Sie stehen vor dem schmalsten bewohnten Fachwerkhaus Deutschlands. Die Maße zuerst, denn sie sind die Geschichte: 2,05 Meter breit, 20 Quadratmeter Grundfläche, 8,50 Meter hoch, und diese Höhe reicht für zwei Etagen. Strecken Sie die Arme aus. Etwa so breit ist das Haus. Das genaue Baujahr ist unbekannt; das Alter wird auf etwa 250 Jahre geschätzt. Schon um 1900 war es eine Sehenswürdigkeit, über die man sich ärgerte. Am 4. Dezember 1900 schrieb die Eisenacher Tagespost, eine Sehenswürdigkeit der Stadt werde vom Schwarm der Touristen kaum beachtet, die meisten begnügten sich mit der Wartburg, Eisenach besitze aber eines der kleinsten Häuser der zivilisierten Welt; hohe stattliche Gebäude würden es bald einengen, und dann werde seine winzige Erscheinung mehr Beachtung finden. Im März 1903 meldete dieselbe Zeitung, das Köhlersche Häuschen am Johannisplatz, das wegen seiner winzigen Maße in vielen illustrierten Zeitungen Deutschlands verewigt worden sei, erhalte eine neue Fassade. Zwischen diesen beiden Meldungen lag ein Kampf. Der Stadtrat wollte das Gebäude abreißen, weil es dem Bau neuer, größerer Häuser im Weg stand. Der Besitzer Wilhelm Köhler, Hoteldiener und Portier, ging vehement dagegen vor. Mit Hilfe des Großherzoglichen Bezirksdirektors und des Großherzoglichen Staatsministeriums in Weimar wurde der Erhalt gesichert. Der Hofzimmermeister Gustav Voigt unterstützte die Erneuerung der Fassade im Jugendstil der Gründerjahre; diese Front sehen Sie heute. Dann die Nutzungen. Lange nach der Sanierung von 1902 bis 1903 war im Eingangsbereich eine Verkaufsstelle für Obst, Gemüse und Südfrüchte. Luise Fritsch, die das Geschäft organisierte, wurde um 1940 Besitzerin des ganzen Gebäudes. Den Namen Handtuch bekam das Haus ab 1941, nach einem neuen Anstrich; der Begriff stammt aus einem Brief des Baupolizeiamtes zur Renovierung. 1974 kam der vorerst letzte Besitzerwechsel, und mit ihm der Mann, dem das Haus seine Rettung verdankt. Klaus Trippstein baute das vom Verfall und Abriss bedrohte Fachwerkhaus Schritt für Schritt mit Freunden und Bekannten wieder auf. 1983 und 2000 ließ er die Fassade komplett restaurieren. Seit 1991 ist im Inneren eine kleine Galerie mit Bildern, Keramik, Plastiken und historischer Möblierung. Trippstein, in Eisenach Trippus genannt, starb am 8. August 2017. Sein Sohn bot das Haus der Stadt an, mit dem Wunsch, es in seinem Sinne zu erhalten. Am 21. August 2020 erwarb es die Denkmal-Stiftung Eisenach, eine Treuhandstiftung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, angeregt von der Oberbürgermeisterin Katja Wolf und dem Stiftungsratsvorsitzenden Peter Bock. Das Inventar bleibt im Gebäude, die Stadt übernimmt die Verwaltung, und über die Gästeführer der Stadt ist ein Besuch weiterhin möglich.
Sie stehen vor dem Schmalen Haus am Johannisplatz 9, auch Handtuch genannt. Es ist 2,05 Meter breit, hat 20 Quadratmeter Grundfläche und bei 8,50 Metern Höhe zwei Etagen. Damit gilt es als das schmalste bewohnte Fachwerkhaus Deutschlands. Das genaue Baujahr ist unbekannt.
Dieses Haus ist nur 2,05 Meter breit. Streck deine Arme aus, so weit du kannst. Ungefähr so breit ist das ganze Haus. Trotzdem hat es zwei Stockwerke übereinander, denn es ist 8,50 Meter hoch. Die Leute in Eisenach nennen es Handtuch, weil es so dünn ist. Wie alt es genau ist, weiß niemand, geschätzt etwa 250 Jahre. Vor über hundert Jahren sollte es abgerissen werden, weil große Häuser gebaut werden sollten. Der Besitzer hat so lange gekämpft, bis es stehen bleiben durfte. Würdest du in so einem schmalen Haus wohnen wollen?
Koordinaten: 50.9744, 10.3243 · auf der Karte