Sie stehen in der Michaelisstraße, bei den Grundstücken 43 und 44, in unmittelbarer Nachbarschaft der Alten Synagoge. Was hier gefunden wurde, war nicht geplant und beinahe weggeworfen. 1998 liefen in der Altstadt archäologische Bodenuntersuchungen. Unter dem Neubaukomplex sollte ein altes Kellergemäuer erhalten bleiben, das man als Abstellplatz für Fahrräder nutzte. Weil es erhalten bleiben sollte, waren dort keine Grabungen vorgesehen. Dann stießen die Bauarbeiter unter dem Mauerwerk auf eine klemmende Silberschale. Sie hielten sie für ein Stück Zinn und legten sie in ihren Bauwagen. Erst einige Zeit später, nach genaueren Untersuchungen, wurde die Bedeutung der Schale deutlich, und Archäologen begannen, den Schatz zu bergen, der unter der Mauer des Kellerzugangs vergraben lag. Nun die Zahlen, und sie lohnen das Zuhören. Das Gesamtgewicht beträgt 28 Kilogramm. Darin: 3141 Silbermünzen, vierzehn Silberbarren unterschiedlicher Größe, ein Silbergeschirrensemble aus acht Bechern, einer Kanne und einer Trinkschale, und über siebenhundert Einzelstücke gotischer Gold- und Silberschmiedekunst, teilweise mit Edelsteinen besetzt. Darunter acht Broschen, die in einem sogenannten Doppelkopf versteckt waren, und sieben Ringe aus Gold und Silber. Den zahlenmäßig größten Anteil machen aber Gürtelteile und Gewandbesätze aus, also Kleidungsschmuck. Die Münzen sind ausschließlich Turnosen, eine der ersten überregional in Europa verbreiteten Münzen, geprägt unter den französischen Königen Ludwig dem Neunten, Philipp dem Dritten, dem Vierten und dem Fünften, oder Nachahmungen davon. Und nun die Frage, die über allem steht: Warum vergräbt jemand das? Nachforschungen ergaben als Besitzer den wohlhabenden jüdischen Bankkaufmann Kalman von Wiehe. Er versteckte seine Wertsachen 1349, während der Pestepidemie und der Judenverfolgung dieser Zeit, offenbar aus Angst vor Raub und Plünderung. Die gewalttätige Verfolgung am 21. März in Erfurt überlebte er nicht. Keiner der Erfurter Juden überlebte sie. Der Schatz lag anschließend 649 Jahre im Boden, weil niemand mehr da war, der ihn holen konnte. Das Prunkstück ist klein. Es ist ein äußerst fein gearbeiteter Hochzeitsring, und in ihn sind in hebräischer Sprache die Worte Masel tov eingraviert, Viel Glück. Halten Sie diesen Gegenstand einen Moment im Kopf, zusammen mit dem Datum 1349. Seit dem 27. Oktober 2009 ist er dauerhaft im Kellergewölbe der Alten Synagoge ausgestellt, die am selben Tag als Museum eröffnet wurde. Im September 2023 nahm das Welterbekomitee der UNESCO die Alte Synagoge und die mittelalterliche Mikwe als Stätte Jüdisch-Mittelalterliches Erbe in Erfurt in die Welterbeliste auf. Zu dem Gebäude, in dem der Schatz heute liegt, gehen wir jetzt.
Sie stehen in der Michaelisstraße, in der Nachbarschaft der Alten Synagoge. Hier wurde 1998 bei Bauarbeiten der Jüdische Schatz von Erfurt gefunden, 28 Kilogramm Silber und Gold aus dem Jahr 1349. Der Fund gilt als weltweit einzigartig. Seit 2009 ist er in der Alten Synagoge ausgestellt.
1998 stießen Bauarbeiter hier in einem alten Keller auf eine silberne Schale. Sie dachten, es sei billiges Blech, und legten sie in ihren Bauwagen. Erst später merkte man, was dort lag: ein Schatz von 28 Kilogramm, mit 3141 Silbermünzen und über siebenhundert Schmuckstücken. Das kostbarste Stück ist ganz klein: ein Hochzeitsring mit hebräischen Wörtern darin. Sie bedeuten Viel Glück. Warum hat jemand das vergraben? Weil er Angst hatte. Der Kaufmann, dem es gehörte, war Jude und wurde 1349 getötet. Niemand holte den Schatz je ab.
Koordinaten: 50.978611111, 11.029166666 · auf der Karte