Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 4 von 16

Predigerkirche Eisenach

· kirche, museum, elisabeth, schnitzkunst

Ausführlich

Sie stehen vor der Predigerkirche, und das Erste, was Ihnen fehlen wird, ist ein Turm. Schauen Sie die Dachlinie entlang: kein Turm, kein Querhaus. Das ist kein Mangel, sondern Programm. Gebaut wurde sie als Bettelordenskirche, und Bettelorden bauten nicht hoch, sie bauten für das Wort. Innen bestand sie aus einem saalartigen, einschiffigen Raum und einem hohen Chor im Osten. Unter diesem Chor lag die dreischiffige, gewölbte Unterkirche. Die Seitenkapelle, die sich in südlicher Richtung anschließt, stammt aus der Zeit um 1300; ihre gewölbte Decke ist noch erhalten. Südlich davon schlossen sich die Klostergebäude an, die heute das Martin-Luther-Gymnasium nutzt, und zusammen bilden sie einen viereckigen Innenhof. Nun die Geschichte, und sie beginnt mit einem Namen, der in Eisenach überall auftaucht. Erbaut wurde die Kirche in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu Ehren der heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, die auf der Wartburg gelebt hatte. Nach der Weihe 1240 übergab Landgraf Konrad von Thüringen den Neubau den Dominikanermönchen, dem Ordo Praedicatorum, dem Predigerorden, zusammen mit der Erlaubnis, ein Kloster zu errichten. Dann kam die Reformation. 1523 wurde das Kloster aufgelöst, die Kirche profaniert und als Lagerraum genutzt. In den Wohn- und Arbeitsräumen der Mönche südlich der Kirche wurde 1544 die Lateinschule untergebracht. Der Wechsel vom Gebet zum Lager dauerte dann fast vier Jahrhunderte. 1899 wurde im früheren Refektorium des Klosters das Thüringer Museum begründet, das die Kirche ab 1903 als Ausstellungs- und Lagerraum nutzte. Bei den Luftangriffen auf Eisenach 1944 und 1945 wurde das Gebäude beschädigt, wie weite Teile der Innenstadt. In den 1960er Jahren riss man die Wohnhäuser ab, die an der Nordfassade standen; deshalb steht die Kirche heute so frei. Seit dem Sommer 1994 dient sie wieder als Ausstellungsraum. Was Sie drinnen finden, vor allem in der alten Krypta, ist der größte Bestand mittelalterlicher Schnitzkunst in Thüringen, in einer modern gestalteten Dauerausstellung. Zweimal kam Elisabeth hierher zurück. Zu ihrem 800. Geburtstag war die Predigerkirche vom 7. Juli bis 19. November 2007 neben der Wartburg Ort der 3. Thüringer Landesausstellung. Und 2021, zum 800. Jahrestag ihrer Zwangsverheiratung mit Landgraf Ludwig IV., zeigte das Museum Sonderausstellungen, darunter im August eine Lichtkunstinstallation von Philipp Geist. Zwangsverheiratet mit vierzehn, gestorben mit vierundzwanzig, achthundert Jahre später eine Lichtinstallation. Von hier sind es wenige Schritte zum Markt.

Kurzfassung

Sie stehen vor der Predigerkirche, etwa 150 Meter westlich des Marktes. Erbaut wurde sie im 13. Jahrhundert und 1240 geweiht, als Kirche des Eisenacher Dominikanerklosters. Heute gehört sie zum Thüringer Museum und zeigt den größten Bestand mittelalterlicher Schnitzkunst in Thüringen.

Für Kinder

Schau mal nach oben. Fällt dir etwas auf? Diese Kirche hat keinen Turm. Das war Absicht. Hier wohnten Mönche, die arm sein wollten, und arme Mönche bauen keine hohen Türme. Geweiht wurde die Kirche im Jahr 1240. Heute wird darin kein Gottesdienst gefeiert, sondern etwas ausgestellt: Figuren aus Holz, viele Hundert Jahre alt. Jemand hat sie mit Messern und Beiteln aus Holzblöcken herausgeschnitten. In Thüringen gibt es nirgends mehr davon als hier. Welche Figur würdest du schnitzen, wenn du es könntest?

Quellen

Koordinaten: 50.97474375, 10.316560822 · auf der Karte

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