Sie stehen am Markt vor der Georgenkirche. Gehen Sie hinein, wenn sie offen ist, und suchen Sie zwei Dinge: einen Taufstein und eine Reihe von Grabplatten. Zuerst der Taufstein. Johann Sebastian Bach wurde am 23. März nach altem Kalender, dem 2. April nach heutigem, im Jahr 1685 hier getauft, zwei Tage nach seiner Geburt. Der spätgotische Taufstein von 1503 steht noch da und dient noch heute demselben Zweck. Das ist der Satz, den ich an diesem Rundgang am liebsten sage: Es ist derselbe Stein. Als Kind sang Bach wahrscheinlich im Chorus musicus der Lateinschule, also auch hier in dieser Kirche, unter dem Kantor Andreas Christian Dedekind. Von 1708 bis 1712 musizierte hier Georg Philipp Telemann. Nun die Grabplatten, im Chorraum. Nachdem die Wartburg Residenz der Thüringer Landgrafen geworden war, brachte man die Grabsteine ihrer Vorfahren aus dem Kloster Reinhardsbrunn hierher. Die Reihe beginnt mit Ludwig dem Springer, gestorben 1123, dem Gründer der Wartburg, und endet mit Heinrich Raspe, dem Gegenkönig zum Kaiser Friedrich II. Dazwischen liegen Landgräfin Jutta, die Schwester Kaiser Friedrich Barbarossas, und Ludwig IV., der Gemahl der heiligen Elisabeth. Ein Hinweis, der die Platten erst richtig interessant macht: Sie sind eindeutig in das 14. Jahrhundert zu datieren, müssen also nach dem Brand von 1292 entstanden sein. Es sind nachträgliche Schöpfungen, keine Bildnisse nach dem Leben. 1952 wurden sie von Reinhardsbrunn nach Eisenach überführt und sind seither im Chor zu sehen. Im Jahr 1221 wurden in dieser Kirche Landgraf Ludwig IV. und die ungarische Königstochter Elisabeth getraut. Am 2. Mai 1521 predigte Luther hier, nach dem Wormser Edikt, auf der Flucht; zwei Tage später wurde er bei der Burg Altenstein angehalten und auf die Wartburg gebracht. Als eine der ältesten protestantischen Kirchen war die Georgenkirche bis 2008 die evangelisch-lutherische Bischofskirche Thüringens. Dann die Orgel. Der Prospekt, also das sichtbare Gehäuse, stammt von dem Instrument, das Georg Christoph Stertzing von 1697 bis 1707 nach einem Vorschlag von Johann Christoph Bach baute: vier Manuale, 58 Register, damals die größte Orgel Thüringens. Das heutige Werk baute 1982 die Firma Alexander Schuke aus Potsdam, mit 60 Registern und 4835 Pfeifen. Zum Schluss der Turm. Er ist 62 Meter hoch, erst von 1899 bis 1902 angefügt, nach dem Vorbild des Doms zu Monza, und darin hängen fünf Glocken. Die Sonntagsglocke ist ein Umguss einer Armesünderglocke des 13. Jahrhunderts und zeigt ein Relief des heiligen Georg. Ihre alte Aufgabe stand ihr auf dem Leib geschrieben: Sie läutete denen, die mit ihrem Blut Strafe erdulden sollten. An jedem 1. September erinnert sie um 20:45 Uhr an die Pulverexplosion in Eisenach im Jahre 1810.
Sie stehen am Markt vor der Georgenkirche, der Stadt- und Hauptkirche von Eisenach. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1196. Hier predigte Martin Luther am 2. Mai 1521, hier wurde Johann Sebastian Bach 1685 getauft. Bis 2008 war sie die Bischofskirche der Thüringer Landeskirche.
Das ist die größte Kirche der Stadt. In ihr steht ein Taufstein aus dem Jahr 1503. Hier wurde ein Baby getauft, aus dem später der berühmteste Musiker der Stadt wurde: Johann Sebastian Bach. Der Stein ist noch da, und Babys werden darin immer noch getauft. Der Turm ist 62 Meter hoch, aber er ist viel jünger als die Kirche. Oben hängen fünf Glocken. Eine davon läutet jedes Jahr am 1. September abends um Viertel vor neun, weil vor langer Zeit in Eisenach Schwarzpulver explodiert ist. Kannst du dir vorstellen, warum man daran erinnert?
Koordinaten: 50.97439955, 10.319596105 · auf der Karte