Stadtohr

Stadtrundgang Eisenach · Station 15 von 16

Bachhaus Eisenach

1907 · museum, bach, irrtum

Ausführlich

Sie stehen vor dem Bachhaus, und dieses Museum ist vor allem deshalb interessant, weil es auf einem Irrtum steht und ihn selbst ausstellt. Zuerst die Fakten zum Haus. Es zählt zu den beiden ältesten erhaltenen Wohnhäusern Eisenachs: der östliche Teil 1456 errichtet, der westliche 1458, um 1611 beide verbunden. Wie bei Ackerbürgerhäusern üblich wurde das Erdgeschoss nebenbei landwirtschaftlich genutzt. Der heutige Instrumentensaal dürfte die Scheune gewesen sein; an die Viehweide erinnert eine im Garten gefundene Kuhglocke von 1688. Nun der Irrtum. Mit der Bach-Renaissance begann die Suche nach der Geburtsstätte. 1857 befragte der Bach-Biograph Karl Hermann Bitter dazu die noch in Eisenach lebenden Nachkommen von Johann Bernhard Bach und bestimmte aufgrund ihrer Auskünfte das Haus Frauenplan 21 als Geburtshaus. Seit 1868 wies eine Gedenktafel des Eisenacher Musikvereins das Haus öffentlich als Geburtshaus aus. Belege dafür gibt es bis heute nicht. Der Irrtum entstand möglicherweise, weil tatsächlich Mitglieder der Eisenacher Bach-Familie in dieses Haus einzogen, allerdings erst zur Mitte des 18. Jahrhunderts: Zwischen 1746 und 1779 lebte hier die Familie von Caroline Amalie Rausch, geborene Bach. Was ist gesichert. Bachs Vater Johann Ambrosius Bach kam 1671 als Leiter der Ratsmusiker nach Eisenach; die Familie wohnte zunächst zur Miete in der Rittergasse 11, dem heutigen Museumsgarten gegenüber. Weil nur Grundeigentümer das Bürgerrecht erwerben konnten, kaufte Ambrosius 1674 ein Haus in der Fleischgasse, heute wahrscheinlich Lutherstraße 35, hundert Meter nördlich von hier; es ist nicht erhalten. Nicht alle Eisenacher Bürger wohnten aber in den Häusern, die sie für das Bürgerrecht gekauft hatten. Deshalb lässt sich der Standort des tatsächlichen Geburtshauses heute nicht mehr mit Gewissheit bestimmen. Hier liegt eine Abweichung zwischen zwei Quellen, und ich sage sie Ihnen: Eine Quelle zum Frauenplan nennt den Platz als Ort des Geburtshauses, eine Quelle zum Bachhaus hält den Ort für nicht mehr sicher bestimmbar. 1928 fand der Eisenacher Hobbyhistoriker Fritz Rollberg in Steuerbelegen, dass Ambrosius Bach 1674 ein anderes Haus erworben und dafür bis zu seinem Tod 1695 Steuern gezahlt hatte. Da war das Bachhaus längst weltbekannt. Heute zeigt das Museum eine dieser Steuerakten und weist damit selbst auf den Irrtum hin. Zum Museum. Am 15. Mai 1905 erwarb die 1900 gegründete Leipziger Neue Bachgesellschaft das damals vom Abbruch bedrohte Haus Frauenplan 21, am 27. Mai 1907 wurde das Museum eröffnet, mit dem Leipziger Thomanerchor, der Großherzoglichen Hofkapelle, Joseph Joachim und dem Pianisten Ernst von Dohnányi. Erweitert wurde das Museum 1911, 1973 und ab 1980; von 2005 bis 2007 kamen ein Neubau und eine neue Dauerausstellung.

Kurzfassung

Sie stehen vor dem Bachhaus am Frauenplan 21, einem Museum für Johann Sebastian Bach. Der Kern ist ein etwa 550 Jahre altes Fachwerkhaus, das man im 19. Jahrhundert fälschlich für Bachs Geburtshaus hielt. 1907 richtete die Neue Bachgesellschaft hier das Museum ein.

Für Kinder

Hier ist ein Museum für Johann Sebastian Bach, einen berühmten Musiker. Er wurde 1685 in Eisenach geboren und lebte seine ersten zehn Jahre hier. Jetzt kommt das Lustige: Lange dachten alle, Bach sei genau in diesem Haus geboren. Das war ein Irrtum. Ein Mann fand 1928 alte Steuerzettel und merkte: Bachs Vater hatte ein anderes Haus. Wo Bach wirklich geboren wurde, weiß niemand mehr. Das Museum versteckt den Fehler nicht, sondern zeigt die alten Zettel. Findest du das richtig so? Im Erdgeschoss war früher übrigens eine Scheune, mit Kühen.

Quellen

Koordinaten: 50.971491666, 10.322611111 · auf der Karte

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