Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 12 von 16

Lutherdenkmal Eisenach

1895 · denkmal, luther, 19. jahrhundert

Ausführlich

Sie stehen vor dem Lutherdenkmal auf dem Karlsplatz, und ich möchte, dass Sie es einmal umrunden, denn die vier Seiten des Sockels erzählen vier Geschichten. Zuerst die Figur selbst: ein überlebensgroßes Standbild aus Bronze auf einem rotfarbigen profilierten Steinsockel, Luther im Talar, die Bibel in den Händen, der Umriss geschlossen. Nun die vier bronzenen Reliefs, und alle vier haben mit Eisenach zu tun. Die südliche Tafel, die vordere, zeigt die Lutherstube auf der Wartburg: Luther sitzt am Tisch und arbeitet an der Übersetzung, Bücher füllen jeden Platz in der Stube. Die westliche Tafel zeigt Luther als Knaben und Kurrendesänger, dem sich Frau Cotta zuneigt; in deren Haus gehen wir am Ende dieses Rundgangs. Die nördliche Tafel zeigt seine Lebensmaxime, den Anfang seines Kirchenliedes: Ein feste Burg ist unser Gott. Und die östliche Tafel zeigt den Junker Jörg, als Jäger gekleidet, für den man Luther ausgab, aber in nachdenklicher Haltung, wie es seiner mönchischen Ausbildung entsprach. Jetzt die Entstehung, denn sie zeigt, wie Denkmäler gemacht werden. Im Oktober und November 1889 fand in Eisenach die 3. Generalversammlung des Evangelischen Bundes statt, und ihr Höhepunkt sollte die Grundsteinlegung sein. Als Bildhauer gewann man Adolf von Donndorf, 1835 in Weimar geboren, in Eisenach bekannt durch sein hier bereits aufgestelltes Bachdenkmal und in Weimar durch das Reiterstandbild Carl Augusts. Als Standort schlug die Stadtverwaltung den Karlsplatz an der Nikolaikirche vor, wo ursprünglich der mittelalterliche Marktplatz des Nikolai-Viertels gelegen hatte. Am 3. November 1889 legte der Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach vor Vertretern der Landeskirche, des Weimarer Hofes, der Staatsregierung, der Stadtverwaltung und etwa zehntausend Besuchern den Grundstein, mit drei symbolischen Hammerschlägen. Die Enthüllung folgte am 4. Mai 1895, dem Tag von Luthers Ankunft auf der Wartburg, als Staatsakt. Und nun das Umfeld, denn es hat sich mehr verändert als die Figur. Ein Foto von 1912 zeigt das Denkmal mit einem schmiedeeisernen Ziergitter am Sockel und einem zweiten Gitter, das eine achteckige Blumenrabatte umschloss. Schon 1925 war die Grünfläche weg, der Karlsplatz eingeebnet und gepflastert, das Denkmal stand einsam im Raum. In den 1950er Jahren verlor es das Gitter am Sockel; dafür kamen eine großzügigere Grünanlage mit Bänken und Blumenrabatten, der heutige Baumbestand, und ein technisches Gebäude mit Kiosk und Wartehäuschen für die Straßenbahn. Nach 1990 wurde dieses baufällige Gebäude als störend empfunden und entfernt. 2014, zur Vorbereitung auf das Jubiläum 500 Jahre Reformation, wurde das Denkmal umfassend restauriert. Folgen Sie zuletzt dem Blick der Figur: nach Süden, zur Wartburg, wo wir angefangen haben.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Lutherdenkmal auf dem Karlsplatz, eingeweiht am 4. Mai 1895. Geschaffen hat es der Bildhauer Adolf von Donndorf. Luther trägt einen Talar und hält die Bibel in den Händen. Die Figur ist nach Süden gewandt, in Richtung Wartburg.

Für Kinder

Der Mann aus Bronze heißt Martin Luther. Er hält ein Buch in den Händen, die Bibel. Das Denkmal wurde 1895 aufgestellt, an einem bestimmten Tag: dem 4. Mai, weil Luther an diesem Tag auf der Wartburg angekommen war. Geh einmal rundherum. Unten am Sockel sind vier Bilder aus Metall. Auf einem sitzt Luther am Tisch und schreibt. Auf einem anderen ist er ein Junge, der auf der Straße singt, um Geld zu verdienen. Und auf einem ist er als Jäger verkleidet. Schau noch, wohin die Figur blickt: nach Süden, genau zur Burg hinauf.

Quellen

Koordinaten: 50.9755, 10.3253 · auf der Karte

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