Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 9 von 16

Synagoge Eisenach

· synagoge, gedenkstaette, novemberpogrom

Ausführlich

Sie stehen an einem Ort, an dem etwas fehlt. Hier stand die Neue Synagoge von Eisenach. Zuerst die Vorgeschichte, denn jüdisches Leben gab es in dieser Stadt seit dem Mittelalter. Eine Synagoge befand sich in der damaligen Judengasse, im Bereich der heutigen Karlstraße 23, und sie bestand bis ins 19. Jahrhundert. Am 30. September 1864 wurde ein Gebetsraum im Hinterhaus des Hauses Jakobsplan 19 eingeweiht, das die jüdische Gemeinde erworben hatte. Die Gemeinde wuchs schnell, der Raum wurde zu klein, und 1882 begrenzte die großherzogliche Verwaltung die Kapazität aus Sicherheitsgründen auf hundert Gläubige. Jüdische Feste wurden in dieser Zeit im Gasthaus Zum Löwen in der Marienstraße gefeiert, der heutigen Gedenkstätte Goldener Löwe. Deshalb suchte die Gemeinde ab 1883 nach einem Platz für einen Neubau. Sie fand ihn hier, in der Wörthstraße 26, heute Karl-Marx-Straße, am Nordufer des Mühlgrabens. Gebaut wurde 1884 bis 1885 von dem Eisenacher Architekten Hermann Hahn. Diesen Namen haben Sie heute schon gehört: Hahn leitete auch den Bau des Turms der Georgenkirche. Am 10. April 1884 wurde der Grundstein gelegt, am 8. Januar 1885 war die feierliche Einweihung. Zum Gebäude gehörten neben Gebetsräumen Konferenzräume, Büros und Klassenzimmer für die religiöse Erziehung der Kinder. Nun die Daten, die zeigen, dass der 9. November 1938 nicht aus dem Nichts kam. Bereits 1923 und 1925 kam es zu Anschlägen auf die Synagoge, die Fenster wurden zerbrochen. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 versuchten drei Unbekannte einen Sprengstoffanschlag auf das Gebäude. In der Nacht des 9. November 1938 drangen Mitglieder der Hitlerjugend und der SA ein, zerstörten das Mobiliar und plünderten die Ritualgegenstände. Gegen 22:30 Uhr wurde das Gebäude in Brand gesetzt. Die Brandruine wurde kurz darauf abgetragen und das Grundstück in den Besitz der Stadt überführt. Schauen Sie jetzt auf den Boden, denn der Boden ist hier das Denkmal. Am 21. September 1947 wurde an dieser Stelle eine Gedenkstätte eingeweiht, in Anwesenheit wichtiger Persönlichkeiten der Stadt und des Landes Thüringen. Sie besteht aus einer geschotterten Fläche, auf der Steinplatten im Boden den Grundriss der Synagoge markieren. Sie können die Umrisse des Hauses also ablaufen. Davor liegt ein Pflanzbeet in Form eines Davidsterns. An der Ostseite steht ein Denkmal, gebaut aus Steinen der Synagoge, mit einem Davidstern, beidseitig je einer Menora und einer Gedenktafel; die Tafel wurde 1998 ersetzt. Zwei weitere Orte in dieser Stadt gehören dazu. Eine Gedenktafel im Eisenacher Hauptbahnhof erinnert an die Deportation der Eisenacher Juden. Und seit August 2009 werden in Eisenach Stolpersteine zum Gedenken an die ermordeten jüdischen Bürger der Stadt verlegt.

Kurzfassung

Sie stehen am Ort der Neuen Synagoge von Eisenach. Sie wurde 1884 bis 1885 vom Eisenacher Architekten Hermann Hahn erbaut und am 8. Januar 1885 eingeweiht. In der Nacht des 9. November 1938 wurde sie in Brand gesetzt, die Ruine 1939 abgetragen. Heute steht hier eine Gedenkstätte.

Für Kinder

Hier fehlt ein Haus. Du siehst eine Fläche mit Steinen im Boden. Diese Steine zeigen genau, wo die Wände standen. Du kannst außen herumgehen und siehst dann, wie groß das Haus war. Es war eine Synagoge. In einer Synagoge beten jüdische Menschen, so wie andere in eine Kirche gehen. Gebaut wurde sie 1885, und es gab darin auch Unterrichtsräume für Kinder. Im Jahr 1938 haben Menschen dieses Haus angezündet. Danach wurde die Ruine abgeräumt. Seit 1947 erinnert diese Fläche daran. Das Denkmal daneben ist aus den Steinen der Synagoge gebaut.

Quellen

Koordinaten: 50.975478, 10.321716 · auf der Karte

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