Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 6 von 16

Rathaus

· rathaus, renaissance, wiederaufbau

Ausführlich

Sie stehen vor dem Rathaus an der Ostseite des Marktes, unmittelbar neben dem Stadtschloss. Dieses Haus ist ein Lehrstück darüber, dass Gebäude ihre Aufgabe wechseln, meist nicht freiwillig. Errichtet wurde es 1508 im Renaissancestil, und zwar als städtischer Weinkeller. Das Rathaus der Stadt stand damals woanders: 1484 hatte Eisenach es an der Nordseite der Georgenkirche gebaut, also keine fünfzig Schritte von hier. Dieses Rathaus musste die Stadt an Herzog Johann Ernst von Sachsen-Eisenach abtreten. Also zog die Verwaltung 1596 in den Weinkeller um, und dort sitzt sie noch. Dann kam das 17. Jahrhundert. 1636 zerstörte ein Stadtbrand das neue Rathaus erheblich. Bis 1641 wurde es wiederaufgebaut, und 1638, mitten in diesem Wiederaufbau, erhielt es seinen charakteristischen Treppenturm. Schauen Sie hoch zu diesem Turm, wir kommen auf ihn zurück. 1812 wurde die nebenan liegende Ratswaage baulich mit dem Rathaus verbunden, eine Waage also, an der die Stadt das Gewicht von Waren prüfte und dafür Gebühren nahm. 1924 wurde die Fassade saniert und farblich neu gestaltet. Am 9. Februar 1945 traf ein Bombenangriff das Haus und beschädigte es schwer; Teile wurden zerstört. Der Wiederaufbau begann 1946, und er brachte eine Entscheidung mit sich, die Sie heute noch sehen können, wenn Sie nach Süden blicken: Der südliche Gebäudeteil, die ehemalige Ratswaage, wurde abgetragen. An der nun freien Süd- und Ostseite entstand ein Rathausgarten mit einer Treppenanlage, die man auch als Tribüne nutzen konnte. Eine Tribüne am Rathaus, 1949 fertig, in der jungen DDR. Für wen die gedacht war, können Sie sich selbst beantworten. 1967 bekam das Haus bei einer weiteren Fassadensanierung den roten Anstrich, den es noch heute trägt. Und nun zurück zum Turm. Ab 1993 wurde das inzwischen einsturzgefährdete Gebäude grundhaft saniert. 1994 stand der Rathausturm wegen Baufälligkeit schief. Man nahm ihn ab, restaurierte ihn und setzte ihn wieder auf. 1996 wurde das Umfeld im Süden und Osten mit einem Gebäudekomplex bebaut, der das historische Rathaus einschließt und den die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Wartburg-Sparkasse nutzt. Weinkeller, Rathaus, Brandruine, Bombenschaden, Tribüne, Baustelle, Verwaltungssitz. Ein Haus, sechs Aufgaben. Drehen Sie sich zum Markt, dort steht ein Brunnen mit einem goldenen Mann.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Rathaus an der Ostseite des Marktes. Das Gebäude wurde 1508 im Renaissancestil errichtet, zunächst als städtischer Weinkeller. Seit 1596 ist es Sitz der Stadtverwaltung. Den charakteristischen Treppenturm erhielt es 1638, nach einem Stadtbrand.

Für Kinder

Hier arbeitet die Chefin oder der Chef der Stadt. Das Haus ist aber nicht als Rathaus gebaut worden, sondern im Jahr 1508 als Weinkeller. Erst später zogen die Leute aus dem Rathaus hier ein, weil sie ihr altes Haus abgeben mussten. Siehst du den runden Turm an der Ecke? Er wurde 1638 gebaut, nach einem großen Feuer in der Stadt. Im Jahr 1994 stand dieser Turm schief und sollte umfallen. Da haben Leute ihn abgenommen, in Ruhe reparieren lassen und wieder obendrauf gesetzt. Warum ist das Haus eigentlich rot? Diese Farbe bekam es im Jahr 1967.

Quellen

Koordinaten: 50.9748, 10.3205 · auf der Karte

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