Stadtohr

Stadtrundgang Erfurt · Station 14 von 16

Haus zum Roten Ochsen

· renaissance, waidhandel, kunsthalle, fries

Ausführlich

Sie stehen vor dem Haus zum Roten Ochsen, und wir bleiben bei diesem Haus beim Erdgeschoss und beim Fries darüber, denn mehr als diese Fassade erzählt eine Quelle nicht. Erstmals erwähnt ist der Bau im Jahr 1392. Das ist wichtig für das Verständnis dieses Platzes: die Grundstücke am Fischmarkt sind alt, die Fassaden sind jünger. Was Sie hier sehen, ist ein Umbau. 1562 ließ Jacob Naffzer das Haus im Stil der Renaissance umgestalten. Naffzer lebte etwa von 1529 bis 1586, er war Oberratsmeister, also einer der obersten Männer im Rat, und er war Waid-Händler. Mit diesem Handel ist das Geld in dieses Haus gekommen. Schauen Sie nun auf den Fries oberhalb des Erdgeschosses, auf Augenhöhe, und lesen Sie ihn wie eine Aufzählung. Dort sind die Musen dargestellt und die antiken Planetengötter. Das ist das Bildungsprogramm eines Kaufmanns des 16. Jahrhunderts: die Künste und die Himmelskörper, die Antike als Besitz. Und in der Mitte, zwischen Musen und Göttern, sitzt der namengebende rote Ochse mit goldenen Hörnern. Ein Handelszeichen mitten im gelehrten Programm. Das Haus hieß nach seinem Schild, nicht nach seinem Besitzer. So fand man im 16. Jahrhundert eine Adresse: nicht über eine Nummer, sondern über ein Bild. Vergleichen Sie dieses Haus mit dem Nachbarn, von dem wir gerade gekommen sind. Das Haus zum Breiten Herd von 1584 zeigt die fünf Sinne, der Rote Ochse von 1562 zeigt Musen und Planetengötter. Zwei Kaufmannsfamilien, zweiundzwanzig Jahre Abstand, dasselbe Mittel: eine Wand, die sagt, was man weiß. Innen liegt im ersten Stock der Renaissancesaal, in dem viele Ausstellungen stattfinden. Die Nutzungsgeschichte danach ist kurz zu erzählen und passt zu diesem Rundgang: ab dem 18. Jahrhundert war das Haus nicht nur Wohn-, sondern auch Geschäftshaus, und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand ein Kino darin Platz. 1979 wurde es renoviert und als Galerie am Fischmarkt genutzt, seit 2000 heißt sie Kunsthalle Erfurt. Das Haus ist außerdem Sitz des Erfurter Kunstvereins. Ein Kaufmannshaus von 1392, eine Renaissancefassade von 1562, ein Kino, eine Kunsthalle. Die Wand ist geblieben, der Zweck hat sich viermal geändert.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Haus zum Roten Ochsen am Fischmarkt. Der Bau ist erstmals 1392 erwähnt. 1562 ließ ihn der Waid-Händler und Oberratsmeister Jacob Naffzer im Stil der Renaissance umgestalten. Über dem Erdgeschoss läuft ein Fries mit Musen und Planetengöttern. Heute ist hier die Kunsthalle Erfurt.

Für Kinder

Dieses Haus hat ein Tier im Namen: Haus zum Roten Ochsen. Such ihn. Über dem Erdgeschoss läuft ein Band aus Stein, und mitten darin sitzt ein roter Ochse mit goldenen Hörnern. Warum ein Ochse? Weil Häuser früher keine Hausnummern hatten. Man erkannte sie an einem Bild. Wenn jemand sagte, komm zum Roten Ochsen, dann wusste jeder, wohin. Das Haus gab es schon 1392. Sein heutiges Aussehen bekam es 1562 von einem reichen Kaufmann. Später war darin ein Kino. Heute ist es die Kunsthalle von Erfurt.

Quellen

Koordinaten: 50.97768, 11.02839 · auf der Karte

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