Sie stehen auf dem Fischmarkt, und Sie stehen damit in der Mitte. Der Platz liegt in der Altstadt, zwischen dem Domplatz im Westen und dem Anger im Südosten. Erstmals erwähnt wird er 1293, als in foro piscium iuxta hospitale. Im Mittelalter fanden hier sehr oft Märkte statt, und so entwickelte sich der Platz zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. 1275 wurde an der Ostseite ein erstes Rathaus errichtet. Es stand genau dort, wo auch das heutige steht. Nun zur Säule, und jetzt wird es politisch. 1591 wurde gegenüber dem Rathaus eine Säule errichtet, auf der ein bewaffneter Krieger steht. Man nennt ihn den Römer. Diese Figur war keine Dekoration, sie war eine Botschaft, und sie hatte einen Adressaten. Sie sollte der geistlichen Obrigkeit zeigen, namentlich dem Erzbischof von Mainz, der der Herr über die Stadt war, dass die Bürger bereit seien, ihre reichsstädtischen Freiheiten notfalls auch mit Waffengewalt zu verteidigen. Ein steinerner Soldat, 1591, mit dem Gesicht zum Rathaus und der Haltung gegen Mainz. Wenn Sie wissen wollen, wie diese Geschichte ausgegangen ist, schauen Sie zum Petersberg hinauf, wo wir vorhin standen. 1664 unterwarfen die Mainzer die Stadt mit Gewalt. Ein Jahr darauf, 1665, wurde oben der Grundstein für die Zitadelle gelegt. Die Säule von 1591 blieb stehen, aber die Freiheit, die sie behaupten sollte, war verloren. Dann die Häuser. Rings um diesen Platz stehen Patrizierhäuser der Renaissance: das Haus zum Roten Ochsen von 1562, das Haus Zur Güldenen Krone von 1564, das Haus zum Breiten Herd von 1584 und das Haus zum Güldenen Löwen von 1740. Diese Fassaden sind das Vermögen von Kaufmannsfamilien, in Stein gestellt. Zu zwei von ihnen gehen wir gleich noch näher hin. Zuletzt zwei jüngere Schichten auf diesem Platz, denn er besteht nicht nur aus Mittelalter. Rechts des Rathauses steht die Sparkasse von 1934 und 1935, nach einem Entwurf von Johannes Klass im Stil der Neuen Sachlichkeit. Durch amerikanischen Artilleriebeschuss im April 1945 verlor sie ihre dekorativen Wandgemälde an der Fassade und ihre neun Meter hohen Farbglasfenster. Und unter Ihnen liegen Gleise: die Stadtbahn-Haltestelle Fischmarkt und Rathaus wird von drei Linien angefahren. Der Platz gehört zur Fußgängerzone und wurde zwischen Anfang und November 2013 umfassend saniert. Nach Westen führt von hier die Marktstraße, nach Süden die Schlösserstraße und einige Gassen mit guten Namen: Rumpelgasse, Schuhgasse, Rathausgasse. Nach Osten geht der Fischmarkt in den Benediktsplatz über, und dort beginnt die Krämerbrücke, von der wir gerade gekommen sind.
Sie stehen auf dem Fischmarkt, dem Mittelpunkt des alten Erfurts. Erstmals erwähnt wurde er 1293, ein erstes Rathaus stand hier bereits 1275. Rings um den Platz stehen Patrizierhäuser der Renaissance. 1591 wurde gegenüber dem Rathaus eine Säule mit einem bewaffneten Krieger errichtet.
Du stehst mitten in der alten Stadt. Dieser Platz heißt Fischmarkt und war früher der wichtigste Platz von Erfurt. Schon 1275 stand hier ein Rathaus. Schau dich um: die bunten, reich verzierten Häuser gehörten reichen Kaufmannsfamilien. Und nun such die Säule mit der Figur darauf. Oben steht ein Krieger mit Waffen, aufgestellt 1591. Weißt du, warum? Die Erfurter wollten selbst über ihre Stadt bestimmen. Ihr Herr saß weit weg in Mainz. Die Figur sollte ihm sagen: wir verteidigen unsere Rechte, wenn es sein muss.
Koordinaten: 50.9778, 11.0289 · auf der Karte