Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 11 von 16

Nikolaikirche

· kirche, romanik, kloster

Ausführlich

Sie stehen am Karlsplatz vor der Nikolaikirche. Schauen Sie zuerst auf die Säulen im Innern, wenn Sie hineinkommen, und dort auf die Kapitelle, also die Steine oben am Säulenkopf. Diese Steinmetzarbeiten geben der Kirche ihren hohen Rang in der Thüringer Kunstgeschichte. Stilistisch gehören diese Arbeiten dem ausgehenden 12. Jahrhundert an und stehen damit zeitlich noch im Einklang mit dem Bau des Wartburg-Palas. In Eisenach ist die Qualität dieser Steinmetzarbeit nur mit der Wartburg vergleichbar; der Eisenacher Stadtschreiber Johann Wilhelm Storch nannte die Kirche schon im 18. Jahrhundert eine Meisterleistung der Architectur. Nun das Kloster. Nach einer Quelle betraute Landgraf Ludwig III. seine Tante Adelheid von Thüringen mit dem Aufbau des Nikolaiklosters. Sie war die Tochter Landgraf Ludwigs I., lebte im Kloster Drübeck bei Wernigerode als Benediktinernonne und wurde so die erste Äbtissin des Eisenacher Klosters. Mit der Klostergründung verbunden war ein Umbau der älteren Kirche, an dem nachweisbar auch Fachleute der landgräflichen Bauhütte beteiligt waren. Außerhalb der Stadt lagen in vielen Umlandgemeinden Wirtschaftshöfe, die das Kloster mit ihren Erträgen versorgten. Es war eine bevorzugte Stätte als Witwensitz und diente der Ausbildung und Versorgung unverheirateter Adelstöchter. Jetzt die Abwärtsstrecke. 1529 wurden alle Kirchen, Klöster und Kapellen geschlossen, in denen kein protestantischer Gottesdienst gehalten wurde; die Gebäude gingen an Privatpersonen oder in andere Nutzungen. 1557 zählte das Kloster noch sieben Nonnen. Die Kirche wurde entweiht und diente zeitweilig als Pferdestall. Beim Großbrand von 1636 wurde das Kloster stark in Mitleidenschaft gezogen. Im 18. Jahrhundert diente das Langhaus als Fabrikationsgebäude einer Wollkämmerei-Manufaktur, einem Vorläufer der Eichelschen Textilfabriken; der größte Teil der Nebengebäude verschwand in dieser Zeit. Eine romanische Basilika mit Kapitellen wie auf der Wartburg, benutzt als Pferdestall und als Fabrik. Im 19. Jahrhundert erhielt die Diakonissen-Bewegung das Grundstück, um nebenan das Diakonissenmutterhaus zu bauen. Davor, auf dem Karlsplatz, steht das Ärztedenkmal; es erinnert an die deutschen Ärzte, die in beiden Weltkriegen im Dienst ums Leben kamen. Von 1968 bis 1971 wurde das Innere grundlegend restauriert und dabei die stilwidrige Ausmalung von 1887 wieder entfernt. Noch eine Beobachtung, für die Sie nur ein paar Schritte brauchen. Von Lutherdenkmal und Stadttor her gesehen liegt die Kirche etwa eineinhalb Meter über dem Niveau des Karlsplatzes. Darunter steckt ein kleiner felsiger Hügel, überliefert als Sperlingsberg, der die Last von Kirchturm und Klostermauern aufnahm. Unmittelbar westlich vor der Kirche floss im Mittelalter der Löbersbach quer über den Platz.

Kurzfassung

Sie stehen am Karlsplatz vor der Nikolaikirche, einer dreischiffigen romanischen Basilika. Sie ist dem heiligen Nikolaus geweiht und liegt am Jakobsweg. Sie ist die zweitgrößte Kirche der Eisenacher Gemeinde. Zu ihr gehörte das Nikolaikloster, ein Konvent von Benediktinerinnen.

Für Kinder

Diese Kirche ist sehr alt. Ihre runden Bögen und dicken Säulen verraten es: So baute man vor mehr als 800 Jahren. Sie heißt Nikolaikirche, nach dem heiligen Nikolaus. Schau dir drinnen die Steine oben auf den Säulen an. Dort hat jemand Blätter und Ranken in den Stein gehauen, mit Hammer und Meißel, ohne Maschine. Lange gehörte zu dieser Kirche ein Kloster, in dem Nonnen lebten. Später war die Kirche einmal ein Pferdestall und einmal eine Fabrik für Wolle. Kannst du dir Pferde in einer Kirche vorstellen?

Quellen

Koordinaten: 50.97597415, 10.325991971 · auf der Karte

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