Sie stehen vor dem Haus zum Breiten Herd, Fischmarkt 13, am Nordrand des Platzes. Errichtet wurde es 1584, im Auftrag des Stadtvogts und Ratsmeisters Heinrich von Denstedt. Es gehört zu den bekanntesten Renaissancebauten der Stadt, und wir nehmen uns hier Zeit für eine einzige Sache: die Fassade und was sie behauptet. Schauen Sie in den ersten Stock. Dort sind die fünf Sinne dargestellt, personifiziert, also als menschliche Figuren. Die Vorlagen kamen von Frans Floris aus Antwerpen, ausgeführt wurden sie in der Werkstatt von Hans Friedemann dem Älteren. Ein Erfurter Ratsherr lässt sich 1584 niederländische Druckvorlagen schicken und von einem einheimischen Steinmetz umsetzen. Das ist Fernhandel, angewandt auf Bildung. Nun suchen Sie die Figur des Riechens. Im Hintergrund dieser Darstellung ist die Stadt Erfurt abgebildet. Halten Sie kurz inne und denken Sie darüber nach, was das heißt. Von den fünf Sinnen bekommt der Geruchssinn als Hintergrund nicht eine Blume, nicht einen Garten, sondern diese Stadt. Darüber kann man an diesem Platz eine Weile nachdenken. Gehen Sie die Fassade dann weiter hinauf. In den Giebeln der Fenster der oberen Etagen sitzen Gaffköpfe, also Köpfe, die herunterschauen. Ganz oben auf der Spitze steht eine Figur, die einen Landsknecht verkörpert. Auch sie gehört zur Sprache des Platzes: wenige Meter weiter steht auf einer Säule von 1591 ein bewaffneter Krieger und richtet seine Botschaft an den Erzbischof von Mainz. Der Landsknecht hier oben und der Römer dort unten sind Nachbarn im gleichen Jahrzehnt. Die Farbigkeit, die Sie sehen, ist nicht original. Die polychrome Fassadengestaltung der Renaissance wurde 1968 rekonstruiert. Dahinter liegt noch ein verstecktes Haus. Auf dem Grundstück hinter dem Hauptgebäude steht ein barockes Sommerhaus mit Saal. Es ließ 1727 der damalige Besitzer bauen, der braunschweigische Gesandte und Geheimrat Christoph Schulze. Und einmal war dieses Bürgerhaus Bühne der großen Politik. Während des Erfurter Fürstenkongresses 1808 wohnte hier Friedrich August der Erste von Sachsen, und Napoleon machte ihm in diesem Haus mit seinen Marschällen einen feierlichen Besuch. Derselbe Napoleon, der die Zitadelle auf dem Petersberg besichtigte, saß also auch hier, hinter dieser Fassade mit den fünf Sinnen. Zwei Nachträge. Das Haus wurde zum Vorbild des Gildehauses, das rechts daneben in zwei Bauphasen 1882 und 1883 sowie 1892 und 1893 im Stil der Neorenaissance errichtet wurde, mit den Hausnummern 14 bis 16. Und bei einem Brand am 17. Juli 2008, der im italienischen Restaurant im Erdgeschoss des Gildehauses ausbrach, wurde auch das Haus zum Breiten Herd beschädigt. Eine Kopie von 1883 hat dem Original von 1584 geschadet.
Sie stehen vor dem Haus zum Breiten Herd, Fischmarkt 13. Es wurde 1584 im Auftrag des Stadtvogts und Ratsmeisters Heinrich von Denstedt errichtet. An der Fassade im ersten Stock sind die fünf Sinne als Figuren dargestellt. Die farbige Fassadengestaltung wurde 1968 rekonstruiert.
Dieses Haus ist aus dem Jahr 1584, und seine Vorderseite ist wie ein Bilderbuch. Schau in den ersten Stock. Dort sitzen fünf Figuren. Jede steht für einen Sinn: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten. Kannst du alle finden? Und nun eine Suchaufgabe: schau bei der Figur für das Riechen in den Hintergrund. Dort ist eine ganze Stadt abgebildet, nämlich Erfurt. Ganz oben auf dem Dach steht ein Soldat aus Stein. Die Farben sind übrigens nicht die alten, die hat man erst 1968 neu gemalt.
Koordinaten: 50.9781, 11.0286 · auf der Karte