Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 8 von 16

Eisenacher Stadtschloss

· schloss, barock, museum

Ausführlich

Sie stehen vor dem Stadtschloss, und dieses Haus beginnt mit einem Möbelwagen. Nach der Überlieferung wurde Anna Sophie Charlotte, geborene Markgräfin von Brandenburg-Schwedt und Witwe des letzten Eisenacher Herzogs Wilhelm Heinrich, des Landes verwiesen. Als weitere demütigende Gesten des Erben bekannt wurden, befahl sie kurzerhand, das von ihr bewohnte Residenzschloss bis auf den letzten Nagel auszuräumen. Herzog Ernst August, so die Überlieferung, war darüber so erzürnt, dass er den unverzüglichen Abriss des Residenzschlosses anordnete, und dem Wunsch wurde ohne Zögern nachgekommen. Am 20. Januar 1742 traf der Befehl zum Neubau ein. Jetzt wird es interessant, denn dieser Neubau war ein Sparbau. Zum Bauplatz wurde ein Areal bestimmt, auf dem noch sechs Bürgerhäuser standen. Die Fürstliche Baukommission mit Landesbaumeister Gottfried Heinrich Krohne war dreifach gehemmt: durch die vorgegebenen Ausmaße, durch die Pflicht, Fundamente und teils Umfassungsmauern der Bürgerhäuser zu übernehmen, und durch die Vorgabe, nur billiges Material zu verwenden, Fachwerk und Werkstücke der abgerissenen Alten Residenz. Weil die Zwischendecken und tragenden Strukturen der Bürgerhäuser blieben, ließen sich im Südflügel nur kleine Räume einrichten, die dem Anspruch einer fürstlichen Hofhaltung nicht entsprachen. 1743 entstand deshalb der Plan, zusätzlich einen Nordflügel für Festräume zu bauen. 1746 musste ein bereits aufgestocktes Geschoss wieder abgetragen werden, wegen statischer Probleme und entdeckter Fäulnis im Gebälk. 1745 bestellte man bei einem Ofenbaumeister dreißig eiserne Öfen mit Lasursteinaufsätzen. 1747 wurden im Festsaal großformatige geschliffene Kristallspiegel und zwei vergoldete Kronleuchter eingebaut, während in den meisten Räumen des neuen Obergeschosses noch weder Türen noch Fenster saßen. Mit der Dachentwässerung begann man erst 1748: Gerinne am Dach, zwölf kupferne Schläuche, ein unterirdisches Abzugssystem rings um das Schloss. Schauen Sie jetzt auf die Fassade zum Markt. Sie wurde 1748 vollendet, und im selben Jahr starb der Bauherr. Nach dem Tod Krohnes und des Herzogs vollendete August Friedrich Straßburger die Anlage in den 1750er Jahren. Im Nordflügel liegt der Rokokkosaal, 120 Quadratmeter, über zwei Geschosse. Die Stuckaturen stammen von Krohne, aus der Zeit zwischen 1745 und 1747, das Deckengemälde von Johann Leopold Deyssinger; es zeigt eine Episode aus dem Leben der Nereide Galateia. 1933 wurde der Ostflügel abgerissen, 1934 der Nordflügel unter dem Eisenacher Architekten Karl Steiner umgebaut. Seit 1931 ist das Thüringer Museum hier, im Nordflügel das Stadtarchiv. Nach 1990 wurde saniert, zuletzt bis 2017 der Nordflügel mit dem Rokokkosaal. Seit 2025 kann man in diesem Saal heiraten.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Stadtschloss an der Nordseite des Marktes. Es war Residenz der Herzöge von Sachsen-Eisenach und später der Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach. Der Befehl zum Neubau traf 1742 ein. Heute sind hier das Thüringer Museum, das Stadtarchiv und Büros der Stadtverwaltung.

Für Kinder

Hier wohnten früher Herzöge. Das Haus heißt Stadtschloss. Wie es dazu kam, ist eine Geschichte über Wut. Eine Herzogin musste das alte Schloss verlassen. Bevor sie ging, ließ sie alles mitnehmen, bis auf den letzten Nagel. Der nächste Herzog war darüber so wütend, dass er das leere Schloss abreißen ließ. Dann brauchte er ein neues, und das ist dieses hier. Gebaut wurde es ab 1742, aber mit wenig Geld: Man benutzte Steine vom alten Schloss noch einmal. Heute ist in dem Haus ein Museum, und man kann darin heiraten.

Quellen

Koordinaten: 50.975, 10.32 · auf der Karte

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