagerhaus genutzt. Im Erdgeschoss war ein Geschäft; seine Türöffnungen wurden bei Renovierungsarbeiten freigelegt. 1927 kaufte die Kaufmannsgemeinde das Haus zurück, als Mietshaus. Von 1957 bis 1960 wurde es restauriert, und seitdem ist es wieder ein Gotteshaus. Seit 1960 ist es Gemeindekirche; die Evangelische Gemeinschaft, die sie nutzte, vereinigte sich 1968 mit der Methodistenkirche zur Evangelisch-methodistischen Kirche. Daraus ergibt sich eine Zeile, die man kaum erwartet: dies ist die älteste von Methodisten benutzte Kirche der Welt. Eine Kirche von 1325, in der ab 1615 kein Gottesdienst mehr stattfand, die verpachtet, verkauft, als Lager und als Mietshaus genutzt wurde, und die heute zu einer Kirche gehört, die es damals noch gar nicht gab. 2000 und 2002 wurde sie unter Beteiligung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz instandgesetzt. Zum Schluss der Blick. Der Turm ist 33 Meter hoch, hat 128 Stufen und wird auch Roter Turm genannt. Er ist täglich für Besucher geöffnet. Von oben sehen Sie über die Dachlandschaft der Krämerbrücke hinweg, bis zum Domplatz mit Dom und Severikirche, wo wir angefangen haben, und bis zur Zitadelle Petersberg. Von dort oben ist dieser Rundgang auf einen Blick zu sehen.
Sie stehen am Wenigemarkt vor der Ägidienkirche. Ihr Torbogen ist der östliche Zugang zur Krämerbrücke. Erstmals erwähnt wurde sie 1110, nach dem Stadtbrand von 1293 wurde sie neu errichtet und 1325 vollendet. Ihr Turm ist 33 Meter hoch und hat 128 Stufen.
Diese Kirche ist gleichzeitig ein Tor. Wenn du durch ihren Bogen gehst, stehst du auf der Krämerbrücke. Und jetzt das Verrückte: früher war unten ein Laden. Die Kirche wurde für Händler gebaut, die über die Brücke reisten. Im Erdgeschoss war eine offene Halle, in der man Waren verkaufte. Der Raum zum Beten liegt ein Stockwerk höher. Unten Handel, oben Gottesdienst. Später war das Haus Lagerhaus und sogar Mietshaus. Willst du nach oben? Der Turm hat 128 Stufen und ist 33 Meter hoch.
Koordinaten: 50.9787, 11.0317 · auf der Karte