Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 7 von 16

Georgsbrunnen (Eisenach)

· brunnen, markt, wasserversorgung

Ausführlich

Sie stehen vor dem Georgsbrunnen, und was Sie hier eigentlich sehen, ist ein Umzugsunternehmen über viereinhalb Jahrhunderte. Zuerst die Figur. 1549 entstand in der Eisenacher Werkstatt des damaligen Stadtbaumeisters Hans Leonhard die Sandsteinfigur des Ritters und Drachentöters St. Georg. Der Ritter ist in verkleinerten Proportionen gearbeitet, trägt einen vergoldeten Harnisch aus dem 16. Jahrhundert und bekämpft einen Lindwurm zu seinen Füßen. Der Harnisch ist wohl von einer Turnierrüstung abgegossen und entspricht in den Details Vorlagen aus der Zeit zwischen 1550 und 1560. Diese Figur saß als Aufsatz auf dem Brunnenstock des Marktbrunnens, und sie stand damit für zwei Dinge: für den Stadtheiligen Georg und für die Marktgerichtsbarkeit der Stadt, also für das Recht, hier auf dem Platz Recht zu sprechen. Nun die Wanderung. Ursprünglich stand der Brunnen vor dem Ostchor der Georgenkirche. Im August 1789 wurde er abgebrochen, die Ritterfigur aber behalten und auf einen neuen Brunnen gesetzt, der nun mitten auf dem Marktplatz stand, nördlich der Kirche. Dieser neue Trog war deutlich größer, hatte acht eiserne Wasserröhren, Steinpodeste und vier Treppen. Auf die Podeste stellten die Wasserholer ihre Kübel und schoben die beweglichen Auslaufrinnen in den Wasserstrahl, sodass das Wasser in die Gefäße lief. 1938 wurde die Stadtverwaltung aus politischen Gründen unter Druck gesetzt: Der Marktplatz sollte für Aufmärsche und Paraden größer werden. Also musste der Brunnen an die Westseite der Georgenkirche weichen, und mit ihm das Bach-Denkmal, das dort stand. Wo das Bach-Denkmal seitdem steht, sehen Sie später am Frauenplan. Bei dieser Umsetzung wurde der Trog wieder auf ein harmonisches Maß verkleinert, und am Sockel wurden kleine Drachen angebracht, die in alle Richtungen Wasser speien. Die letzte Versetzung kam mit der Marktplatzsanierung von 1999 bis 2001, diesmal aus einem sehr weltlichen Grund: Der Brunnen stand dem Riesenrad im Weg, das traditionell zum Eisenacher Weihnachtsmarkt aufgebaut wird. Zum Wasser. Dieser Brunnen war ein Röhrenbrunnen und bekam sein Wasser zunächst aus drei gefassten Quellen. Die entfernteste lag im Marktbörner Feld, etwa drei Kilometer Luftlinie von hier. Das Wasser lief über ein hölzernes Gerinne, das wohl sehr störanfällig war, über die Hörsel, dann über den städtischen Mühlgraben und den Stadtgraben bis hierher. Mit dem Bau der städtischen Wasserleitungen ab 1870 verlor der Brunnen seine eigentliche Aufgabe. Seit 1995 feiert Eisenach ein Altstadtfest, das nach dieser Figur benannt ist: das Hanjörgfest. Im Mittelalter wurden Heiligennamen abgewandelt, aus Georgios wurden Jürgen, Hans-Jürgen und Jörg, und so findet sich in alten Schriften der Namenstag des heiligen Georg als Hanjörgstag.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Georgsbrunnen, auch Gülden-Manns-Brunnen genannt. Die Figur des heiligen Georg entstand 1549 in der Werkstatt des Stadtbaumeisters Hans Leonhard. Der Ritter trägt einen vergoldeten Harnisch und bekämpft einen Drachen. Der Brunnen hat schon mehrmals den Standort gewechselt.

Für Kinder

Schau dir den Mann aus Stein an. Er ist ein Ritter und heißt Georg. Sein Anzug aus Metall ist mit Gold überzogen, deshalb nennen die Leute ihn den Güldenmann, also den goldenen Mann. Unter ihm liegt ein Drache, gegen den er kämpft. Früher war das hier keine Zierde, sondern wichtig: Aus diesem Brunnen holten die Leute ihr Wasser in Kübeln. Das Wasser kam aus Quellen drei Kilometer weit weg, durch Rohre aus Holz. Der Brunnen ist schon viermal umgezogen. Einmal musste er weg, weil ein Riesenrad hier stehen sollte.

Quellen

Koordinaten: 50.9748, 10.32 · auf der Karte

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